Tatort SimCity: Wenn Schumacher nicht bremsen soll

Ein Montagmorgen Ende November mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Heute kümmere ich mich nicht um Pressetexte, Bildauswahlen oder Medienanfragen, sondern bin Teil eines Teams, das für Michael Schumacher einen Test der Intelligent Drive Systeme organisiert hat.

Kritisch blickt der „Fußgänger“ auf die neue C-Klasse, die mit 50 Stundenkilometern auf ihn zukommt. Der Fahrer ist eindeutig abgelenkt und scheint den in grau und blau gekleideten älteren Herrn nicht wahrzunehmen. Nur noch wenige Meter; immer noch blicken Fahrer und Beifahrer nicht auf die Straße. Und doch: Plötzlich kommt der Mercedes wenige Zentimeter vor dem Menschen zum Stehen. Am Steuer des mit grauer Folie getarnten Erlkönigs sitzt Michael Schumacher, siebenfacher Formel 1-Weltmeister. Copilot ist Jochen Hermann, Chefingenieur und verantwortlich für Assistenzsysteme und die Aktive Sicherheit bei Mercedes-Benz. Tatort ist SimCity, ein Testgelände des Mercedes Technology Centers in Sindelfingen, auf dem abseits des Straßenverkehrs neue Assistenzsysteme auf Herz und Nieren erprobt werden können. („Sim“ steht dabei für „Simulation“).

Heute ist Testtag auf der riesigen Asphaltfläche. Michael Schumacher fühlt der neuen C-Klasse in verschiedensten Situationen auf den Zahn. Immer wieder nimmt die C-Klasse Anlauf und fährt auf „Dummys“ zu, auf stehende oder fahrende Auto-Attrappen in Hüpfburg-Anmutung, so genannte „Balloon Cars“, oder kommt einem Geländewagen mit seitlich angebrachter Weichbodenmatte im Look eines E-Klasse Cabrios gefährlich nahe. Alles mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, bewusst unaufmerksam und mit mehr oder weniger starkem Eingriff des Fahrzeugs.

Intensiv diskutieren Schumacher und Hermann die Philosophie der Systeme. Wie schnell und wie lange soll die optische Warnung kommen? Wie intensiv die akustische? Und ab wann soll der automatische  Eingriff einsetzen? Michael Schumacher: „Menschen machen Fehler. Daher beeindruckt mich die Philosophie: sehen, analysieren, warnen, eingreifen und damit schützen. Die Verbindung aus Stereokamera und Radarsensoren ermöglicht der C-Klasse einen 360-Grad-Rundumblick. Damit schützt Intelligent Drive nicht nur die Insassen, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer.“

Für Jochen Hermann sind die Tests mit Michael Schumacher eine sinnvolle Ergänzung zu den Millionen Testkilometern im Simulator, auf den Straßen oder den Teststrecken rund um den Globus. „Es macht wahnsinnig Spaß, mit Michael Schumacher zusammenzuarbeiten. Er kann nicht nur Autos sensationell gut bewegen, sondern sein Verständnis für Technik und Fahrphysik sowie seine Präzision und Schnelligkeit, Lösungsansätze zu erarbeiten, sind außergewöhnlich. Ich verspreche mir für die Zukunft sehr viel von der Zusammenarbeit. Gemeinsam wollen wir, dass es auf den Straßen für alle Verkehrsteilnehmer noch mehr Sicherheit gibt.“

Zum Abschied nimmt Michael Schumacher den Fußgänger nochmals in den Arm. Dessen kritischer Blick scheint gewichen, dafür ist ein leises Zähneklappern zu hören. Nicht aus Angst, sondern wegen der Kälte. Kein Wunder, wenn man bei knapp über null Grad den ganzen Tag an einer Stelle stehen musste. Dummys sind ja auch nur Menschen.


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