Hauptberuf Mensch

Was wissen Sie eigentlich über Ihre Kollegen? Die Dame aus dem Sekretariat, der Mitarbeiter im Controlling, die Kollegen am Band und die junge Ingenieurin in der Konstruktion. Was machen die wohl in ihrer Freizeit?

Wahrscheinlich viel mehr oder etwas ganz anderes, als Sie denken. Schließlich nehmen wir unsere Kollegen zuerst einmal in einem rein professionellen Kontext wahr. Es braucht schon etwas Zeit und gegenseitiges Interesse, bis über das Geschäftliche hinaus auch Privates ausgetauscht wird.

Ich für meinen Teil habe ein paar Hobbies, die viele wahrscheinlich ungewöhnlich finden.
Man trifft mich zum Beispiel auf Mittelalterveranstaltungen und zwar auf einer Bühne stehend, zumeist singend, mit einem historischen Instrument in der Hand. Dabei habe ich eigentlich eine Jazz-Stimme, aber das hört man offenbar auch im Mittelalter gerne. Manchmal, wenn ich dann in meinem frühmittelalterlich angelehnten Kleid über das Leben der Spielleute erzähle und mit Zuhörern ins Gespräch komme, ergeben sich interessante Gespräche.

Und Sie ziehen tatsächlich so als Spielfrau durch die Lande und leben von der Musik?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe einen ganz normalen Beruf…

Echt? Das kann ich mir gar nicht vorstellen!

Doch, ich arbeite beim Daimler in Untertürkheim. Aggregatesteuerung in der Motorenentwicklung.

Im Ernst jetzt?

Es ist schon vorgekommen, dass mir wirklich nicht geglaubt wurde. Die arbeitet doch nicht beim Daimler! Mittelalter und Autos… Das passt doch nicht zusammen! Oder? Doch, ich finde das passt. Wir alle leben nur einmal. Das wusste man schon in der Antike, lange bevor schmissige Begriffe wie Work-Life-Balance erfunden waren. Ist es da so schwer vorstellbar, dass wir dieses eine Leben, das uns zur Verfügung steht nach unseren persönlichen Vorlieben gestalten, indem wir zum Beispiel abends Geschichtsbücher wälzen, an Flugzeugmodellen schrauben, Musik komponieren, für den Bootsführerschein büffeln, Orchideen züchten, historische Holzmöbel rekonstruieren, Sportmannschaften trainieren oder exotische tote Sprachen lernen, sofern wir das möchten?

Wenn wir uns ein wenig genauer umsehen und die Menschen kennen lernen, mit denen wir Tag für Tag „beim Daimler“ zu tun haben, dann finden wir mehr als nur diese eine, professionelle Facette, die wir geschäftsmäßig nach außen kehren. Der Großteil des Menschen bleibt erst einmal verborgen, wie der untere Teil des sprichwörtlichen Eisbergs.

Seit ein paar Jahren arbeite ich nun im Bereich Motoren-Entwicklung („Aggregatesteuerung“) und bin in meiner Abteilung als Frau auch schon fast ein Exot. Wenn ich mich bei Besprechungen umschaue, bin ich oft die einzige Frau im Raum. Nicht immer, zum Glück, aber oft. Fragen zu meinem Werdegang höre ich heute deutlich seltener. Nach Ende meiner Ausbildung habe ich es sehr genossen, erst einmal anzukommen und in meinem Team heimisch zu werden. Das bringt es mit sich, dass man seltener fragt „woher kommst du?“, dafür öfter „wer bist du?“ oder „was machst du gerade?“ Und immer noch finde ich diese Neugier gut, wann immer sie mir begegnet.

Die Menschen sind das, was ein Unternehmen ausmacht. Menschen sind wichtiger als Slogans und chic ausformulierte Unternehmensgrundsätze. Es sind unsere Vielfalt und unser persönliches Engagement, die uns wirklich voran bringen – und zwar als Einzelne, sowie als Unternehmen. Unsere kleinen Spleens, die größeren und kleineren Freizeitleidenschaften sind die Schmiere im Getriebe unseres  Lebens. Nur wenn es uns gut geht, geht es auch dem Unternehmen gut.

Vor ein paar Jahren schrieb ich in meinem ersten Beitrag zum Daimler Blog, „Wir sind Menschen, nicht Druckerpapier.“ Wir sind facettenreiche kleine Eisberge, die in kein Schema und keine vorgefertigten Förmchen passen. Heute Abend gehe ich wieder Dudelsack spielen üben. Und Sie?


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
5.0 / 5 (1 Bewertung)
Bitte warten...

Tags: , , , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. moovel im Test: Das kann die Mobilitäts-App

    Stephan Kempf: Hallo Laurin, guter Bericht, wirkt authentisch und nicht schöngefärbt. Und...

  2. GLC F-Cell: 3000 Kilometer, zwei Erlebnisse, Null Emissionen

    Zoltán Körmendy: Ein sehr informativer und begeisternder Artikel! Die Schlussfolgerung von Herrn Göke möchte...

  3. Boliden bauen, Business planen: Das Rennteam der Uni Stuttgart

    Manjul Vashishtha: Tolle Artikel !!! Ich wünsche unseren Team alles gute und drücke Euch...

  4. Boliden bauen, Business planen: Das Rennteam der Uni Stuttgart

    Dragan: Congrats for an AMAZING Endurance Show and fastest Lap Time of the...

  5. GLC F-Cell: 3000 Kilometer, zwei Erlebnisse, Null Emissionen

    Tessa Freund: Super Artikel, der auf informative und zugleich mitreißende Art und Weise eindrucksvoll...