Formel 1 bei AMG

Michael Schumacher und Nico Rosberg zu Besuch bei Mercedes-AMG in Affalterbach. Mittwoch, der 18. Juli 2012 – der Tag, an dem ich den siebenfachen Weltmeister Michael Schumacher und seinen Teamkollegen Nico Rosberg treffen würde, war gekommen.

Ich glaube jeder, der mir an diesem Tag über den Weg gelaufen ist, hat mich gefragt, ob ich schon aufgeregt bin. Und jeder hat dieselbe Antwort bekommen: „Nein, ich bin nicht aufgeregt.“ Zu diesem Zeitpunkt war ich das auch noch nicht.

Die Vorbereitungen für das Event liefen auf Hochtouren: Ich besorgte Arbeitshandschuhe für die Formel 1-Stars und legte sie auf den bereits bereitgestellten Montagewagen ab. Alles war also bestens vorbereitet. Meine Kollegen hielten mich zwischendurch immer auf dem neuesten Stand, wann Schumacher und Rosberg bei uns eintreffen würden.

Und dann ging plötzlich alles ganz schnell: Auf einmal standen Journalisten neben mir und fragten mich, wo wir gleich stehen würden, damit sie die besten Bilder machen könnten. Auch das Kamerateam stand schon am Eingang bereit, als ich die Nachricht erhielt: „Jens, in zwei Minuten sind sie da!“ Dann wünschte mir mein Abteilungsleiter Herr Kubiena noch viel Spaß, und schließlich ging es auch schon los!

Michael Schumacher und Nico Rosberg zu Besuch bei Mercedes-AMG in Affalterbach

Mein Puls? Wahrscheinlich kaum noch messbar. Aber um nicht zu nervös zu wirken, habe ich selber zu mir gesagt: „Die kochen auch nur mit Wasser“. Zuerst erschien Nico Rosberg in der Motorenmanufaktur. Gut gelaunt hob er seinen Arm und grüßte somit alle, die in der Manufaktur waren. Michael Schumacher folgte ihm cool mit einer Sonnenbrille in den Haaren. Ich musste daran denken, wie ich früher oft meinen Wecker gestellt hatte, um kein Rennen von diesem Mann zu verpassen.

AMG-Geschäftsführer Ola Källenius begrüßte die zwei Formel-1-Fahrer, und ich wartete am Montagewagen auf meinen Einsatz. Und dann war es auch für mich so weit: Herr Källenius kam mit den beiden auf mich zu. Nach einer Begrüßung erklärte ich den beiden Werksfahrern, was wir zusammen vorhatten. Und dann ging es zur Sache!

Wir versammelten uns vor dem Montagewagen und die Journalisten knipsten wie wild drauf los. Es war ein reines Blitzlichtgewitter! Beide zogen sich ihre Handschuhe an und ich erklärte ihnen, wie der Kolbeneinbau bei einem M 157 funktioniert. Interessiert und gespannt schauten beide zu, als ich den Kolben für den ersten Zylinder einbaute. Michael nahm den Kolben für den zweiten Zylinder und probierte, es so gut wie möglich nachzumachen. Mit anfänglichen Problemen und witzigen Sticheleien von Nico, wie: „Ist schon lange her, deine Ausbildung!“ klappte es dann wunderbar.

Nico Rosberg montierte dann den Zylinder 3 und man hatte den Eindruck, er hätte es nicht zum ersten Mal gemacht. Michael Schumacher war wieder dran mit Zylinder Nummer 4. Ich merkte ihm an, wie sein Schrauberherz höher schlug, auch wenn er zur Presse sagte: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es so schwierig war, einen Kolben einzuführen.“ Danach war er nicht mehr zu stoppen!

Während Nico Rosberg ohne große Probleme den nächsten Kolben einbaute, war Michael schon dabei, seinen letzten Kolben vorzubereiten. Die beiden Jungs waren so in die Montage vertieft, dass es für mich in diesem Augenblick nicht mehr viel zu tun gab. Als alle acht Kolben verbaut waren, drehten wir den Motor auf die andere Seite. Ein kurzer Blick mit geschultem Auge. Herr Källenius schaute über die Arbeit und lobte die beiden Formel-1-Piloten: „Das sieht schon mal perfekt aus.“

Während wir uns langsam aber sicher auf den Weg zur Zylinderkopfmontage machten, erkundigte sich Michael Schumacher bei mir nach den Voraussetzungen für die Arbeit als Motoren-Monteur bei AMG. Vielleicht will er ja irgendwann mal bei uns in der Motorenmanufaktur anfangen? Den Gesellenbrief zum Kfz-Mechaniker hat er ja.

An der Zylinderkopfmontage angekommen, zeigte ich beiden, worauf es bei diesem Arbeitsschritt ankommt. Dann ließ ich Nico Rosberg alleine den linken Kopf montieren – ohne Probleme. Vielleicht war er selber überrascht, dass das so einfach war? Danach montierte Michael Schumacher den rechten Zylinderkopf – wie bei Nico tadellos.

Er erzählte mir dabei auch, dass er früher in der Werkstatt für die Nockenwellen, Ventilsteuerung etc. zuständig war. Obwohl die Journalisten ein Interview mit ihm führen wollten, wartete er, bis der Ventildeckel unten war und er die Nockenwellen sehen konnte. Mich hat beeindruckt, dass er sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und seine Arbeit am Zylinderkopf zu Ende brachte. Nico Rosberg nahm sich solange Zeit, jedem Mechaniker ein Autogramm zu geben. Ein Gruppenfoto durfte natürlich nicht fehlen, mit anschließender „Silverstone-Welle“.

Zu guter Letzt kam das Highlight eines jeden AMG-Motors: Das Kleben der Plakette durch den Monteur. Mit einer Besonderheit: Dieses Mal waren es drei Monteure! Aus der AMG Philosophie „one man, one engine“ wurde für diesen Tag eine Ausnahme gemacht – nämlich: „one team, one engine“.

Zu diesem Anlass war bereits Tage zuvor eine Plakette angefertigt worden, auf der Michael Schumacher und Nico Rosberg gemeinsam mit mir unterschrieben hatten. Darauf bin ich sehr stolz! Als wir die Plakette zu dritt in der Hand hielten und Michael Schumacher seinen Arm um mich legte, fing das Blitzlichtgewitter der Journalisten von neuem an.

Das Leitungsteam und wir Monteure der Mercedes-AMG GmbH verabschiedeten danach mit lautem Jubel und Klatschen unsere zwei Werksfahrer und wünschten ihnen alles Gute für die nächsten Rennen. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei meinem Meister Herrn Moritz und dem AMG Presseteam bedanken, die mir dieses einmalige Erlebnis ermöglicht haben.


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