„Off Duty“: Mein Patenkind auf den Philippinen

„Off Duty“: Die Daimler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nicht nur während ihrer Arbeitszeit motiviert, sondern engagieren sich oft auch in ihrer Freizeit in anderen, teilweise außergewöhnlichen Projekten. Diese wollen wir in der Reihe “Off Duty” kurz vorstellen.

Vor zwei Jahren habe ich bei Plan International Hamburg eine Patenschaft für einen Jungen namens Mark-Hell auf den Philippinen übernommen. Mit dem Gedanken eine Patenschaft zu übernehmen haben mein Partner und ich schon länger gespielt. Durch viele Reisen in den asiatischen Raum ist mir jedes Mal aufs Neue bewusst geworden, wie gut es uns in Deutschland eigentlich geht. So wurde die Idee, etwas zurückgeben zu wollen, immer stärker. Nachdem dann unsere Freunde vom Besuch bei ihrem Patenkind in Laos berichteten, haben wir uns entschlossen, jeder von uns eine Patenschaft zu übernehmen. Mein Partner für einen Jungen in Tansania und ich für einen Jungen auf den Philippinen.

 

Ich arbeite im Einkauf für Nichtproduktionsmaterial bei Daimler in Stuttgart und beauftrage Kleinbestellungen. Ich komme beruflich also täglich mit großen Summen an Geld in Berührung. Im Vergleich dazu sind die Kosten für eine Patenschaft sehr gering und können sehr viel bewirken, da nicht nur das Kind sondern auch die gesamte Gemeinde profitiert. Weil es mir wichtig war, nicht nur über Briefe Kontakt zu haben, sondern Mark-Hell auch persönlich kennenzulernen, haben mein Partner und ich als leidenschaftliche Asienfans uns im Februar 2012 entschlossen, dass uns die nächste Reise auf die Philippinen, genauer auf die Insel Mindoro, führen soll.

Nach langen Vorbereitungen war es im Januar dieses Jahres soweit. Wir sind von Frankfurt aus über Hongkong nach Manila geflogen. Nach einer Nacht Aufenthalt haben wir uns  zum Fährhafen fahren lassen und sind mit der „Fähre“, ein Auslegerboot aus Holz, nach Mindoro übergesetzt. Die Insel Mindoro ist zweigeteilt, Mindoro Oriental  – der reichere Teil der Insel, der auch von Tourismus erschlossen ist und der arme Teil Mindoro Occidental, auf der Mark-Hell lebt. Die Unterschiede haben wir schnell bemerkt. Während es auf Mindoro Oriental recht gut ausgebaute Straßen gibt, sind die Straßen auf Mindoro Occidental eine reine Katastrophe, fehlende Straßenbeläge, abgerissene Brücken etc. Wir haben für 150 km mehrere Stunden Fahrzeit benötigt.

Nachdem wir abends in der Stadt Sablayan angekommen waren und uns dort bis zum nächsten Tag ausgeruht hatten, war es soweit. Wir wurden um neun Uhr von zwei Plan-Mitarbeiterinnen am Strand abgeholt und sind mit zwei Mopeds (da sind dann jeweils drei Personen darauf gesessen) am Strand entlang, über eine kleine Hängebrücke zum Jeep, gebracht worden. Dort warteten nochmals zwei Mitarbeiterinnen und ein Fahrer auf uns. Nachdem wir noch ein paar Süßigkeiten für die Kinder gekauft hatten, ging die Fahrt los. Nach ca. 20 Minuten Fahrzeit haben wir dann das Bürgerhaus, ähnlich wie unsere Rathäuser, erreicht und wurden dort sehr herzlich willkommen geheißen.

Vom Bürgermeister über den Polizeipräsident, Mark-Hells Lehrer und sehr viele weitere nette Leute haben uns mit philippinischen und deutschen Flaggen empfangen. Die Plan-Mitarbeiterinnen haben uns dann ihre Projektarbeit auf den Philippinen vorgestellt. In der Gemeinde, in der Mark-Hell wohnt, leben ca. 3.500 Personen die von der Organisation betreut werden. Es werden Wasserleitungen gebaut, die Kinder erhalten schulische Unterstützung und vieles mehr. Mark-Hells Vater hat die Familie mit vier weiteren Geschwistern verlassen und die Mutter mit drei weiteren Kindern im Stich gelassen – Unterhaltszahlungen wie bei uns gibt es dort nicht.

Nach dem Empfang im Bürgerhaus fuhren wir in die Schule die Mark-Hell im Moment besucht, bevor er im Sommer auf die High-School wechselt. Auch dort wurden wir sehr, sehr herzlich empfangen. Es war einfach unbeschreiblich, wie viel Freude und Liebenswürdigkeit uns an diesem Tag begegnete und ist nicht in Worte zu kleiden. Hier haben wir dann Mark-Hell getroffen und waren sehr erfreut, ihn persönlich kennenlernen zu können. 

Alle zusammen beklebten wir dann neue Stühle, die für die Schule gespendet wurden, mit Aufklebern, bevor die Fahrt zur High-School begann. Hier haben die Kinder für uns Gitarre gespielt und gesungen. Das reichliche Mittagessen im Bürgerhaus, an dem dann auch Mark-Hells Mutter teilnahm war ungezwungen und lustig. Danach sind wir zum „Haus“ von Mark-Hells Familie gefahren, eine einfache aus Bambus gebaute Behausung, die weder einem Sturm noch sonstigen strengen Witterungseinflüssen standhalten kann. Es gibt hier weder fließend Wasser, noch eine Toilette, die Küche besteht aus einer kleinen Kochstelle, die mit Holz angefeuert wird. Wir hatten hier dann auch die Möglichkeit Marks-Hells Bruder mit Frau kennenzulernen und hatten uns alle viel zu erzählen. Mark-Hells Schwägerin erzählte uns auch, dass die Familie nicht jeden Tag satt wird, das ist für uns Deutsche unvorstellbar.

Wir besuchten an diesem Nachmittag dann noch einen Kindergarten und alle haben sich sehr über die mitgebrachten Stifte und Luftballons gefreut.Wir konnten uns vor Ort von der Arbeit, die Plan leistet überzeugen und sind sicher, dass unsere Spenden sehr gut eingesetzt werden. Wir werden Mark-Hell und seine Familie irgendwann in den nächsten Jahren wieder besuchen.


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