Fahren mit Biogas aus Marktabfällen

Als Ingenieur in der Motoren-Entwicklungsabteilung  beschäftige ich mich beruflich schon lange mit Erdgasfahrzeugen. Beim Kunden in Deutschland führt die Technologie, Autos mit komprimiertem Erdgas zu betreiben, aktuell leider noch ein Nischendasein. Dies resultiert vor allem aus einem kleineren Tankstellennetzes im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen. Dabei fährt man mit Erdgas günstiger und umweltbewusster als mit Benzin oder Diesel.

Wenn man in die Zukunft schaut, dann wird aber auch klar, dass Erdgas genauso wie Erdöl als fossiler Brennstoff nicht ewig verfügbar sein wird. Es macht Sinn, schon heute nach Alternativen zu suchen, die Treibstoff aus Abfall und darüber hinaus CO₂-neutral, d.h. regenerativ gewinnen lässt: Das Zauberwort heißt Biogas. (oder; Der Treibstoff der Zukunft heißt Biogas)

Mercedes-Benz B200 NG BlueEFFICIENCY

Deshalb beteiligt sich Daimler indirekt als Treibstoffabnehmer mit Erdgasfahrzeugen an dem Verbundprojekt  „EtaMax“.  Worum geht es dabei? Die Bioabfälle des Stuttgarter Großmarktes sollen in Kraftstoff umgewandelt werden.

Faules Obst für den Tank?

Eine Zahl dazu: Deutschlandweit landen jährlich rund 770.000 Tonnen nicht mehr verwertbare Bioabfälle aus der Lebensmittelindustrie in der Abfalltonne oder in Kompostierungsanlagen. Die darin enthaltene Energie geht meist ungenutzt verloren. Vom Apfel bis zur faulen Melone wandern die Bioabfälle des Stuttgarter Großmarktes ab sofort in die neue Biogasanlage in Stuttgart-Gaisburg. Durch Vergärung dieser entsteht dort Biogas, das anschließend aufbereitet als Kraftstoff für Autos genutzt werden kann.

Die Demonstrationsanlage des Projektes EtaMax wurde Ende letzten Jahres vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB gemeinsam mit den Partnern aus der Wirtschaft und dem Umweltministerium Baden-Württemberg auf dem Gelände des EnBW-Heizkraftwerks in Betrieb genommen.

Daimler wird im Zuge seiner Entwicklungsaktivitäten für neue Erdgasfahrzeuge ein Abnehmer des Biogases sein, das mit unterschiedlichen Qualitäten in der Nachreinigung zur Verfügung gestellt wird. Ebenso sollen Dauerlauffahrzeuge damit betankt werden, die dann praktisch nahezu CO₂-neutral betrieben werden. Aus diesem zunächst auf fünf Jahre angelegten Versuch lassen sich für Daimler viele Erkenntnisse über regenerative Kraftstoffe und die Entwicklung neuer, gasgetriebener Fahrzeuge ziehen.

Mit Biogas sogar noch weniger CO2 als mit Erdgas

Wir finden über den Testbetrieb heraus, welche Begleitstoffe im Biogas stecken und wie ein Motor optimal konstruiert und eingestellt werden muss, um einen problemlosen Betrieb zu ermöglichen. Wir sammeln damit direkt vor unserer Haustür Erfahrungen für Märkte wie zum Beispiel die Schweiz und Schweden wo heute bereits an den Tankstellen, mit steigender Verbreitung, reines Biogas oder in Mischung mit Erdgas angeboten wird. Im Erdgasbetrieb verbraucht zum Beispiel der Mercedes-Benz B 200 Natural Gas Drive lediglich 4,2kg/100 km – das entspricht einer CO₂-Emission von 115g pro Kilometer. Damit liegen die Emissionen um rund 16 Prozent unter den Werten des leistungsgleichen B 200 BlueEFFICIENCY mit Benzinantrieb. Wenn wir zum Beispiel das Fahrzeug mit nachhaltig erzeugtem Biogas aus der EtaMax-Anlage betanken, können die Emissionswerte sogar noch um mehr als 80 Prozent gesenkt werden.

Mercedes-Benz B200 NG BlueEFFICIENCY Querschnitt

Schwäbischer Tüftlergeist

Wenn man jetzt mal die „Moral-Diskussion“ beiseitelässt, warum es denn überhaupt so viele Bioabfälle gibt (das Problem kann ich als Daimler Ingenieur nicht lösen), dann finde ich, dass die EtaMax-Anlage wiedermal ein gutes Beispiel für den „schwäbischen Tüftlergeist“ ist. Die Entwicklung von alternativen Antriebskonzepten und den Versuch nach alternativen Kraftstoffen zu suchen und zu kombinieren, lohnt jedenfalls immer (mehr)! Übrigends: Die B-Klasse 200 Natural Gas Drive wurde in der Kategorie Kompakt-Vans als Sieger mit dem Auto Test Öko Label ausgezeichnet.


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