Von „Chancenlosigkeit“ zur Ausbildung: Mein Förderjahr

Jetzt ist alles möglich, sogar der Bau des Stuttgarter Fernsehturms. Ich weiß nicht, ob ich mir vor einem Jahr zugetraut hätte, einen Platinenhalter herzustellen oder einen Schraubstock zu fräsen. Doch jetzt – 10 Monate später – traue ich mir alles zu, sogar den Stuttgarter Fernsehturm zu drehen. Und das alles Dank dem Förderjahr bei Daimler.

Am liebsten beschäftige ich mich mit der Pneumatik oder dem Fräsen. Mir wurden aber nicht nur die grundlegenden Verarbeitungstechniken beigebracht, sondern ich wurde auch in meiner persönlichen Entwicklung gestärkt. Vor allem mein Ausbilder Rainer Schwürzer hat mich unterstützt. Das Förderjahr findet in der Zusammenarbeit mit der Berufsschule und der Beruflichen Bildung gGmbH (BBQ)statt.

 

An drei Tagen pro Woche wurden mir die Grundlagen der Metallbearbeitung wie z.B. Drehen, Fräsen und Feilen bei Daimler im Ausbildungszentrum in Brühl gezeigt, an den anderen zwei Tagen besuchte ich die Berufsschule oder die BBQ. Dort habe ich mit anderen Förderjahr-Kandidaten an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen, die uns sozial und persönlich förderten oder in denen uns wichtige Tipps für den Alltag gegeben wurden. Beispielsweise welche Versicherungen wichtig und welche weniger wichtig sind. Das fand ich sehr hilfreich.

Doch ich war nicht immer so positiv gestimmt. Nach meinem Realschulabschluss bewarb ich mich bei über 18 Unternehmen für verschiedene Ausbildungsplätze und bekam unmittelbar 15 Absagen. Zwei andere Firmen meldeten sich schon gar nicht und bei einem Unternehmen bekam ich zwar einen Rückruf, nur leider mit der Information, dass sie sich für einen ehemaligen Praktikanten entschieden haben. Dagegen hatte ich keine Chance. Ich war ziemlich deprimiert. Trotzdem raffte ich mich zu einer der Ausbildungsmessen der Industrie- und Handelskammer (IHK) auf, aber auch das blieb erfolglos. Ich war total verunsichert, oft habe ich mich gefragt, was der Grund für die vielen Ablehnungen ist und begann ganz schön an mir zu zweifeln.

Doch dann motivierte mich die Beraterin der Bundesagentur für Arbeit, mich bei der BBQ für das Förderjahr zu bewerben. Meinen Interessen entsprechend empfahl mir die BBQ einen Beruf in der Metallindustrie. Ich habe mich schon immer für Maschinen begeistert. Mich fasziniert, was man alles aus einem Stück Metall fertigen kann. Meine Mutter hat mich ermutigt, mich bei Daimler zu bewerben. Ohne sie hätte ich mich nie getraut. So kam es dann, dass ich nach einem erfolgreichen Auswahlgespräch neben neun Anderen die Chance für ein Förderjahr bei der Daimler AG bekam.

Die ersten Wochen des Förderjahres war ich sehr zurückhaltend, fast schon schüchtern. Ich traute mich nicht, auf die anderen zuzugehen und hatte Angst, Fehler zu machen. Ich befürchtete, dass ich mir dadurch gleich die Möglichkeit auf eine Ausbildungsstelle verbauen würde, zudem waren wir alle zu Beginn Konkurrenten. Doch Herr Schwürzer bekräftigte mich immer wieder weiterzumachen, auch Fehler durfte man machen, denn nur so kann man dazu lernen. Er hat mich motiviert und mir richtig viel beigebracht. Vor allem hat er mir und den anderen Teamgeist gelehrt. Wir sind in der Zwischenzeit eine eingeschworene Gruppe geworden. Wir helfen uns gegenseitig und keiner bleibt auf der Strecke.

Als bekannt wurde, dass fünf Ausbildungsstellen zur Verfügung stehen und ich einer der Stellen bekommen habe, war ich überglücklich. Doch es hat mich auch ganz schön traurig gemacht, dass manche von unserer Gruppe keine Ausbildung bekommen haben. Das war hart, jeder von uns kann sich gut vorstellen wie sich das anfühlt.

Da ich selbst weiß, wie wichtig es ist, eine (Ausbildungs-) Zusage zu haben, helfe ich in meiner Freizeit meinen Freunden oder anderen Jugendlichen aus meiner Kirchengemeinde beim Schreiben von Bewerbungen. Am 9. September startete meine Ausbildung zum Industriemechaniker. Habe ich Angst vor den bevorstehenden dreieinhalb Jahren? Nein, durch das Förderjahr fühle ich mich sehr gut vorbereitet. Nicht nur fachlich, sondern auch persönlich. Ich bin selbstbewusster und mutiger geworden. Meine größte Sorge ist es, dass ich mich zu selbstsicher fühle und dadurch Fehler mache.

Ich möchte mich nach der Ausbildung weiter steigern – es muss ja nicht gleich der Meister sein, aber ein Systemführer oder Techniker wäre ein gutes Ziel. Dank dem Förderjahr weiß ich jetzt, was ich mir alles zutrauen kann und die Zukunft macht mir keine Angst.

Für mehr Informationen zum Förderjahr bei Daimler.


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