Menschliche Schönheit – Was ist das eigentlich?

Die Frage nach der menschlichen Schönheit, insbesondere nach der Schönheit des menschlichen Gesichts, beschäftigt mitnichten allein die Leserinnen und Leser von Modemagazinen. Es handelt sich vielmehr um eine zutiefst philosophische Frage. „Nur wer blind ist, kann eine solche Frage stellen“, stellt Aristoteles bündig fest – und bleibt eine Antwort damit kurzerhand schuldig.
Das tschechisch-amerikanische Topmodel Paulina Porizkova meint hingegen: „Ich freue mich, dass die Menschen mich attraktiv finden. Tatsächlich aber ist dies nur eine Frage der Mathematik, es geht nur um ein paar Millimeter zwischen Augen und Kinn.“

230 Besucher kamen am 19. Februar ins Mercedes-Benz Museum, um den Vortrag „Die Schönheit des Gesichts. Ein Mathematiker auf Spurensuche“ von Peter Deuflhard, Professor für Scientific Computing an der Freien Universität Berlin und Gründer des Zuse-Instituts Berlin, zu hören. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Dialog im Museum“ statt, die gemeinsam von der Daimler und Benz Stiftung, der Daimler AG und dem Mercedes-Benz Museum veranstaltet wird. Als Hausherr und Mitglied des Stiftungsrats begrüßte Dr. Michael Mühlbayer, und Senior Vice President Investor Relations & Treasury der Daimler AG das Publikum. „Gerade weil die Stiftung nicht nur juristisch eigenständig ist, sondern auch inhaltlich andere Themenfelder als die Daimler AG angeht und dabei eine hohe Freiheit in der Forschungsförderung genießt, sind Abende wie der heutige besonders wichtig. Hier erfahren wir etwas über ihre Fördertätigkeit. Es liegt uns daran, dass diese Arbeit nach außen hin sichtbar wird.“ Zur visuellen Einstimmung in das Thema präsentierte Mühlbayer die Fotoserie „Autoblicke“ von Vladimir Nikolic. Der Konzeptkünstler spiegelt mimisch Emotionen wieder, die Autokarosserien in ihm hervorrufen.

„Was Frau Porizkova  etwas nüchtern formuliert, ist in der Tat keine Übertreibung“, so Deuflhard. „Experimente haben gezeigt, ein Millimeter im Gesicht, an der richtigen Stelle geändert, führt in unserer Wahrnehmung zu einem Umschlag von ‚schön‘ zu ‚nicht schön‘.“ Doch verhält es sich nicht nur so, dass ‚schöne‘ Menschen im Alltag mehr Hilfsbereitschaft erfahren. Gerade Patienten, die etwa nach einem Unfall entstellt sind, wünschen sich sehnlichst ein natürliches Aussehen zurück. Im Vorfeld einer Operation erweist sich die mathematische Simulation eines später gewünschten Aussehens dabei als enorm hilfreich für die ausführenden Chirurgen. „Mittlerweile kooperieren wir in der Operationsplanung mit rund 20 Kliniken europaweit“, führte Deuflhard aus. „Bis auf einen zehntel Millimeter genau können die Ärzte ein von uns errechnetes Modell mittlerweile realisieren.“

Auch wenn zweifelsohne historische Vorbilder an schönen Gesichtern existieren, etwa die Büste der „Nofretete“, Boticellis „Venus“ oder etwa Michelangelos „David“, falle es doch schwer, einen universalen und kulturübergreifenden Begriff der Schönheit zu definieren. „Die viel zitierte Sache mit dem goldenen Schnitt ist es jedenfalls nicht“, so Deuflhard. „Auch das ‚Morphen‘, also die Überlagerung verschiedener Gesichter am Computer, führt nicht, wie oft angenommen, zu idealeren Formen. Dieser Eindruck ist vor allem auf die Glättung und gleichmäßigere Tönung der Haut, die bei diesen Prozessen entsteht, zurückzuführen.“

Letztlich erweise sich die Frage nach dem „schönen Gesicht“ als zu eng gefasst. Dies zeige sich deutlich, wenn man einen Menschen in einer bewegten Situation beurteile. Etwa in einem Film und nicht nur auf einem Foto. Deuflhard stellte fest: „Schon ist die Wahrnehmung völlig anders und die Bewertungen purzeln wieder wild durcheinander.“ Haare, Augen, Körperhaltung sowie der individuelle gestische Ausdruck würden ein Gesamtbild entstehen lassen, das weit über jede statische Betrachtung hinausgehe. Am Ende gehe es beim Aussehen stets um größtmögliche soziale Akzeptanz und  die Erfahrung persönlicher Identität. Dies zeige sich insbesondere nach Operationen: „Wenn ein Patient in den Spiegel blickt und sagt: ‚Das ist mein Gesicht‘ – und seine Familie, seine Freunde empfinden dies ebenso, ja dann ist es schön!“, so Deuflhards Fazit.

Den Podcast zu Prof. Deuflhards Vortrag gibt es hier über die Seite der Daimler und Benz Stiftung zu sehen.
(Copyright Fotos: Wölffing/Daimler und Benz Stiftung)


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