Werkhaus-Cup: Lebensfreude statt „Benachteiligung“

Spielstand: 4:0. Gegner: Bosch Kicker. Finale. Abpfiff. Wir feiern uns und den verdienten Turniersieg überschwänglich und liegen uns in den Armen. Mit viel Einsatz, einem überragenden Teamgeist und einer starken Mannschaft holen wir den Titel. Ein sehr emotionaler Augenblick, der uns allen sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Wir hatten bei dem diesjährigen Fußballturnier des Behindertenzentrum (bhz) Stuttgart die Möglichkeit – nein das Privileg – unseren Beitrag zu dieser gelungenen Veranstaltung zu leisten. An diesem Tag wurde uns eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass das Zusammenspiel zwischen Menschen mit und ohne Behinderung so reibungslos, so selbstverständlich und mit so viel Spaß laufen kann. Unsere Mannschaft feierte jedes einzelne seiner zahlreichen Tore – am Ende waren es wohl etwa 30 – so ausgelassen, als ginge es um die deutsche Meisterschaft. All diese Erfahrungen durften wir vor zwei Wochen beim Werkhaus-Cup in Feuerbach sammeln.

Beim Turnier bestand ein Team aus mindestens sechs Spielern und das Reglement lehnt sich an die Regeln des Special Olympics für gemischte Mannschaften an. Das heißt, dass in jeder Mannschaft mindestens zwei Menschen mit geistiger Behinderung spielen mussten. Unser Team bestand aus vier  sehr treffsicheren Menschen mit geistiger Behinderung – auf ihr Konto gingen mindestens zehn Tore. Die weiteren sieben Mitspieler waren Mitarbeiter der Daimler AG, zwei davon bei Global Service & Parts und fünf bei der Mercedes-Benz Bank. Unser Team setzte sich souverän als Tabellenerster in der Gruppe durch und bot darüber hinaus auch ansehnlichen Fußball. Schnell wurden wir als Topfavorit gehandelt. Durch starke Auftritte im Achtel-, Viertel- und Halbfinale standen wir im Finale des Turniers, ohne ein einziges Spiel verloren zu haben. Unser letztes und wohl bestes Spiel war zu keinem Zeitpunkt gefährdet, wir traten souverän und selbstbewusst auf. Durch einen Schuss von Özgür, ein Hackentor (!) von Ralf und zwei weiteren Toren von Marco und Volkan wurde der Triumph perfekt gemacht.

Unsere Mannschaft hatte während des Turniers sehr viele Sympathiepunkte gesammelt, da wir den Inklusionsgedanken quasi in jedem Spiel demonstriert haben. Unser Hauptaugenmerk im Spiel lag darin, nicht selber zu glänzen sondern die „Jungs“ glänzen zu lassen, was uns meines Erachtens sehr gut gelungen ist. Wie schon oben erwähnt gingen sehr viele Tore auf das Konto unserer „Jungs“ und besonders deren anschließender Torjubel war absolut sehenswert. Auch der Dauerregen oder das ständige Warten auf das nächste Spiel konnte die Stimmung innerhalb der Mannschaft nicht bremsen. Nach den Spielen saßen wir gemeinsam unter dem Zelt und unterhielten uns über Gott und die Welt.

Das Gewinnen oder Verlieren stand bei dieser Veranstaltung nicht im Vordergrund. Es ging darum, gemeinsam Spaß zu haben und vor allem um die Integration der benachteiligten Menschen. Und so hat am Ende doch jeder gewonnen. Die „benachteiligten“ Menschen wurden super integriert, hatten Spaß und strahlten eine Lebensfreude aus, von der sich wohl einige hätten eine Scheibe abschneiden können. Ich persönlich – und ich denke viele andere auch – merkten erst, wie sehr wir das, was wir haben, zu schätzen wissen sollten und dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist. Am Ende des Tages hatten wir das Turnier, viele positive Eindrücke und neue Freunde gewonnen. Ein toller Tag geht zu Ende.

In der Stuttgarter Zeitung ist ebenfalls ein Artikel über den Werkhaus Cup erschienen.


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