Diversity-Konferenz 2013: Orchestrierung der Vielfalt

Nur langsam verhallte am vergangenen Donnerstag der letzte Ton des 40 Männer und Frauen starken Daimler-Orchesters in den Räumen des Goldberg(Werks) in Fellbach. Der 3. Satz des Es-Dur Konzertes von Franz Krommer endete dabei ebenso eindrucksvoll wie er begonnen hatte.

Er bildete die musikalische Begrüßung der mittlerweile sechsten Diversity-Konferenz der Daimler AG und setzte gleich zur Eröffnung neben dem musikalischen auch einen metaphorischen Glanzpunkt. Denn wer außer ein Sinfonieorchester kann den Begriff der Vielfalt, der sich letztlich in ‚Diversity‘ widerspiegelt, besser symbolisieren? 80 Instrumente vereinen sich zu einem Ganzen.

Erst ihr Zusammenspiel bewirkt die Faszination der Musik als eine der „universellsten Sprachen der Welt“, wie es Ursula Schwarzenbart, Leiterin des ‚Global Diversity Office‘ der Daimler AG in ihrer Anmoderation betonte. Begeisterte Musiker aus Frankreich, China, Russland oder selbst Sri Lanka; Lehrer, Ärzte, Ingenieure und Studenten finden sich, um gemeinsam ein Stück zu spielen; ein Ziel zu erreichen. Gelebte Diversity. Eine Orchestrierung der Vielfalt.

Bereits seit 2005 ist ein professionelles ‚Diversity-Management‘ fest im Unternehmen Daimler verankert. Erfolge wie die ‚Carta der Vielfalt‘, Projekte wie die ‚Daimler Senior Experts‘ sowie zahlreiche interne Programme für die Mitarbeiter lassen sich vorweisen. Und während die fünfte Diversity-Konferenz im Jahr 2011 noch unter dem Motto ‚Wirtschaftsfaktor Vielfalt im Unternehmen – Den Blick schärfen‘ stand, ging es dieses Mal um ‚The Global Perspective‘. So trafen die ca. 350 Führungskräfte, davon knapp 40 Prozent Frauen, zusammen, um sich einen Einblick in die internationalen Diversity-Bemühungen ihres Unternehmens geben zu lassen. Wie geht man mit Behinderten, Homosexuellen, älteren Mitarbeitern und natürlich der Gleichstellung von Mann und Frau am Arbeitsplatz speziell außerhalb Deutschlands um? Welche Herausforderungen ergeben sich in Märkten wie China, Süd-Korea, Russland, Amerika oder Süd-Afrika? Fragen, auf die die Vorträge im Laufe der Veranstaltung eingingen. Dabei wurden aber nicht nur die bisherigen Erfolge der Daimler AG gefeiert und gegenseitiges Lob ausgeschüttet. Ebenso wurde Kritik geübt und auf gegenwärtige Missstände hingewiesen. Vor allem die Frauenquote stand im Mittelpunkt des Interesses. So ist gerade für Unternehmen wie die Daimler AG, in dem 70 Prozent der Stellen technisch ausgerichtet sind, die Erfüllung von starren Frauenquoten oft nur schwer zu meistern. Weibliche Ingenieure ließen sich nicht „herbeizaubern“, wie einzelne Führungskräfte vor allem aus dem Entwicklungsbereich betonten. Die Anwesenden nutzten damit die Möglichkeit, in den Frage- und Feedbackrunden auf Probleme hinzuweisen. Dadurch bildete sich während der gesamten Veranstaltung eine konstruktiv kritische Diskussionskultur heraus, die der Konferenz gut tat und von allen Teilnehmern gerne angenommen wurde.

Auch der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dr. Dieter Zetsche, sparte in seiner kurzweiligen Eröffnungsrede nicht an selbstkritischem Unterton. Selbstgesteckte Ziele wie die angestrebten 13 Prozent an Frauen in leitenden Führungspositionen werden in diesem Jahr zwar knapp erreicht, einen Grund zum Ausruhen gebe es aber noch lange nicht. Diversity bei Daimler sei ein langer, viele, vor allem globale Bereiche umfassender Begriff, der schon in den Trainee-Programmen des Konzerns beginne (eine Auslandsstation ist zukünftig in jedem Traineeprogramm ‚unter dem Stern‘ Pflicht). „Wir müssen uns weiter ins Zeug legen“, brachte es der Vorstandsvorsitzende auf den Punkt. Dabei ginge  es nicht darum, starre Quoten zu erfüllen, sondern „die richtige Einstellung“ nicht nur bei den Führungskräften, sondern allen Daimler-Mitarbeiter zu entwickeln. Diversity sei somit mehr als blanke Zahlen und Vorgaben der Politik, wie es anschließend auch Frau Dr. Isabell Kürschner, Deutschlandchefin von ‚Catalyst‘, in ihrer Key Note betonte und in ihrer Funktion als Moderatorin im Laufe des Tages immer wieder ansprach.

Die Referenten untermauerten diese Vielschichtigkeit des Diversity-Begriffs in ihren Präsentationen: In China stellt schon die Größe des Landes und die Vielfalt seiner Kulturen jede Diversity-Strategie vor große Herausforderungen. Russland zeigt sich als ‚Land der Extreme‘. In Süd-Korea kann alles nicht schnell genug gehen (Schnell! Schnell! – ppalli, ppalli !). Der Leistungsdruck auf die Kinder gar nicht hoch genug sein. Und während die Amerikaner ihren ‚American Way‘ gehen, ist in Süd-Afrika die Frage, welcher ‚Rasse‘ man angehöre, alltäglich.

Die teilweise sehr persönlichen Geschichten der Referenten, die ausschließlich höhere Leitungspositionen in ihren Märkten einnahmen, konnten aufgrund der Zeit aber nicht ins Detail gehen. Das mussten sie auch nicht. Die Grundaussage, dass Diversity vor allem aus globaler Sicht immer mehr an Bedeutung gewinnt, wurde auch in der anschließenden Podiumsdiskussion nochmals betont. Dass dabei natürlich ebenso wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen, unterstrich Wilfried Porth, Personal und Arbeitsdirektor, in seiner die Konferenz abschließenden Rede. Denn die Produkte der Daimler AG „sind nicht mehr die Weltprodukte per se.“ Um sie in anderen Ländern erfolgreich zu verkaufen, bedarf es daher einem Verständnis der dortigen Kulturen und Ansprüche.

Und so bleibt am Ende ein selbstkritisches wie aber auch zukunftsweisendes Fazit zu ziehen:  Viele Baustellen in Sachen Diversity sind noch zu schließen, zahlreiche Aufgaben zu meistern und Kulturen zu verstehen. Herausforderungen, die nicht über Nacht zu leisten sind. Denn „Wandel ist schwierig. Wandel ist langsam und es passiert niemals alles auf einmal.“, wie Dr. Zetsche Michelle Obama in seiner Rede zitierte. Sie muss es wissen. Es hat immerhin 232 Jahre gebraucht, bis ihr Mann der erste afro-amerikanische Präsident im Weißen Haus werden sollte. So lange wird die Umsetzung eines professionellen Diversity-Managements bei Daimler aber nicht mehr dauern. Dafür ziehen alle an einem Strang – Diversity eben.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
1.0 / 5 (1 Bewertung)
Bitte warten...

Tags:

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    CMzB (Blog-Team): Hallo @Speck, da hat sich wohl ein technischer Fehler bei...

  2. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Richard Beckmann: Moin Rolf, super Bericht und klasse Bilder. Da werden Erinnerungen wach....

  3. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Klaus Hayler: Eine Klasse Aktion, tolle Bilder. Habe ich die "Werbung" für dieses Event...

  4. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Markus Maier: Die /8 Sternfahrt war eine super Veranstaltung mit tollen Autos. Die Einfahrt...

  5. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Klaus Plump: Hei Rolf, toller Bericht, tolles Fahrzeug...... Wir hatten jahrelang einen...