„Record Run“: Die neuen Busse im Stresstest

Der Record Run 2012 ist gestartet! Was 2011 mit einer eindrucksvollen Vergleichsfahrt begann (hier wurden die Lkw Actros Euro V und Actros Euro VI auf ihren Verbrauch verglichen) soll in diesem Jahr mit den Bussen von Mercedes-Benz und Setra fortgeführt werden. So wurden am Montag drei Mercedes-Benz Citaro Stadtlinienbusse sowie zwei Setra Comfort Class Reisebusse auf eine Verbrauchsfahrt geschickt, welche noch bis Freitag andauern wird.

Ziel ist es, auch hier zu demonstrieren, dass sich Euro VI  gegenüber Euro V lohnt. Nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch, um die Kosteneffizienz aufzuzeigen. Im Vergleich zu Euro V Bussen ist die neue Technologie in der Anschaffung teurer, amortisiert sich allerdings im Lebenszyklus des Busses recht schnell und ist somit auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht für den Unternehmer von Vorteil.

Anspannung bis zum Start

Dass der Record Run ernst genommen wird und kein bloßer „Marketing-Gag“ ist, zeigt sich nicht nur in der strukturierten Organisation, sondern auch in der Anspannung und peniblen Ausführung aller einzelnen Arbeitsschritte. Alle Verbrauchswerte, Kilometerstände, Tankvorgänge, etc. werden ständig kontrolliert und zudem werden die Busse jederzeit durch FleetBoard (Telematikdienstleister zur Übermittlung der Fahrzeugparameter) überwacht und aufgezeichnet. Auch der Ablauf beim Fahrerwechsel erinnert an den Felix Baumgartner Sprung: es wird bei jedem Fahrerwechsel (alle zwei Stunden) eine Checkliste abgearbeitet und die Arbeitsschritte werden akribisch ausgeführt. Alle Prozesse sind exakt abgestimmt und folgen einem vorab lange geplantem Ablauf. Auch die Anspannung der ganzen Crew ist deutlich anzumerken und hier und da zeigt sich auch ein wenig Nervosität, die nach dem erfolgreichen Start jedoch deutlich abfällt.

Ebenfalls wird der Record Run von Sachverständigen der Prüforganisation „DEKRA“ begleitet, die alle Vorgänge überwachen und somit als neutrale Kontrolle tätig sind. Durch die DEKRA werden bei jedem Tankvorgang die Verplombungen der Tanks gelöst, Füllstände überprüft und danach wieder verplombt und alles dokumentiert.

Die Strecken

Wichtig für den Record Run ist, dass die Busse unter Alltagsbedingungen getestet werden. Sicherlich kann man auch den Verbrauch am Computer simulieren, doch die Praxis ist eben genauer und liefert tatsächliche und messbare Werte. So wurden für die Verbrauchsfahrt typische Strecken ausgewählt, die stellvertretend für den Linien- und Reiseverkehr stehen.

In Wiesbaden wurde die Stadtlinie 17 gewählt, welche rund 19km lang ist und auf der Strecke Höhenunterschiede von über 120 Metern aufweist. Die Strecke zeichnet sich zudem durch einen guten Mix aus Stadtaußen- und Stadtinnenbereich, sowie dichte Haltestellenabstände aus. Sie ist sehr anspruchsvoll und deshalb für den Testlauf gut geeignet.

Für die Reisebusse hat man eine typische Reiseroute gewählt, die tagsüber von Leipzig über Erfurt, Dresden, Bauzen, Dresden und Döbel wieder zurück nach Leipzig führt und nachts von Leipzig über Hamburg und wieder zurück. Die Strecken haben einen Anteil von etwa 90% Autobahnfahrt und 10% Überlandfahrt.

Insgesamt sind die Busse fünf Tage und Nächte unterwegs und legen dabei innerhalb 24 Stunden 1.800km (Reisebusse) und 200km (Linienbusse) zurück. Der lange Zeitraum ist notwendig, weil man repräsentative Werte erhalten und Störeinflüsse durch Tagesbaustellen oder Stoßverkehr ausschließen möchte. Auch in diesem Punkt zeigen sich erneut die Ernsthaftigkeit und der mit dem Projekt verbundene Ehrgeiz. Nicht zuletzt stecken hinter solchen Projekten viele Menschen, die zum Gelingen beitragen. So sind beispielsweise 10 Teams mit insgesamt 20 Busfahrern unterwegs, die alle einen stramm getakteten Plan abarbeiten.

Aerodynamik

Verbrauchswerte optimieren. Um diesen Punkt dreht es sich beim Record Run, doch was dahinter steckt ist eine langjährige Entwicklung und Optimierung der Fahrzeuge. So kommen in der neuen Generation nicht nur verbrauchsoptimierte Motoren zum Einsatz, sondern auch an der Karosserie wurde im Windkanal eine ganze Menge optimiert. „Der Bus hat einen besseren Cw-Wert als ein Porsche“ hörte ich hier und da. So wurden durch größere Radien im Frontbereich und bei der Scheibe die Strömungen deutlich optimiert und auch die Außenspiegel bekamen eine aerodynamischere Form. Im unteren Video zeigte mir Martin Zeilinger (Leiter Versuch Antriebstechnik) die Neuerungen direkt an der neuen Setra ComfortClass 500.

Fazit

Das Team und die Beobachter zeigte sich bereits nach den ersten zwei Tagen sehr zufrieden. Die Fahrzeuge laufen stabil und auch die Verbrauchswerte entsprechen aktuell den Erwartungen. Man ist zuversichtlich, dass man die Einsparungen von bis zu 6% erreichen wird und den Record Run auch in diesem Jahr erfolgreich abschließen wird und dadurch die Stärke der Euro VI Fahrzeuge demonstrieren kann.

Wir vom Daimler-Blog wünschen den „Rekordlern“ noch viel Erfolg in den kommenden Tagen und melden uns nach dem Zieleinlauf der Busse wieder mit den endgültigen Ergebnissen!


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