Mercedes-Benz in Genf: (Luft-) Widerstand zwecklos

Es gibt Menschen, denen der „cw-Wert“ eines Fahrzeugs komplett egal ist. Sie fahren eine G-Klasse. Da zählen andere Werte. Und das ist auch gut so. Ich bin für automobile Vielfalt! Mercedes-Benz kann aber auch ganz anders, wie jetzt auf dem 83. Automobilsalon in Genf zu sehen ist.
Vielleicht sollte man zukünftig vom „CLA-Wert“ eines Fahrzeugs sprechen. Denn die neue kleine Coupé-Limousine ist in punkto Luftwiderstand kaum zu toppen: 0,22  bedeuten einen neuen Aerodynamik-Weltrekord für Serienfahrzeuge. Und zwar ohne, dass die Insassen vorne wie hinten Platzangst bekommen. „Sitzt wie ein Maßanzug“ so ein Messebesucher, der drin saß. Na gut, nicht jede Figur kann oder sollte vom CLA gekrönt werden, aber so ist das nun mal. Wer mehr mit sich herumträgt, also Gepäck, der kann auf die neue E-Klasse ausweichen. Bei Kindern würde man sagen, er oder sie hat einen „Entwicklungsschub“ gemacht: Eine völlig neue Front mit neuen Scheinwerfern, bei denen ein einziges Scheinwerferglas alle Funktionselemente abdeckt.

Traditionalisten und Modernisten dürfen sich darüber streiten, was schöner ist: Klassischer Stern auf der Motorhaube oder Sportwagenkühlergrill. Windschlüpfig (ohne „r“) sind sie beide. In Genf über innere Werte zu reden, fällt schwer (schon wegen der Messe-Hostessen), aber dennoch: Beim E-Klasse-Fahren, (egal ob Coupé, Cabriolet, T-Modell oder Limousine) ist der „Mercedes-Benz Intelligent Drive“ stets mit dabei. Dazu zählen Systeme, die Unfälle mit querenden Fahrzeugen oder mit Fußgängern verhindern können, ein aktiver Spurhalte-Assistent oder ein blendfreies Dauerfernlicht. Sicher ist sicher. Dafür steht der Stern wie keine andere Automarke.

Wie erkennt man, welches Auto gerade bei Fachpublikum wie Journalisten das größte Interesse weckt? Über den „Drunter-Kriech-Faktor“: Wenn sich Leute vor oder halb unter dem Fahrzeug auf dem Boden wälzen, um mit der Kamera an den Querstabilisator vom Fahrwerk heranzukommen. Oder die Antriebswelle So geschehen beim neuen Mercedes-Benz A 45 AMG. „Ja wo ist denn hier jetzt der Allrad-Antrieb?“ fragt einer. „Na hier“, kommt die Antwort aus dem hinteren Radhaus und dann „Aua“, der Journalist hat mit seinem Kopf  soeben auch den Sport-Auspuff ertastet.

Soviel „Drunter und Drüber“ freut Ola Källenius, Geschäftsführer der Mercedes-AMG GmbH: „Unser Kompaktwagen hat beeindruckende Leistungsdaten. Ich bin stolz darauf, dass wir mit dem Motor den stärksten Serien-Vierzylinder-Turbomotor der Welt anbieten können. Und dabei steht den 360 PS  ein Verbrauch von nur 6,9 Litern je 100 Kilometern gegenüber!“ Und wer so gar keine Zeit hat, kann diese 100 (Stundenkilometer) dank Allradantrieb 4MATIC in 4,6 Sekunden erreichen. Die „Edition 1“  setzt noch eins drauf: Mit dem Heckflügel und den AMG-Sportstreifen sowie mattschwarzen Leichtmetallrädern, könnte sich der Kleine eigentlich gleich zur DTM-Startaufstellung  dazu stellen.

Wo wir gerade beim Rennsport sind: Erwähnen möchte ich noch den kleinen Stand von „Carlsson“ unweit des Mercedes-Benz-Auftritts. Dort sind in Genf ein massiv getunter smart und ein „SLK-Monstrum“ zu finden. Tuner Carlsson will mit dem über 600 PS starken „JUDD“ zum Bergrennen  „Pikes Peak“. „Anpressdruck“ ist für das Auto mit massiven Spoilern und Diffusoren wichtiger als elegante Aerodynamik.  –Aerodynamik (und Design) waren ja auch die Themen bei unserem kurzen Live-Talk, den ich mit Dr. Teddy Woll und Gorden Wagener geführt habe. Dabei habe ich die Fragen unserer Leser gestellt. (Vielleicht hatten ja auch Sie eine Frage, hier sind die Antworten der Experten). Vielen Dank für die Beteiligung und die interessanten Beiträge!

Mein Fazit zum Automobilsalon in Genf: Natürlich ist die Messe auch ein großer Spielplatz für autoverrückte „Jungs“. Natürlich wird hier mit PS geprotzt. Natürlich sind manche Autos eine Provokation für Nachhaltigkeitsgedanken und mancher Dress des Standpersonals eine „Aufschrei“-Debatte wert. Sei’s drum. Mercedes macht sich fit für die Zukunft, das zeigen A-Klasse, CLA, cw-Wert-Entwicklung, neue Motoren wie der BlueDIRECT Vierzylinder oder der V6-Biturbo, die neue E-Klasse und die neuen Assistenz-Systeme. Und „S“ kommt dieses Jahr ja noch mehr… Genf = gutes Gefühl!


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