ProCent: Abenteuer Afrika – Ein halbes Jahr voller kleiner Prinzen

Kindern wieder ein Lächeln schenken – das ist das Motto des deutschen Kinderhilfsprojekts „Little Prinz“, welches sich seit 2009 im Westen Kenias zusammen mit einem Team vor Ort für hilfsbedürftige Kinder engagiert. Das Ziel ist es, Waisen und vernachlässigten Kindern ein neues Zuhause mit besseren Lebensbedingungen zu schaffen. Neben einer ausgewogenen Ernährung, medizinischer Versorgung und schulischer Ausbildung soll den Kindern außerdem wieder das Gefühl von Wärme und Nähe gegeben werden.

Im Moment leben 18 Kinder zusammen mit den Heimbetreuern, drei Hunden und Hühnern in der schönen Wohnanlage mit eigenem Gemüsegarten am Rande des Kakamega Regenwaldes. Wie in einer großen Familie gibt es einen geregelten Tagesablauf und die alltäglichen Aufgaben werden gemeinsam bewältigt. Auch ich war für ein halbes Jahr Teil dieser besonderen Familie und habe dort als freiwillige Hilfe gelebt, geholfen und unglaublich viel erlebt.

Nach einer langen Anreise mit dem Flugzeug wurde ich in Shinyalu herzlich in Empfang genommen. Allerdings war mir erst als ich gelandet und mit eigenen Füßen über die roten Staubstraßen gelaufen bin, wirklich klar, dass ich jetzt Mitten in Afrika bin. Alle waren sehr offen, hilfsbereit und haben sich gefreut, mich zu begrüßen. Auch die Kinder waren sehr neugierig und aufgeschlossen, wobei es trotzdem etwas gedauert hat, bis das Verhältnis ganz vertraut und entspannt war. Von Anfang an wurde immer viel gelacht und miteinander geredet und ich habe mich gleich sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt. Die Arbeit ging gleich vom ersten Tag an los und jeder hat mit angepackt. Auch die Kinder hatten ihre Aufgaben und wurden in den Alltag integriert. Unser Tagesablauf war immer sehr ähnlich. Morgens wurden die älteren Kinder geweckt, es wurde gefrühstückt und wir sind gemeinsam zur Schule gegangen. Danach standen Wasser pumpen und putzen auf dem Plan und mit der Zeit kamen dann die anderen kleinen Kinder aus den Betten gekrochen. Anschließend gab es ein leckeres Frühstück, die Kleinen Kinder wurden gewickelt und gewaschen und es wurde gespielt, bis die Großen wieder von der Schule abgeholt wurden und alle zusammen Mittag gegessen haben. Auch wenn der Abwasch für so viele Leute doch immer ein ganzes Weilchen gedauert hat, war er immer mit Spaß verbunden. Nachmittags sind die kleineren noch mal ins Bett, während die großen beim Waschen, Unkraut jäten oder anderen Dingen geholfen haben. Besonders das Wäschewaschen von Hand war anfangs nicht ganz leicht und oft schmerzhaft für meine Hände, deshalb war ich für jede Hilfe dankbar. Außerdem haben wir zusammen Hausaufgaben erledigt, gebastelt, gemalt oder sind Fußball spielen gegangen. Gegen Abend habe ich ab und zu in der Küche geholfen, je nach dem ob es was zu tun gab oder nicht. Zwar war das Essen anders und nicht so abwechslungsreich wie zuhause, aber trotzdem immer lecker.

Komischerweise hatte ich, obwohl ich in einer ganz anderen Welt gelandet bin, keinen „Kulturschock“. Natürlich wusste ich auch, was mich erwartet und mir war klar, dass für uns so selbstverständliche Dinge wie fließendes Wasser und Strom hier schon ein großer Luxus sind, aber selbst Plumpsklo und Eimerdusche waren kein Problem und ich habe mich sofort eingelebt. Trotz alledem ist es doch noch mal ein ganz anderes Gefühl, dieses für uns so einfache und andere Leben in TV-Reportagen zu sehen, oder selbst mit Leib und Seele dabei zu sein und selbst hier zuwohnen. Dabei hatte ich nie ein mulmiges Gefühl oder gar Angst, denn die Kultur und die Menschen sind unglaublich lebensfroh und offen. Sie arbeiten und lachen und trotz der ärmlichen Umstände hat man das gute Gefühl, dass die meisten glücklich sind. Und wenn man das spürt, macht es einen automatisch auch glücklich.

Durch die finanzielle Unterstützung von Familie und Freunden aus Deutschland konnte ich zusätzlich zur alltäglichen Arbeit außerdem noch selbst einige Projekte in die Wege leiten und mit den anderen gemeinsam umsetzen. So haben wir einen neuen Hühnerstall gebaut. Das war viel Arbeit, die nicht immer einfach war und es hat auch ein Weilchen gedauert, aber letztendlich konnte der Stall sich wirklich sehen lassen und nicht nur die Hühner, sondern auch die Kinder waren glücklich. Außerdem haben wir alle Zimmer in bunten Farben gestrichen und nun erstrahlt Little Prinz von innen wie von außen in freundlichen Farben. Im Gemeinschaftsraum ist eine farbenfrohe Blumenwiese mit Handabdrücken von den Kindern entstanden. Es war richtig beeindruckend, zu sehen, wie sich alles verschönert hat. Am glücklichsten war ich selbst immer, wenn wir die Möglichkeit hatten, mit der ganzen Gruppe einen Ausflug zu machen. Die wunderschönen strahlenden Augen der Kinder! Das waren wunderschöne Erlebnisse und in diesen Momenten hatte ich immer das Gefühl, alle waren zufrieden und für einen kurzen Moment frei von Sorgen. Es ist einfach immer wieder erstaunlich, wie wenig man braucht, um die Kinder dort zum Lachen zubringen und ihnen eine Freude zubereiten.

Doch nicht nur im Haus, sondern auch im Garten hat sich vieles geändert. Durch meinen Vater Matthias Laile bin ich auf die Initiative Daimler ProCent aufmerksam geworden. Dank seiner Unterstützung haben wir das Projekt bei Daimler ProCent erfolgreich eingebracht und durch diese finanzielle Unterstützung war es dann auch möglich, für die Kindern in Little Prinz einen eigenen Spielplatz zu bauen. Dort können sie sich austoben und gemeinsam ihre freie Zeit genießen. Alle in Little Prinz und natürlich auch ich waren überwältigt von dieser großzügigen Spende. Egal ob groß oder klein, alle sind begeistert. Deswegen will ich auch auf diesem Wege nochmals herzlichen Danke sagen!

Zurückblickend kann ich sagen, dass die Zeit in Kenia mit eine der aufregendsten war, die ich erlebt habe. Es war so spannend, in einer komplett anderen Welt zu arbeiten, zu leben und mit den Menschen dort persönlich in Kontakt zu sein. Eine andere Kultur zu erleben und eine neue Sprache zu lernen, hat unglaublich viel Spaß gemacht, wahrscheinlich auch weil mich die Afrikanische Kultur und Mentalität schon immer begeistert hat. Ich selbst kann sagen, dass mich dieses halbe Jahr in einer „anderen Welt“ verändert hat. Nicht meinen Charakter, aber in gewisser Weise einen nicht unwichtigen Teil meiner Lebenseinstellung: zu helfen bedarf nicht viel, denn viele haben ziemlich wenig, aber man kann trotzdem fröhlich sein. In der ganzen Zeit hatte ich nie „richtiges“ Heimweh, weil ich mich so wohl und gut aufgehoben gefühlt habe und Little Prinz für mich fast wie ein zweites Zuhause war. Für meine Familie war es nicht ganz so; auch deshalb haben sie mich bei Little Prinz in Kenia besucht und sich auch einen bleibenden und sehr positiven Eindruck verschaffen können. Bis heute habe ich regelmäßigen Kontakt zu den Heimleitern und Kindern vor Ort, aber auch zu den Organisatoren in Deutschland. Zusammen mit meiner Familie habe ich außerdem eine Patenschaft für eines der Kinder übernommen und ich bin mir sicher, dass ich bald wieder nach Afrika reisen werde…


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