ProCent: Obdachlosen etwas Wärme (ab)geben

Wie ich dazu kam, ein ProCent Projekt zu vermitteln?   Im September letzten Jahres bin ich mit meiner Frau durch die Stuttgarter Innenstadt gelaufen. Wir haben ein paar Einkäufe erledigt, einen Kaffee getrunken und es uns gut gehen lassen. Uns waren schon öfter Obdachlose aufgefallen, die in der Innenstadt in einer Unterführung oder an irgendeiner Häuserwand lagerten. An diesem Tag sahen wir eine Frau, so um die 50, die offensichtlich kein zu Hause mehr hatte. Sie saß an einer Ecke der oberen Königstraße auf einer Decke, eine Reisetasche und etliche andere Dinge um sich herum, und bat um Almosen.

Vielleicht waren wir besonders berührt, weil sie so „normal“ aussah. Sie konnte noch nicht lange auf der Straße leben, war vielleicht gerade erst in diese Situation gekommen.  Wir fragten Sie, ob Sie etwas essen möchte und  brachten ihr eine Pizza und Cola von einem Imbiss nebenan. Sie hat sich über diese Geste sehr gefreut.

 

Wir fuhren dann nach Haus, daran denkend, dass diese Frau kein zu Hause mehr hat und eine Pizza allein ihr da nicht wirklich hilft. Die Begegnung mit dieser Obdachlosen ließ meine Frau und mich erst mal nicht los. Wir fragten uns, wie es für sie weitergeht, wenn der Herbst und der Winter kommt. Im Februar gibt es die Vesperkirche, in der man sich aufwärmen und etwas essen kann. Aber die kalte Jahreszeit ist sehr lang, wenn man keine eigene Wohnung mehr hat.

So bin ich auf die Suche nach „Obdachlosenhilfe in Stuttgart“ im Internet gegangen und sofort auf den Verein „Helfende Hände e.V.“ gestoßen, der eine sehr informative Webseite hat. Der relativ kleine Verein arbeitet unabhängig von den Kirchen oder anderen großen Organisationen mit ehrenamtlichen Helfern, die regelmäßig durch das Stuttgarter Stadtgebiet zu den Betroffenen gehen und Lebensmittel, Kleidung und Hygieneartikel ausgeben. Sie bemühen sich dauerhafte und kostengünstige Unterkünfte für möglichst viele Wohnungslose zu finden. Über einen ehrenamtlich tätigen Arzt werden auch Medikamente und medizinische Betreuung organisiert.

Ich war begeistert, die tun etwas!    Natürlich bittet der Verein auch um Unterstützung durch Mitarbeit oder Geld- und Sachspenden. Da fiel mir unsere Daimler ProCent Initiative ein und die Idee war da, hier vielleicht etwas mehr als ein Abendessen oder eine gewöhnliche Spende organisieren zu können.

Zunächst habe ich mich dann über unser Intranet informiert, was die Anforderungen für ein ProCent Projekt sind, wie z.B. die Gemeinnützigkeit der Trägerorganisation des Projektes, wie man einen Antrag stellt, welche Informationen erforderlich sind usw.. Mit diesen Informationen in der Tasche wollte ich den Verein Helfende Hände nun persönlich kennenlernen und habe das Vereinsbüro im Generationenhaus in Heslach besucht. In einem sehr lebhaften Gespräch mit Frau Reinhardt, Mitarbeiterin im Förderverein  Helfende Hände, habe ich dann viele weitere Aspekte der Arbeit von Helfende Hände kennengelernt. Sie erklärte mir, dass gerade die Kälte in den Wintermonaten für Obdachlose eine der großen Gefahren ist. Die Kälte führt zu Erkrankungen, Erfrierungen bis hin zum Erfrierungstod.  Auf meine Frage, welches Projekt wir ggf. mit Unterstützung von ProCent organisieren könnten, war die Idee für „Obdachlosen etwas Wärme (ab)geben“  schnell gefunden. In den kommenden Wintermonaten sollten Schlafsäcke und Decken von den ehrenamtlichen Helfern an die Hilfsbedürftigen zum Schutz vor Kälte ausgegeben werden. Wir überlegten wie viele Schlafsäcke und Wolldecken über den Winter benötigt werden und auch von den Helfern sinnvoll an die Bedürftigen verteilt werden könnten. Mit der Recherche zu Preisen war klar, wie viel Geld benötigt würde: es waren 7.500 €  – eine ganz schön große Summe.

Ehrenamtliche Mitarbeiter liefern die Spenden aus

Der Antrag war schnell ausgefüllt, die Dokumente zum Nachweis der Gemeinnützigkeit sofort kopiert und so ging der Antrag an unser Betriebsratsbüro. Ich habe den Antrag persönlich vorbeigebracht, weil ich gerne wissen wollte, wie lange der Genehmigungsprozess dauert. Es war bereits Oktober, die Tage wurden kälter. Die erste Information, die ich erhielt, war ernüchternd: Die Prüfungskommission tagt 4 mal im Jahr und hatte ihren nächsten Termin bereits 2 Wochen später. Bis dahin wäre aber eine notwendige Vorprüfung nicht machbar. Der nächste Kommissionstermin war dann erst im Februar, auf jeden Fall zu spät für das Projekt in diesen Winter – wie dumm, schlechte Karten für das Projekt.

Nach kurzer Beratung über das Projekt und den Sachverhalt, dass es im Frühjahr nicht mehr relevant sei bzw. ein ganzes Jahr warten müsse, ist die Kollegin in die Sache eingestiegen und hat sich für eine beschleunigte Vorprüfung eingesetzt. Und – so hat es gerade noch geklappt. Das Projekt konnte noch im November in der ProCent Kommission beraten werden und wurde genehmigt.

Der Kältebus liefert die neuen Schlafsäcke und Decken aus

Ich habe mich riesig gefreut und wir alle, die sich an ProCent in Stuttgart beteiligen, können uns  freuen, dass es in diesem Winter in unserer Stadt etwas mehr Wärme gibt, dort wo es ganz besonders darauf ankommt. Einen herzlichen Gruß möchte ich noch von den Helfenden Händen ausrichten. Sie sagen allen ProCent-Spendern im Namen der Obdachlosen: „Danke!“

Anmerkungen der Redaktion

ProCent-Bilanz nach einem Jahr im Überblick
Von den über 300 eingereichten ProCent-Förderanträgen interessierter und engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konnten bereits 117 in einem Förderumfang von 745.000 € genehmigt werden.

Unter Berücksichtigung der ProCent-Förderschwerpunkte gliedern sich die 117 bereits genehmigten
Projekte wie folgt auf:

Regionale Projekte
21 Aktivitäten in der Behindertenhilfe
25 karitative Projekte
56 Projekte der Kinder- und Jugendhilfe sowie
1 Engagement im Tierschutz

Überregionale/Internationale Projekte
Im Bereich des überregionalen und internationalen Engagements wurden hauptsächlich Projekte der Kinder- und Jugendhilfe unterstützt:

Europa
3 Projekte in Rumänien und überregional in Deutschland

Asien
4 Projekte in Nepal, Irak, Indien

Nord-und Südamerika
1 Projekt in Brasilien

Afrika
6 Projekte in Südafrika, Tansania, Ghana, Uganda, Kenia und Sierra Leone


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