Gastbeitrag: USHIDO, der Baby-Benz und die neue C-Klasse

Im Grunde müssten wir heute 40 Jahre Baby-Benz feiern, denn diese Fahrzeugkategorie hatte ihre erste Erwähnung bereits Ende Januar 1974, als Entwicklungschef Prof. Dr. Dr. Hans Scherenberg, seinerzeit Entwicklungschef bei Daimler-Benz, die groben Eckpunkte für einen Einstiegs-Mercedes festlegte. Es war damals bereits klar, dass die neue kleine Limousine über alle Tugenden der bekannten großen Modelle verfügen sollte die eben einen Mercedes zu dem in der Welt gemacht haben als was sie wahrgenommen werden. Dies gepaart mit Heckantrieb und kompakten Außenabmessungen, die Mittelklasse im Visier.

Viele USHIDO (Name des Prototyps,siehe Bild oben) und Millionen Testkilometer später wurde er dann im Dezember 1982 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, der Typ 190 (BR 201). Er polarisierte und spaltete sogleich die Lager der Mercedes-Fans und die der Fachpresse. Die einen konnten seinen Reizen nicht widerstehen, die anderen sahen in ihm den Anfang vom Ende der Daimler-Benz AG.
Wie wir heute wissen, haben Letztere sich eines besseren belehren lassen müssen, die BR201 wurde ein wahrer Erfolg.

Der 190E wird heute vom ehemaligen Chef-Stilisten Bruno Sacco als einer seiner besten Entwürfe bezeichnet und gerade als so genanntes MOPF-Modell (Modelpflege) der späten 1980er Jahre sieht er auch heute noch nicht antiquiert aus. Seine aerodynamische Linienführung mit dem hohen und eckigen Heckabschluss (damals vom Werk als Diamantschliff bezeichnet) macht ihn fast zeitlos, genauso wie es bei seinem großen Vorbild der Fall ist. Die S-Klasse BR126 kommt auch im Jahr 35 nach ihrer Präsentation alles andere als alt daher.

Warum der Einstiegs-Mercedes immer schon so nahe an die große S-Klasse angelehnt worden ist, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben. Vielleicht wollte man ihm einfach dadurch jenes Flair und das schier unerschütterliche Prestige des großen Mercedes mit auf den Weg geben. Unbestritten ist jedenfalls, dass man bereits bei der Einführung des Typ 190 vielfach die Qualitäten in diesem und jenen Bereich auf  S-Klasse Niveau sah und darauf hinwies. Größte Innovation ist wohl die heute noch verbaute (und nur leicht modifizierte) Raumlenker-Hinterachse.
Für Furore sorgte der neue, kompakte Mercedes bereits im ersten Jahr seines Daseins, als der als Sportmercedes titulierte Typ 190E 2.3-16 gleich mehrere Langstreckenweltrekorde auf dem Hochgeschwindigkeitsoval Nardò in Süditalien ohne Defekt absolvierte.

Mit der Nachfolge-Baureihe W 202, die erstmals auf die Bezeichnung C-Klasse hörte, präsentierte man im Sommer 1993 eine Fahrzeuggeneration die in allen Bereichen auf dem Niveau des größeren W124 lag und diesen Teils sogar übertrumpfte. Kompakt blieb der Einstiegs-Mercedes dennoch, auch wenn er nun über mehr Platz für die Passagiere verfügte und ein bisher unerreichtes Sicherheitskonzept bot. Mit ihm kamen zudem diverse Sonderausstattungen daher, die es bis dato in dieser Fahrzeugklasse nicht gegeben hatte. Auch hier spielte beim Design die neue S-Klasse BR140 eine große, unverkennbare Rolle. Zudem gab es Anfang 1994 den ersten von Mercedes und AMG gemeinsam entwickelten Typ C36 AMG, der Beginn einer mehr als erfolgreichen Partnerschaft.

Pünktlich zum Millenium erschien die neue Generation der C-Klasse die sich intern BR203 nannte und von vornherein deutlich sportiver daherkommen sollte als man es bisher gewohnt war. Gerade in der Seiten- und Heckansicht war sie der neuen, schlanken und bereits 1998 erschienen S-Klasse BR220 wie aus dem Gesicht geschnitten, so dass es auch für wahre Enthusiasten oftmals schwer war den Wagen aus der Ferne eindeutig zu bestimmen.

Die bisher erfolgreichste C-Klasse mit über 2,3 Millionen Einheiten seit 2007 ist und war die BR204 die derzeit im Werk Bremen ausläuft und Platz macht für das Nachfolgemodell. Mit Einführung dieses Modells wuchs die C-Klasse endlich zur vollwertigen Modellfamile heran und bot zuletzt alles, bis auf ein viersitziges Cabriolet. Gerade die modellgepflegten Modelle verfügen wieder über diesen als klassisch-elegant zu bezeichnenden Chic in ihrer Linienführung der einen beständigen Mercedes ausmacht.

Kommen wir nun endlich zum neuen Star im Mercedes Portfolio. Der abermals gerne als Baby-Benz titulierte Wagen stellt alles bisher in dieser Klasse da gewesene in den Schatten, so scheint es. Noch vor der Markteinführung und den Pressetestfahrten erhält die BR205 ein sehr positives Echo von Fans und der Fachpresse. Und auch ich muss sagen, ich bin begeistert!
Gerade da der Wagen erneut als ein Art Mini S-Klasse daherkommt, zeigt nur wie gut das Design des großen Mercedes in Wirklichkeit ist – nicht jede Linienführung kann man auf kleineren Abmessungen so elegant abbilden und doch besitzt die neue C-Klasse mit ihren zwei Gesichtern eine völlig eigenständige Note mit der sie zu beeindrucken weiß.
Ein wirklicher Vorteil wird hier zudem erneut die so genannte Demokratisierung besonderer Systeme von den größeren Baureihen nach unten hin sein. Im Falle der neuen C-Klasse muss an dieser Stelle definitiv INTELLIGENT DRIVE genannt werden, aber auch so etwas wie das Air-Balance System der S-Klasse oder die in diesem Segment einzigartige Luftfederung AIRMATIC.

Ich erinnere mich noch als wäre es erst vorgestern gewesen, als mein Vater Ende 1983 mit einem dunkelblauen 190E für ein Wochenende mit der Familie einen Praxistest durchführte, ob denn der neue kleine Mercedes den antiquierten Familien-W123 ablösen könnte. Selbiges werde diesmal ich für mich überprüfen, wenn ich das erste Mal die Schlüssel zu einem W205 in die Hände bekommen werde!
Wer weiß, vielleicht schreibt dann der „190er der Neuzeit“ in meinem Leben weitere Kapitel, dann aber mit dem klassischen Limousinengrill und Stern auf der Kühlerhaube!

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Über den Autor

Mehr zu lesen von Marc J. Christiansen gibt es auf seinem Blog http://www.fuenfkommasechs.de, oder unter http://www.facebook.com/fuenfkommasechs auf dem er sich unter anderem den allerschönsten Seiten der S-Klassiker widmet.


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