Vorbereitung ist das „A“ und „O“

Wie bereitet man sich eigentlich auf eine Wüstenrallye vor? Diese Frage wurde mir in den letzten Monaten mehrfach gestellt. Ich fahre im März dieses Jahr zum zweiten Mal bei der Wüstenrallye Aïcha des Gazelles für Mercedes-Benz Vans mit. Ein spannendes Abenteuer, zumal ich dieses Mal auch noch mit einer neuen Teampartnerin unterwegs sein werde. Lina van de Mars, bekannt vor allem durch ihre Sendungen bei Fernsehsendern wie DMAX, Sport 1 und Vox, wird meine Pilotin in unserem Sprinter-Werkswagen sein.Da wir im 4×4-Classement vor allem gegen Geländewagen und Pickups fahren werden, stehen wir vor der Herausforderung, dass wir mit dem Sprinter Streckenabschnitte in Sanddünen bewältigen müssen, wo ein ausgesprochenes Fahrkönnen von Nöten ist. Sonst könnte es wie vor zwei Jahren leicht passieren, dass der Sprinter aufgrund seines hohen Schwerpunkts und der Gewichtsverteilung des Fahrzeugs zulasten der vorderen Achse plötzlich auf der Seite liegt. Um dem entgegenzuwirken waren wir vom 15.-17. Februar 2013 im südlichen Marokko zum Training.

Zunächst einmal ging es vom Flughafen Frankfurt aus über Casablanca nach Ouarzazate. Dort erwartete uns der Veranstalter des Trainings mit Nissan Navara und Isuzu D-Max Pickups. Nun ging es noch 2 Stunden durch die Nacht bis zu unserem Hotel, das auf dem Weg zum eigentlichen Trainingsort in den Dünen von Merzouga lag. Todmüde fielen wir beide gegen 2 Uhr ins Bett. Was wir allerdings nicht bedacht hatten, dass es im Februar in der Wüste nachts noch empfindlich kalt sein kann mit nur 5 °C. Aufgrund der einfachen und sehr armen Verhältnisse im Süden Marokkos hatte das Hotel zwar eine Klimaanlage aber keine Heizung. So schliefen wir nur sehr wenig, die Kälte weckte uns immer wieder auf. Am nächsten Morgen ging es dann nochmal 3,5 Stunden weiter bis zu unserem Zielort in der Nähe des Erg Chebbi, einer beliebten Reisedestination für Sanddünenbegeisterte und Kameltrekking. An den drei Tagen Training erwartete uns ein gemischtes Programm aus Fahren und Navigation nur mit Karte und Kompass, wie es bei der richtigen Rallye auch sein wird. Die Herausforderung bei der Rallye wird sein, Koordinatenpunkte über Strecken von 20 bis 40 Kilometer hinweg offroad nur mittels schwarzweiß kopiertem Kartenmaterial aus den 60er Jahren und einem einfachen Kompass, also ohne GPS oder sonstige elektronische Helferlein, auf dem kürzesten Weg zu finden. Denn das Ziel der Rallye ist nicht, als erstes über die Ziellinie zu fahren, sondern die wenigsten Kilometer zwischen den vorgegebenen Checkpoints zurückzulegen. Dazu muss man vor allem ein Gefühl dafür entwickeln, welche der Berge, die man weit in der Ferne im Dunst ausmachen kann, denen auf der Karte entsprechen. Ich kann hier zum Glück bereits von meiner Erfahrung aus dem letzten Jahr profitieren, aber für Lina war es umso wichtiger, auch die Landschaft vor Ort kennengelernt zu haben.

Das Fahren haben wir vor Ort sowohl auf steinigem Untergrund als auch richtig in den Dünen geübt. Spannend wird es vor allem während der Rallye, diese mit einem Pickup angeeigneten Fähigkeiten auf den Sprinter zu übertragen. Ein Pickup ist zum einen wesentlich schmaler und lässt sich damit auf Dünenkämmen sehr gut fahren. Da der Sprinter breiter ist, wird Lina sehr feinfühlig entscheiden müssen, in welchen Situationen wir gegebenenfalls einen Dünenkamm vermeiden und nach einer alternativen Route suchen sollten. Zudem hat ein Pickup eine bedeutend geringere Fahrzeughöhe und überschlägt sich dadurch weniger schnell, wenn man eine Düne bei der Überquerung mal nicht ganz exakt anfährt. Zum anderen hat der Sprinter den großen Vorteil, dass man aufgrund der hohen Sitzposition und der kurzen Schnauze einen ausgezeichneten Überblick hat über das, was vor einem liegt. Um die gesammelten Erfahrungen auf den Sprinter übertragen zu können, werden wir daher Anfang März nochmal einen Tag auf einem Truppenübungsgelände in der Nähe von Berlin, wo es sehr viel Sand zum Üben gibt, trainieren. Wie sagt man doch so schön, Übung macht den Meister.

Ein wichtiger und hilfreicher Nebeneffekt des Trainings in Marokko war es, unsere Französischkenntnisse wiederzubeleben. Ich habe bei meinem Job im Marketing von Mercedes-Benz Vans zwar sehr viel Routine mit der englischen Sprache, Französisch kommt aber leider nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Die Trainingstage waren daher ein buntes Sprachenchaos aus Deutsch, Englisch und Französisch – Deutsch mit Lina wenn wir allein waren, Englisch sobald wir uns unterhalten haben, aber andere Teilnehmer dabei waren, und Französisch sobald wir mit den anderen Teilnehmern oder dem Veranstalter kommuniziert haben. Die komplette Instruktion erfolgte wie auch später bei der Rallye auf Französisch. Und das ist gar nicht so einfach, wenn es ständig um technische Fahrzeugdetails wie zum Beispiel die Funktionsweise des Getriebes oder der Differentialsperren geht!

Besonders angenehm wurde das Training unter anderem durch die entspannte Lebensart der Franzosen und Marokkaner. An zwei der drei Tage wurde für uns mittags mitten in der Wüste gegrillt. Auf Decken sitzend mit Mini-Tischchen, orientalischer Musik aus dem Autoradio, Sonne und 20 °C fühlt man sich da sehr weit weg vom Alltag in der Heimat und kann sich voll auf das vor einem liegende Abenteuer einstimmen.

Zurück in Deutschland, bereite ich mich auf die Rallye zusätzlich mittels sportlichem Training, der Besorgung noch fehlender Outdoorkleidung und T-Shirts und einer sorgfältig zusammengestellten Liste mit Sachen, die bei der Rallye auf keinen Fall fehlen dürfen, vor. Hierzu gehören zum Beispiel unbedingt Feuchttücher und Zip-Beutel zum Einpacken der Unterwäsche, denn Wasser ist eher Mangelware in der Wüste und man freut sich morgens ungemein, wenn nicht alle frischen Sachen bereits voller Sand sind, der es auf wundersame Weise geschafft hat, in die Reisetasche zu kommen. Ein Besuch beim Arzt bezüglich noch fehlender Impfungen sowie ein Treffen mit allen Mädels unserer 4 Mercedes-Teams stehen ebenso auf dem Programm. Teamgeist ist wichtig und hilft während der Rallye, Schwierigkeiten leichter zu meistern. Dies war im Übrigen auch ein wichtiger Aspekt bei Lina und mir während des Trainings in Marokko – warm werden miteinander und Vertrauen entwickeln in die Fähigkeiten der anderen. Abschließend ist es mir als Navigatorin in unserem Team wichtig, mich nochmal detailliert in die Karten und den Routenverlauf vom letzten Jahr zu vertiefen, um mir die Landschaft, einzelne Checkpoints und Hindernisse wieder in Erinnerung zu rufen.

Man kann zwar mit Vorbereitung nie alle Eventualitäten und Risiken abdecken, was bei der Rallye passieren könnte, aber es gibt einem das Gefühl, sein Möglichstes zur Vorbeugung von Problemen getan zu haben. Nun fiebere ich gespannt der Rallye entgegen, die am 16. März 2013 ihren Auftakt in Paris haben und am 21. März 2013 dann tatsächlich mit der ersten Etappe beginnen wird. Wie die Rallye für Lina van den Mars und mich als Team 137 verlaufen ist, gibt’s hier im Daimler-Blog zu lesen.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
3.0 / 5 (2 Bewertungen)
Bitte warten...

Tags: , , , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. 5 Denkanstöße, um authentisch erfolgreich zu sein

    Peter Valentin: Hallo Frau Klasing, herzlichen Glückwunsch zu Ihren Erfolgen. Ich habe da eine...

  2. 5 Denkanstöße, um authentisch erfolgreich zu sein

    Sabine Kußmaul: Es war ein toller Vortrag und eine sehr offene Diskussion! Vielen Dank,...

  3. Skandinavien im Winter: Roadtrip mit der G-Klasse

    Michael Schober: Wirklich eine tolle Tour und ein wahnsinns Abenteuer. Vielen Dank für den...

  4. Barrierefreies Arbeiten: Eine Win-win-Situation für alle!

    Christoph P.: Sehr schön, dass gerade auch im Unternehmensumfeld auf Einschränkungen geachtet wird und...

  5. Blogbeiträge auch als Podcast

    Uwe Knaus: @Tilo: Danke für den Hinweis. Im Header unter "Über das Blog"...