Von der „grünen Hölle“ in den siebten Himmel

DA IST DAS DING – es gibt wohl keine besseren Worte für meine Gefühle als die von Oliver Kahn. Das „Ding“, das ist der Sieg beim 24h-Rennen Nürburgring, dem härtesten Rennen auf der schönsten Strecke der Welt. DTM-Titel hin oder her – der Sieg beim Marathon in der „Grünen Hölle“ der Nordschleife war schon lange ein Traum von mir. Bis er Pfingstmontag wahr wurde…

Doch der Reihe nach: Als Rennfahrer im AMG Driver Pool unterstütze ich unsere Kundenteams bei ihren Rennen.

Ein Service, der allen Teams offen steht und der mir in den letzten beiden Jahren schon viele schöne Starts auf der ganzen Welt beschert hat. Nach der Devise „Kundensport statt Werkssport“ stelle ich meine Erfahrung mit dem SLS AMG GT3, den ich mitentwickeln durfte, in den Dienst der Kunden.

Beim diesjährigen 24h-Rennen am Nürburgring gehöre ich zur Black Falcon Mannschaft. Den Jungs, mit denen ich 2013 bereits die 24 Stunden von Dubai gewinnen konnte. Ein gutes Omen, dachte man sich wohl bei Black Falcon. Außerdem hatte ich mit dem Ring noch eine Rechnung offen: 2012 fuhr ich hier das 24h-Rennen für HEICO Motorsport und fiel 15 Minuten vor Schluss an dritter Stelle liegend aus.

Bei Black Falcon bin ich der „Oldie“ und teile mir das Cockpit mit drei schnellen Jungs: Jeroen Bleekemolen, 31, Sean Edwards, 26, und Nicki Thiim, 24  – gerade einmal halb so alt wie ich. Mit Jeroen und Sean bin ich bereits in Dubai zum Sieg gefahren. Nicki sitzt erst zum zweiten Mal in einem SLS AMG GT3. Doch jung zu sein, muss auf der Nordschleife keinen Nachteil bedeuten. Im Gegenteil: Je älter man ist, desto mehr Gedanken macht man sich. Als junger Pilot setzt man sich ins Auto und gibt einfach Gas.

Ob man ein wirklich guter Rennfahrer ist, zeigt sich spätestens im Regen – und davon gibt es an diesem Wochenende reichlich. Eifelwetter mit wechselnden Streckenbedingungen vom ersten Training bis zur Zielankunft. Schwierige Vorraussetzungen, noch dazu wenn man sich die 25km lange Strecke mit fast 180 Fahrzeugen teilt. Entsprechend vorsichtig gingen wir die ersten Sessions an. Herantasten, die richtigen Abstimmungen finden – das war zunächst wichtiger als die Zeiten.

Im trockenen Top-40 Qualifying lässt Sean dann unser Auto mit der Nummer #9 ordentlich fliegen: 8:20.320 Minuten, Startplatz sechs und Bestzeit der insgesamt sieben SLS AMG GT3. Eine gute Ausgangsposition, um gleich vorne dabei zu sein. Ein wichtiger Faktor, denn das Niveau beim 24h-Rennen ist heute so hoch, dass selbst die Langstrecke wie ein Sprintrennen gefahren wird – volle Attacke zweimal rund um die Uhr.

Es geht los: Sonntag, 17 Uhr, trockene Strecke, Hochspannung. Sean ist unser Startfahrer. Nach der Einführungsrunde ist das Rennen frei und es geht es gleich richtig zur Sache. Aber Sean bleibt cool und macht alles richtig. Von der Box beobachten wir, wie er sauber durch die ersten Runden spurt und wir uns in den Top-Ten behaupten.

Neben dem Zeitenmonitor behalten wir den Wetterradar im Blick: Mit Einbruch der Nacht setzt der Regen ein. Und es kommen schlechte Nachrichten vom Schwesterauto mit der #10: Unfall, Berührung der Leitplanke und dadurch kaputte Hinterachse – es grenzt an ein Wunder, wie schnell die Black Falcon Mechaniker den Flügeltürer wieder flott bekommen.

Bei meinem ersten Nachtstint wird der Regen heftiger. Nebel und Gischt verschlechtern die Sicht und teilweise herrscht höchste Aquaplaning-Gefahr. Trotzdem können wir die schnellsten Rundenzeiten im Feld fahren. Der SLS AMG GT3 erleichtert es seinem Fahrer, sich selbst bei diesen Bedingungen auf das Wesentliche zu konzentrieren: das Fahren. 22.45 Uhr, rote Flaggen, Rennabbruch. Es wird einfach zu gefährlich. Die richtige Entscheidung, auch wenn wir gerade Boden gut machen konnten.

Beim morgendlichen Restart gehe ich als Startfahrer von P13 ins Rennen. Die Strecke ist nass, trocknet aber langsam ab. Wenn noch etwas nach vorne gehen soll, dann jetzt! Wieder gelingt es uns, die schnellsten Zeiten im Feld zu fahren. Wir machen Positionen gut. Doch dann die Schrecksekunde: Mein Ausrutscher ins Kiesbett direkt vor der Mercedes-Tribüne. Das kostet uns zwei Minuten, von denen ich eine jedoch gleich wieder aufholen kann. Den Streckenposten, die mich rausgezogen haben, muss ich noch einen Kasten Bier spendieren.

Mittlerweile ist unsere Cockpit-Crew um ein Mitglied ärmer: Jeroen musste nach Hause, weil seine Frau gerade Zwillinge bekommt – vermutlich die einzige „Ausrede“, die man in so einer Situation gelten lassen kann. Auf diesem Weg: Alles Gute!

Das Rennen wird zum Krimi. Noch drei Stunden. Wir sind vorne. Endlich! Ich fahre den vorletzten Stint. Problemlos. Das Auto geht nach wie vor wie ein Uhrwerk, die Dunlop-Reifen spielen mit und wir können uns weiter absetzen. Sean Edwards übernimmt den Schluss-Turn und behält alles unter Kontrolle. Nach 88 Runden lenkt er den Flügeltürer schließlich über die Ziellinie zum Sieg. Unser Jubel ist grenzenlos.

Danke an alle bei Black Falcon für die großartige Arbeit: Ihr habt meinen Traum wahr werden lassen. DA IST DAS DING!

Weitere Informationen zu AMG Customer Sports finden Sie auf der AMG Homepage.
Auf der AMG Customer Sports Facebook Seite finden Sie Videos zum Rennen.

 


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