Daimler und die roten Autos

Wieso rote Autos? Was hat das mit Daimler zu tun? Und mit mir? Und überhaupt?

Fragen über Fragen – Ingenieure sind dafür bekannt, auf brennende Fragen Antworten zu geben. Jetzt will ich versuchen, alle Leserinnen und Leser für ein alltägliches, bekanntes und doch unbekanntes Thema zu entzünden. Beruflich bin ich in der LKW-Vorentwicklung in Untertürkheim auf die Zukunft ausgerichtet, doch lernt man von der Vergangenheit einiges, so auch in diesem Fall. Und wenn der Beruf und das Hobby einige Berührungspunkte haben – klasse, mehr davon! Doch nun der Reihe nach …

Dass Gottlieb Daimler und Carl Benz vor über 125 Jahren unabhängig voneinander das Automobil erfunden haben – bekannt, wurde 2011 ja groß gefeiert. Und jetzt, gibt es 2013 auch etwas zu feiern? Ja, klar doch! Gottlieb Daimler war nämlich ein guter Beobachter und hat nur zwei Jahre nach seinem Automobil auch der Feuerwehr zum Motor verholfen und am 29. Juli 1888 sein Patent der „Feuerspritze mit Motorbetrieb“ zugeteilt bekommen.

Damit wollte er den Feuerwehrmännern die schweißtreibende Arbeit an den Handdruckspritzen oder den aufwendigen Betrieb der Dampfspritzen abnehmen. Gottlieb Daimler kann – nein muss sogar – als einer der Urväter heutiger Feuerwehrfahrzeuge angesehen werden. Und weil die Farbe „rot“ schon damals gerne für solche Fahrzeuge genutzt wurde, hat sie sich allmählich als Standardfarbe durchgesetzt. Trotz der anfänglichen Sorge, „mit Benzin zum Feuer fahren zu müssen“, war der Siegeszug des Automobils auch bei der Feuerwehr eingeleitet.

Im Jahre 1903 konnte der damaligen Daimler Motorengesellschaft auch die Feuerwehr nicht mehr helfen, als die alte Fabrik mit 100 Automobilen ein Raub der Flammen wurde. Der Neubau in Untertürkheim wurde vorangetrieben und Paul, der Sohn von Gottlieb Daimler, wird zitiert mit „Nie wieder!“, was zur Aufstellung einer eigenen Werkfeuerwehr in der neuen Fabrik führte. Und das ist der Grund, warum ich jetzt hier schreibe. Das Dreigestirn aus Hobby (Fotografieren), Beruf (LKW-Entwickler beim Daimler) und weltweit aufgestellten Daimler-Werkfeuerwehren führte dazu, dass ich mich mit den Fahrzeugen dieser Feuerwehren beschäftige und dazu auch im Oktober 2013 mein neues Buch erscheint.

Als ich vor 18 Jahren begann, die Werkfeuerwehren der deutschen Werke zu besuchen, hatte ich noch keine Ahnung, was daraus entstehen würde. Zunächst waren es nur die erwähnten „roten Autos“, die mich faszinierten, dann verstand ich auch die Kollegen mit ihren Aufgaben (heute sind einige wenige Feuerwehrfrauen dabei) und als dann die Frage kam „Was machst Du mit den Bildern?“ war es endgültig geschehen. Im Daimler-Intranet baute ich 1999 eine Seite auf, auf der alle aktuellen Fahrzeuge gezeigt werden.

Und seitdem versuche ich, auch mit einem Blick in die Vergangenheit, die Entwicklung dieser sehr speziellen Fahrzeuge zu verfolgen. Waren es zunächst die aktuellen Fahrzeuge, kam später auch das Suchen nach verschollenen oder ehemaligen Fahrzeugen dazu. Was dann bei der Frage zu Hause, ob wir denn nicht Urlaub in Ungarn machen sollten, schnell zur Gegenfrage führte „Gibt es da auch ein Mercedes-Benz Werk?“. Sie wissen es schon: „Ja“ ist die richtige Antwort, was wiederum ein wenig mehr Überredungskünste bedeutete, aber letztlich einen schönen Ungarn-Urlaub zur Folge hatte. Und dort konnte sogar ein echter Schatz ausgegraben werden, ein Fahrzeug, das nach 34 Jahren und mehreren Stationen in deutschen Werken nun in der ungarischen Puszta seinen Dienst versieht.

Und man sieht, dass es auch anders geht, und wenn es nur die Farbe ist. So tragen die Feuerwehrfahrzeuge in Spanien keine „Blaulichter“, sondern gelbe Kennleuchten und die Fahrzeuge müssen auch nicht immer ein Kleid in der Farbe „Feuerrot“ tragen (siehe 3. Bild in der Galerie).

Das allerdings kann auch in Deutschland zutreffen, wie das hier gezeigte Exemplar beweist (ist zwar ein Mercedes-Benz, aber nicht im Bestand der Werkfeuerwehren). Dieses Fahrzeug wurde nur versuchshalber so lackiert.

Was bringt das für die tägliche Arbeit? Viele Kontakte in die ganze Welt, das Erleben von echter Gastfreundschaft dort, wo man fremd war und nun zu Gast ist, Lernen von anderen Kulturen und Arbeitsweisen und der geschärfte Blick auf die Bedürfnisse des Kunden und Anwenders der eigenen Produkte. Und natürlich auch die Möglichkeit, die Realität aus anderen Perspektiven betrachten zu können.


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