CLA Fotoshooting: Mehr als nur auf den Auslöser zu drücken

Der neue Mercedes-Benz CLA wurde am 13. Januar 2013 der internationalen Presse vorgestellt. Die Berichterstattung in Produkt- und Lifestylemedien war dem kleinen CLS bereits im Vorfeld sicher. Doch damit gaben sich die Kommunikationsexperten in Stuttgart-Möhringen nicht zufrieden. Sie wollten den CLA auch neuen Zielgruppen nahebringen und stellten sich die Frage: Wie kann das attraktive Coupé auch in andere Medien vordringen und neue Zielgruppen erobern?

Aus den Überlegungen erwuchs eine Idee: Mercedes-Benz schrieb in der Fotografiezeitschrift fotoMAGAZIN einen Wettbewerb aus, in dem die kreativste Idee für die Inszenierung des CLAs von einer Fachjury gekürt und anschließend im Rahmen eines regulären CLA Presse Shootings umgesetzt wurde. Das Fotoshooting lieferte nicht nur ansprechendes Bildmaterial für das Magazin, sondern auch die eine oder andere Erkenntnis für mich.

Ein herbstlicher Montagnachmittag im November. In dem 900m2 großen Studio herrscht tiefe Dunkelheit. Was gerade nicht sichtbar ist: mehrere Menschen im Verborgenen. Und inmitten des Raumes: ein silberner, matt glänzender Mercedes – ein sportliches Coupé, dynamisch und provokant. Nicht viele Menschen hatten bisher das Vergnügen, den neuen CLA von Mercedes-Benz zu sehen. Noch weniger, ihn zu fotografieren.

Plötzlich ist der linke Frontscheinwerfer in Licht getaucht. Zu hören: ein leises „Klick“. Ein Lichtkegel scheint über das Fahrzeug hinweg zu gleiten. Das Licht spielt mit den markanten Seitenlinien des Fahrzeugs, fließt über die leichten Wölbungen und bricht sich an den harten Kanten. Und wieder ein „Klick“. Dann ist das Fahrzeug erneut in Dunkelheit getaucht. Als das Licht angeht, werden die Köpfe am PC-Bildschirm zusammengesteckt. Mit kritischen Blicken begutachten der Fotograf und die Assistenten im Studio die gerade geschossenen Fotos. „Das Heck braucht mehr Licht. Und stärker von unten.

Wir nehmen statt Lampe Drei die Vier“. Dann beginnt das Ganze von vorne. Seit dem frühen Morgen wird hier im Debeos Studio in Sindelfingen immer wieder neu mit Licht justiert und experimentiert. Alles wirkt professionell, ein eingespieltes Team – aber der Schein trügt. Hinter der Kamera steht Martin Koziel, Student aus Köln und Gewinner des Fotowettbewerbs zur Einführung des neuen Mercedes-Benz CLA. In der Ausschreibung zum Wettbewerb hieß es: „fotoMAGAZIN und Mercedes-Benz suchen einen ambitionierten Amateur oder Profi mit Herz für Autos und Autofotografie“. Zwar ist der 25-jährige Fotografie-Student längst kein Amateur mehr, aber die Dimensionen des Studios üben dennoch eine überwältigende Wirkung auf ihn aus. Es liegt eine positive Angespanntheit in der Luft. Seine Nervosität weiß Martin jedoch gekonnt in Energie umzuwandeln. Er genießt es sichtlich, heute einmal die Anweisungen zu geben und ein ganzes Team zu steuern. Er bestimmt Perspektive, Kameraeinstellung, Licht und den richtigen Moment für den Auslöser – eine Vielzahl an kleinen Entscheidungen, doch mit weitreichenden Auswirkungen auf das Endergebnis. Einzig und allein bei der technischen Umsetzung sind ihm Profis aus dem Studio zur Seite gestellt.

Auch Martins Auftraggeber, der stellvertretende Chefredakteur des fotoMAGAZINs, Manfred Zollner ist als stiller Beobachter an diesem Tag im Studio anwesend. Begleitet wird Martin außerdem von einem Freund aus Helsinki, der ihn bei der zeichnerischen und visuellen Umsetzung seiner Idee unterstützt hat und heute den Tag in Form eines privaten Making-offs genauestens dokumentiert. Die Tatsache, dass sich so viele Leute Zeit genommen haben, macht Martin stolz. Stolz ist er aber auch, sich mit seiner Idee gegen die Riege an Mitbewerbern durchgesetzt zu haben. „Als ich auf die Ausschreibung gestoßen bin, war mir gleich bewusst: Mercedes-Benz und fotoMAGAZIN, da musst du dir etwas Ordentliches einfallen lassen“, erinnert er sich.

Die nächste Aufnahme. Der Raum senkt sich wieder in vollkommene Dunkelheit. Drei feine Lichtstreifen schwingen in geschmeidigen Wellen um die Stelle, an der man den MB CLA vermutet. Erst bei Licht wird erkenntlich, dass es sich bei den Streifen um Leuchtstoff-Röhren handelt, die auf einem Gestell montiert, von einem Assistenten in Kurven um das Auto herum gefahren werden. Die Szenerie wirkt sehr elegant, aber auch spielerisch und experimentell.

Viel Zeit, ein Gefühl für dieses Lichtexperiment zu entwickeln, bleibt dem Fotografie-Student jedoch nicht. Neben all den Freiheiten, die er heute genießt, existiert doch eine Beschränkung: die Zeit. Denn nach einem Tag müssen alle Aufnahmen im Kasten sein. „Das übt schon einen gewissen Druck aus“, sagt Martin „doch das Foto entwickelt sich ohnehin zuerst im Kopf. Nur wenn man eine genaue Vorstellung davon hat, was man fotografieren will, entsteht am Ende auch ein gutes Bild“.

Das Bild existiert also bereits, bevor der Fotograf auf den Auslöser drückt. Eine Vorstellung des Bildes, das hier im Studio gerade entsteht, hat die Jury des Wettbewerbs bereits bei der Konzeptbewertung erhalten. „Martin hat uns überzeugt, da wir bei ihm eine klare Idee erkennen konnten“, erklären der stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner und Daimler Art Director Oliver Schwarz. Ich muss jedoch ehrlicherweise bekennen: ich sehe das Bild noch nicht.

Jetzt ist erst einmal eine kleine Pause nötig – ein kurzes Aufatmen und Krafttanken für das Team bevor es zur nächsten Einstellung übergeht und Gelegenheit für mich, einmal genauer nachzufragen. Ich erfahre, dass das mysteriöse Lichtsegel „Circulight“ genannt wird und eine Erfindung des Debeos Studioleiters Harry Ruckaberle ist. Martin gesteht: „Die Art und Weise der Ausleuchtung und Lichtführung mit dem ‚Circulight‘ ist eine völlig neue Erfahrung für mich“. Im Gegensatz zum Blitzlicht, bei dem aufwendig jede Lampe einzeln gesetzt und eingestellt wird, erzeuge das Circulight eine sehr naturgetreue Lichtcharakteristik und simuliere dadurch realistische Licht- und Schattenverläufe. Dieser Effekt könne durch die Steuerung der Zeit, der Intensität und des Winkels der Dauerlichter sehr individuell beeinflusst werden. So könne bei der Ausleuchtung sehr effektiv gearbeitet und einiges an Zeit gespart werden. In Langzeitbelichtungen sind auf diese Art bisher Aufnahmen von der Karosserie sowie von einzelnen Details wie den Felgen, den beiden Außenspiegeln und den Frontleuchten gemacht worden. Nach diesen Basisaufnahmen folgte der kreative Teil, die Lichtmalerei. Martin erklärt mir, dass die im Konzept vorgesehenen Lichtstreifen einen visuellen Raum erzeugen sollen, in dem der CLA steht: „Für mich ist ein Auto kein stehendes Kunstobjekt. Mit einem Auto verbindet man Bewegung, Fahrspaß und Dynamik. Eine solche Atmosphäre im Studio zu schaffen, ist eine große Herausforderung“.

So langsam beginnt das Bild auch in meinem Kopf zu entstehen. Das Spiel mit dem Licht eröffnet dem Betrachter eine Vielzahl möglicher Interpretationen. So können die Lichtstreifen beispielsweise Assoziationen an einen Spurenverlauf erzeugen oder sie erinnern an vorbeiziehende Lichter. Aber eine Sache ist mir noch nicht klar: Was haben diese Aufnahmen mit den vorherigen Aufnahmen mit dem „Circulight“ zu tun?

Als ich Martin diese Frage stelle, lächelt er. „Am Ende besteht ein Foto ja nicht aus einer einzigen Aufnahme, sondern aus 15 bis 20 Einzelaufnahmen. Alle zusammen genommen ergeben das Endresultat“, erläutert er. Jetzt kommt mir meine Frage ziemlich dumm vor. Ich verstehe, wieso zuvor jedes klitzekleine Detail des Autos abgelichtet wurde.

Das Bild, das in der März-Ausgabe des fotoMAGAZIN erscheint – der neue MB CLA inmitten eines filigranen Lichtspiels – habe ich nun vor Augen. Nach einem Tag im Studio habe ich aber auch ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Arbeit letztendlich in einer Fotografie steckt.

Die Suche nach der richtigen Einstellung, dem optimalen Licht und dem perfekten Moment beginnt mit einer genauen Vorstellung. Und sie endet nach zahllosen Schüssen und einer Vielzahl unterschiedlichster Anläufe. Fotografieren ist eben mehr, als nur ein einziges Mal auf den Auslöser zu drücken.


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