Formula Student: Mit unserem Rennmotor nach Hockenheim

Begeisterung für Motorsport, Freude an Teamarbeit und der Drang, das im Studium Gelernte endlich in die Tat umzusetzten: Das motiviert angehende Ingenieure dazu, Teil eines Formula Student Teams zu werden. Und genau das weckte auch mein Interesse an dieser ganz besonderen Rennklasse.

Die Formula Student ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb für Studenten, der seit 1981 ausgetragen wird. Weltweit gibt es bereits über 500 Teams, die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bauen und gut 60 Teams, die sich mit dem Bau eines Elektroautos beschäftigen. Zwei dieser Teams sind KA-RaceIng vom Karlsruher Institut für Technologie und joanneum racing graz, das Team der FH Graz. In Karlsruhe wird sowohl ein Verbrenner- als auch ein Elektrofahrzeug gebaut, das Grazer Team konzentriert sich auf ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Beide können bereits auf eine lange Formula Student Geschichte und zahlreiche Saisons mit immer wieder neu entwickelten Fahrzeugen zurückblicken.

Ein besonderes Highlight, das diese beiden Teams verbindet ist ein gemeinsames Entwicklungsprojekt unterstützt durch die Mercedes-AMG GmbH. Hier wird den Studenten ermöglicht, einen eigenen Rennmotor am Standort Affalterbach zu entwickeln und ihn speziell auf die Anforderungen der Formula Student anzupassen. Dazu steht uns die komplette Infrastruktur der Mercedes-AMG GmbH zur Verfügung, was uns völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Nach einer mehrstufigen Bewerbungsphase im Jahr 2011, bei der sich die beiden Teams aus Karlsruhe und Graz gegen die anderen Bewerber durchsetzten, wurde die Arbeit am gemeinsamen Aggregat begonnen.

In der aktuellen Saison muss der von uns Studenten entwickelte Motor nun zum ersten Mal in den Fahrzeugen beider Teams sein Können unter Beweis stellen! Hinter beiden Teams liegt mittlerweile ein ganzes Jahr harter Arbeit – ich durfte dieses Jahr als Teil des Karlsruher Teams miterleben.

Begonnen hat die Saison 2013 für die neuen Mitglieder – und somit auch für mich – bereits mit der Bewerbung für das Team im April des letzten Jahres, gefolgt von einer Kennenlernphase und der Übernahme der Verantwortlichkeit für eine bestimmte Baugruppe oder Aufgabe.

Als Mitglied des Subteams „Motor“ habe ich für die Saison 2013 die Verantwortlichkeit für das Kraftstoffsystem übernommen, dies beinhaltet die Auslegung und Konstruktion des Tanks, die Auswahl der Kraftstoffpumpe, der Filter und Leitungen und die Einbindung des gesamten Systems in das Fahrzeug. Richtig los ging es mit der aktiven Arbeit dann im September.

Nach zahlreichen Gesprächen mit Alumni – den Teammitgliedern der vorherigen Saisons –  arbeiteten wir zunächst erste Konzepte aus, sodass im Herbst die Konstruktionsphase starten konnte. Es folgten zahlreiche Stunden Arbeit mit CAD- und Simulationsprogrammen bis nach mehreren Abstimmungen ein komplettes Modell des Fahrzeuges im CAD fertig gestellt war und alle Konstruktionen mit Simulationen ausreichend berechnet waren.

Danach begann die Fertigung, die durch die Arbeit an den Motorprüfständen begleitet wird. Für unser Team bedeutet das, Tag und Nacht in der Werkstatt zu verbringen, Teile zu fertigen und Baugruppen zu montieren. Schritt für Schritt wurde so der Rennwagen aufgebaut bis er endlich fertig in der Garage stand. Da ich, wie viele andere Teammitglieder, zu dieser Zeit zudem Klausuren schreiben musste, war es eine zusätzliche Herausforderung, weder die Arbeit für Ka-RaceIng noch das Studium zu vernachlässigen.

Endlich folgte das erste große Event – der Rollout. Zum ersten Mal wurde das fertiggestellte Fahrzeug der Öffentlichkeit präsentiert. Begleitet von einem Rahmenprogramm mit Reden von Sponsoren und einem Rückblick auf die bisherige Leistung der Studenten, enthüllten wir stolz unsere neuen Rennwagen, das Fahrzeug mit Verbrennungsmotor „KIT13c“  und das Elektrofahrzeug „KIT13e“, vor angereisten Familienmitgliedern, Freunden und Sponsoren. Für unser Team war der Rollout dieses Jahr etwas ganz Besonderes, da wir es zum ersten Mal in unserer Vereinsgeschichte geschafft hatten, dass eines unsere Fahrzeuge, der KIT13c, bereits bei diesem Rollout-Event fährt.

Damit war der erste Meilenstein gepackt. Danach musste das Fahrzeug natürlich möglichst schnell auf die Rennstrecken der Umgebung gebracht werden, um so viele Testkilometer wie nur möglich zu sammeln und den Rennwagen Tag für Tag zu optimieren. Und alles vor dem Hintergrund eines straffen Zeitplans, da die Events bereits immer näher rücken.

Zusätzlich kam für mich in dieser Zeit zu meinem eigentlichen Aufgabenpaket eine weitere Aufgabe hinzu – Anfang April habe ich die Projektleitung in unserem Motorentwicklungsprojekt bei AMG übernommen. Für mich bedeutet das, dass ich nun unter der Woche in Affalterbach für das Projekt tätig bin und am Wochenende nach Karlsruhe fahre, um gemeinsam mit dem Team auf die Teststrecke zu gehen.

Anfang Juli 2013 war es dann endlich soweit – Der erste Wettbewerb stand an. Die Fahrzeuge und das notwendige Equipment wie Werkzeug, Reifen und Ersatzteile wurden in einen Trailer geladen und für das Team ging es mit dem Bus nach Großbritannien auf den Silverstone Circuit. Unser Team reiste mit beiden aktuellen Fahrzeugen an, das Team aus Graz kam mit dem Vorjahreswagen. An sechs Eventtagen stellten sich die beiden Teams in verschiedenen Disziplinen der starken internationalen Konkurrenz.

Vor allem dynamisch konnten die mit dem selbst entwickelten Aggregat ausgestatteten Fahrzeuge mit schnellen Zeiten und guter Performance überzeugen, so dass am Ende des Events für beide Teams eine hervorragende Platzierung stand. Mit einem vierten Platz Overall und als zweitbester Verbrenner beendete KA-RaceIng des Event, joanneum recing graz erzielte einen ebenfalls sehr guten achten Platz unter den ca. 100 teilnehmenden Teams.

Doch solch ein Event bedeutet nicht nur Konkurrenz und Wettbewerb – viel mehr kommen Freunde von überall auf der Welt zusammen. Auch wenn wir natürlich auf der Rennstrecke gewinnen wollen, herrscht neben der Strecke eine entspannte und freundschaftliche Atmosphäre.

Viele Teilnehmer kennen sich aus vorangegangen Saisons oder Events und freuen sich über das Wiedersehen. Es werden Erfahrungen ausgetauscht und innovative Lösungen diskutiert. Da hilft man sich auch mal gegenseitig mit Werkzeug oder Material aus. Am Abend wird zusammen auf dem Zeltplatz gemeinsam mit anderen Teams gegrillt und Erfahrungen werden ausgetauscht.

Nach einem erfolgreichen ersten Auftritt mit unseren Fahrzeugen, blicken wir nun gespannt auf das nächste große Ereignis: das Formula Student Event am Hockenheimring, das vom 30. Juli bis zum 4. August stattfindet. Für alle deutschen Teams ist das natürlich der wichtigste Wettbewerb der Saison, da zahlreiche Freunde, Familienmitglieder und Alumni kommen, um endlich zu sehen, wo man das gesamte letzte Jahr seine Zeit verbracht hat und vor allem warum man bereit war, so viel Zeit in dieses Projekt zu stecken, das weder bezahlt, noch als Leistung an der Uni anerkannt wird. Aber ich bin sicher, spätestens nach dem Wochenende gibt es keine Fragen mehr… also: Sehen wir uns im Motodrom?

Vor drei Jahren berichteten wir auf dem Blog über das Team der FH Esslingen, das an der Formula Student teilnahm.


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