Projekt „Neckar-Junior-Ranger“: Wissen zum Anfassen

Wissen zum Anfassen…

…und zwar in der freien Natur? Das erleben Kinder heutzutage leider nicht mehr so oft wie frühere Generationen. In einer Zeit, in der Kinder nahezu mehr Handyklingeltöne als Tiergeräusche kennen, ist das doch irgendwie bedenklich – Oder? Um Kindern die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur wieder näher zu bringen, wurde das Projekt „Neckar-Junior-Ranger“ von der Stiftung NatureLife-International ins Leben gerufen.

Um das „Wissen zum Anfassen“ zu gewährleisten, geht es bei dem Projekt nicht um theoretischen Frontalunterricht, sondern vielmehr um das selbständige Erleben, Lernen und Ausprobieren – natürlich alles in der Natur. Auch Daimler-Kollegen konnten ihre Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren bis Mitte Juli anmelden.
Da Daimler dieses Projekt zum zweiten Mal unterstützte und die interne Betreuung es Projekts in meiner Abteilung erfolgte, ergab es sich, dass ich diejenige war, die sich Anfang August in Richtung Horb am Neckar aufmachte.

Ein nachhaltiges Projekt vor toller Kulisse

Je weiter ich mich von Stuttgart entfernte, desto grüner wurde es. Als ich mich schließlich auf einer feldwegartigen Straße wieder fand, keimte in mir unweigerlich der Gedanke an Urlaub auf. Zu schön war die Gegend die mich erwartete: Grüne Wiesen, weite Felder, hier und da ein Häuschen und strahlender Sonnenschein. Als ich an der Weitinger Mühle in Eutingen im Gäu ankam, schien es so, als sei ich wirklich im Urlaub angekommen. Das Vereinsheim des Angel- und Naturschutzvereins Weitingen (ANV) bot eine riesige Spielwiese, einen eigenen Steg zum Neckar, Bienenhotels und mehrere Greifvogelvoliéren. Eva Grubmiller, die Kursleiterin von NatureLife-International, begrüßte mich und erklärte mir kurz den Ablauf der kommenden vier Tage.

Kreatives Kennenlernen, Pflanzenkunde und Fischtreppe

Kurze Zeit später kamen auch schon die ersten Kinder – voll bepackt mit Gummistiefeln, Badesachen, Keschern und Ferngläsern. Als wir mit 24 Kindern, davon fünf Mädchen, komplett waren, machten wir ein lustiges Kennenlernspiel. Dabei musste sich jeder ein Adjektiv ausdenken, das den gleichen Anfangsbuchstaben hat, wie der entsprechende Vorname. So lernte ich, die schlaue Steffi, unter anderem den kreativen Kai, den mutigen Moritz, die kichernde Kim und den dreimeterspringenden Dennis kennen.

Anschließend lernten die Kinder etwas über die heimischen Pflanzen am Neckar und wir machten eine kleine Wanderung durch ein von Brennnesseln gesäumtes Dickicht. Um das Brennen zu lindern, suchten die Kinder nach einer Pflanze namens „Spitzwegerich“: Etwas in den Fingern zermalmt und auf die brennende Stelle aufgetragen, merkte man kaum noch etwas von den Brennnesseln. Unsere Wanderung endete an einer künstlich angelegten Fischtreppe, die es den Fischen ermöglicht, trotz Stauwehr ihre Laichplätze zu erreichen. Dabei kamen bei den Kindern viele Fragen auf, die die Kursleiterin Eva aber alle beantworten konnte. Zum Abschluss dieses ersten Tages durften wir bei der Fütterung des Bartkauz „Franzl“ dabei sein.

Ambitionierte Wasserforscher

Mit einer kleinen Einführung in die Wasserwelt begann der zweite Tag des Kurses und die Kinder lernten etwas über den Verlauf des Neckars, dessen Länge und Bewohner. Damit die Kinder den Neckar selbst mit all seinen Facetten erkunden konnten, machten wir uns mit Gummistiefeln und Keschern ausgerüstet, auf den Weg zum Neckar. Dort angekommen waren die Kinder kaum zu bremsen, denn es gab wahnsinnig viel zu entdecken. Es wurden Fische gefangen, Steine gesammelt und Dämme gebaut. Höchst wissenschaftlich ging es dann bei den Wasserexperimenten zu. Die Kinder durften mithilfe eines kleinen Wasserlabors den pH- und Nitrat-Wert des Neckars untersuchen. Davon war eines der Kinder so begeistert, dass es völlig überzeugt zu mir sagte „Wenn ich mal groß bin, werde ich Wasserforscher!“.

Nachdem wir dann wieder zurück an der Mühle waren, besichtigten wir als letzte Aktion des Tages das nahegelegene Wasserkraftwerk und das dazugehörige Stauwehr.

Badespaß und Urkundenvergabe

Der dritte Kurstag war fast gänzlich dem Badespaß gewidmet. Dieser wurde aber auch dazu genutzt, um den Kindern ein Gefühl für Wasserströmungen zu geben. Dazu machten sie ein Experiment mit einem Stock, den sie ins Wasser warfen und die Zeit stoppten, die er für eine Strecke von einem Meter benötigte. Am Nachmittag machten wir ein Spiel, das zum Ziel hatte, den Kindern die Zusammenhänge unseres Ökosystems zu veranschaulichen. Aber auch Spiele wie Verstecken oder Faules Ei kamen an diesem Tag nicht zu kurz.

Den Abschluss stellte am vierten Kurstag die Urkundenvergabe an die neuen Neckar-Junior-Ranger, sowie ein gemeinsames Grillen mit den Familien und anschließender Greifvogelflugschau dar. Bevor jedoch die Urkunden verteilt wurden, präsentierten die Kinder in einem kleinen Frage-Antwort-Spiel ihr erlerntes Wissen. Die Tatsache, dass sich sogar die örtliche Presse für das Geschehen interessierte, machte die Neckar-Junior-Ranger mächtig stolz.

Abschließend kann ich nur sagen, dass der Kurs auch für mich lehrreiche und tolle Tage in der freien Natur bedeutet hat, bei dem ich viele Kindheitserlebnisse wieder aufleben lassen konnte. Wie lange ist es denn beispielsweise her, seitdem Du auf Bäume geklettert, durch Brennnesseln gelaufen oder an der Blüte einer Taubnessel gesogen hast, um deren süßen Nektar zu probieren? Auf jeden Fall sollten Kinder nicht versäumen ihre Erfahrungen mit der Natur zu machen – der Neckar-Junior-Ranger-Kurs ist hierfür definitiv eine gute Möglichkeit.


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