Gastbeitrag: Tour de Bölck – mit dem Bike zum Bus

Im Herbst 2012 haben wir auf der IAA in Hannover einen SETRA der neuen Baureihe 500, mit EURO VI Abgasnorm bestellt. Für unser Unternehmen das erste Fahrzeug mit EURO VI und der erste Wagen aus der neuen Modellreihe. Gewöhnlich kommen die neuen Reisebusse immer im März zu uns, damit sie pünktlich zur Reisesaison, die meist Ostern beginnt, eingesetzt werden können. In diesem Jahr kann die dreiachsige Version erst Ende Mai/Anfang Juni ausgeliefert werden. Juni ist eigentlich etwas spät, bietet mir allerdings die einmalige Gelegenheit meine Idee, die Anreise zur Abholung eines Busses mit dem Fahrrad zu machen, umzusetzen. Irgendwie passt es ja auch sehr gut. Ein neues Modell mit der umweltfreundlichsten Abgasvariante die derzeit erhältlich ist und die Anreise aus dem Norden wird absolut Umweltfreundlich mit dem Fahrrad durchgeführt. Um nicht ganz unvorbereitet auf Tour zu gehen, beginne ich im April damit, regelmäßig meine Runden zu drehen. Bis zu meiner Abfahrt am 01.06.13 habe ich 1200 Km gefahren und fühle mich gut vorbereitet.

Tag 1: Der Tag der Abreise in Schuby bietet beste Bedingungen. Sonnenschein und leichter Rückenwind, was will ich mehr? Mit einer Fahrradnavigation, in der ich vor der Abfahrt bereits die Strecke geladen habe ausgestattet, führt mich meine erste Etappe nach Hamburg. Mal ganz entschleunigt durch Schleswig-Holstein zu radeln ist wunderbar. Ich genieße es, durch die vielen kleinen Ortschaften zu fahren und mir Häuser und Landschaft anzusehen.

Tag 2: Durch den Hamburger Hafen und einer von mir schlecht ausgewählten Route durch die Harburger Berge und die Lüneburger Heide bis Walsrode. Unterwegs meine erste von 6 Reifenpannen.

Tag 3: Von Walsrode Richtung Nienburg an der Weser bis Minden. Das Hochwasser zwingt mich zu einem kleinen Umweg. Das Wetter ist herrlich und ich genieße es sehr keine andere Aufgabe zu haben, als Fahrrad zu fahren.

Tag 4: Von Minden entlang der Weser. Jedenfalls dort wo es geht. Gelegentlich ist der Radweg oder die Uferstraße aufgrund des Hochwassers gesperrt. Hatte mir vorgenommen heute bis Holzminden zu fahren, da es so gut läuft und mir ein gutes Hotel in Höxter empfohlen wurde, fahre ich noch das kleine Stück. Unterwegs muss ich leider feststellen, dass wieder die Straße, wegen Hochwasser, gesperrt ist. Die Umleitung führt mich über eine Steigung mit 13%. Hier muss ich dann doch mal schieben. 13% Steigung  ist mit 20 Kg Gepäck zu viel für mich. Die Abfahrt macht dann mehr Spaß und das Hotel ist wirklich große Klasse. Aus dem Werk in Ulm kommt die erste Nachfrage, ob ich auch wirklich am Montag zur Auslieferung ankommen werde?

Tag 5: Von Höxter über Hannoversch Münden bis Lohfelden. Bereits kurz nach Höxter muss ich aufgrund des Hochwassers den Radweg verlassen. Ein Glücksfall, wie sich herausstellen wird. Nachdem ich mich einen Berg hinauf bis zur Hauptstraße abmühe, sehe ich auf der rechten Seite einen Busbetrieb. Das Hallentor steht halb offen und ich erkenne einen alten Büssing/Emmelmann. Den muss ich mir ansehen, mit solch einem Modell hat mein Vater angefangen. Der Wagen ist in einem hervorragendem Zustand. Oldtimer Busse habe ich schon viele gesehen, aber einen Oldtimer von 1974, der noch immer im Erstbesitz ist, das ist doch sehr selten. Der Besitzer präsentiert mir sogar noch die Rechnung von 1974. Damals gab es 20.000,-DM Nachlaß und dann hat der Emmelmann noch 150.000,-DM gekostet.Wäre das Hochwasser nicht gewesen, hätte ich diese Perle nicht gesehen. Ich fahre weiter nach Hannoversch Münden und lasse mich am Weserstein zum Andenken fotografieren. Weiter geht´s nach Lohfelden wo Ich im Hotel „Zur Post“ übernachte. Die Bestizer des Hauses sind langjährige Geschäftspartner unserer Familie. Die Chefin des Hauses ist total begeistert, dass ich diesmal nicht mit dem Bus, sondern mit dem Fahrrad angereist bin.

Tag 6: Von Lohfelden über Rotenburg Fulda nach Fulda. Ich starte am frühen Morgen. Sonst geht es meist mit dem Bus zügig über die A7 an Kassel vorbei in Richtung Süden oder Norden. Diese schöne Landschaft entlang der Fulda hatte ich bisher nicht gesehen. Abgelegene Radwege durch herrliche Landschaft. Ich genieße die Tour. Auf den Aufenthalt im Hotel Esperanto habe ich mich sehr gefreut. Hier kommen wir auch sehr gern mit unseren Reisegruppen her. Den Abend genieße ich im Rodizio in der oberen Etage des Hotels. Ich bin froh, dass morgen mein Fahrradfreier Tag ist. Die zurückgelegten Kilometer spüre ich doch in den Knochen.

Tag 7: Wie bereits geplant, fahre ich heute mit der Bahn nach Würzburg um dort unseren Versicherungsmakler zu besuchen.

Tag 8: Der Ruhetag hat mir gut getan. Ich fühle mich gut und fahre ausgeruht durch eine wunderschöne Landschaft bis Crailsheim. Deutschland aus dieser Perpektive zu sehen ist wirklich eindrucksvoll. Und die Landschaft inspiriert mich dazu, Busreisen in diese Gegend auszuschreiben. Natürlich habe ich wieder Platten. Inzwischen schon der 4. auf dieser Reise Es geht sehr schnell den Schlauch zu wechseln. Bin ja jetzt geübt. Nur gibt es ein kleines Problem, ich habe von nun an keine Ersatzschläuche mehr. Und das an einem Samstag und natürlich zu einer Zeit, an der alle Fahrradgeschäfte geschlossen haben. Irgendwo vor Crailsheim entdecke ich einen Landmaschinenhandel, der auch Fahrräder im Schaufenster stehen hat. Es ist bereits nach 17.00 Uhr und das am Samstag. Nachdem ich das Wohnhaus des Inhabers ausfindig gemacht habe, treffe ich dort die bereits seit einigen Jahren nicht mehr im Geschäft tätige Mutter des Inhabers an. Gemeinsam finden wir im Lager die passenden Schläuche. Die Dame freut sich, mir geholfen zu haben und ich bin glücklich, noch heute meine Reserve wieder auffüllen zu können. Ich freue mich über die Hilfe und fahre die letzten 15 Km bis Crailsheim beruhigt weiter.

Tag 9: Von Crailsheim nach Ulm. Der heutige Tag führt mich über Radwege und Landstraßen nach Neu-Ulm. Mit jedem Kilometer freue ich mich mehr, diese Tour gemacht zu haben. Dass ich am Vortag die beiden Schläuche gekauft habe, war eine richtige Entscheidung. In Langenau habe ich mal wieder eine Reifenpanne. Obwohl ich den Mantel nach Fremdkörpern genauestens absuche, bleibt es mir nicht ersparrt, 5 Km vor meinem letzten Etappenziel, das in Finningen sein wird, nochmals einen neuen Schlauch einzusetzen. Am Abend überreicht mir Herr Goy von der Firma SETRA das gelbe Trikot. Ich ahne, dass es morgen ein Begrüßungsprogramm geben wird.

Tag 10: Es regnet. Zum erstem Mal auf dieser Tour werde ich nass. Es ist mir heute aber total egal. Die letzten 5 KM fahre ich mit meinem gelben Trikot bis Neu-Ulm, wo die SETRA Familie sich sehr viel Mühe gegeben hat, mich feierlich zu empfangen. Vor der Auslieferungshalle ist ein Zielband gespannt, das ich unter viel Applaus durchfahre. Nach einem Sekt Empfang und einer Begrüßung durch Herrn Friedrich und der SETRA Familie wird das neue Fahrzeug übergeben. Bereits nach wenigen Kilometern bin ich begeistert. Der Wagen hat tolle Fahreigenschaften und ist extrem leise. Ich bin überzeugt, einen SETRA zu kaufen war eine richtige Entscheidung.

Fazit: Ich freue mich und bin sogar ein bisschen stolz, diese Tour gemacht zu haben. Ein tolles Erlebnis. Unterwegs bin ich vielen freundlichen Menschen begegnet, die ausnahmslos von meiner Idee einen umweltfreundlichen Omnibus auch umweltfreundlich abzuholen begeistert waren. Ich habe die Landschaft aus einer anderen Perspektive gesehen und die Tage sehr genossen. Eine tolle Erfahrung!

Über den Autor:
Mathias Bölck, geb. am 17.06.1970. Geschäftsführer der Fa. Reisedienst Bölck. Das Unternehmen hat mehr als 45 Mitarbeiter, 35 Omnibusse und 2 LKW. Betrieben wird Reise und Linienverkehr, ein Reisebüro und mit den LKW Transport von Schüttgut und Gärresten bei Biogasanlagen.


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