Ramadan – Eine besondere Zeit

Im Daimler Konzern arbeiten Menschen aus 140 Nationen. Für viele von ihnen, die dem islamischen Glauben angehören beginnt heute, am 20.Juli eine besondere Zeit: der Fastenmonat Ramadan.

In meiner Funktion als Leiter des ersten und größten Mitarbeiternetzwerkes in Deutschland, dem Daimler Türk-Treff und meiner Tätigkeit im Global Diversity Office werde ich sehr häufig zu interkulturellen Themen angesprochen. Deshalb versuche ich dieses Thema hier unter seinen kulturellen Aspekten objektiv und ohne Wertung zu beleuchten.

Der Fastenmonat im Islam

Das Fasten (arab. Saum/ Siyam) im Ramadan ist eines der wichtigsten Gebote des islamischen Glaubens und gehört, wie das Glaubensbekenntnis (Schahada), die fünf täglichen Gebete (Salah), die Almosensteuer (Zakatu-i-Fitr) und die Pilgerfahrt nach Mekka (Hac), zu den fünf Säulen des Islam. Der Ramadan dauert 30 Tage und endet in diesem Jahr mit dem Sonnenuntergang am 18.August.
Der Ramadan ist der neunte Monat des arabischen Mondkalenders. Weil das Mondjahr ca. elf Tage kürzer ist als das Sonnenjahr, verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um diese Anzahl von Tagen. Im letzten Jahr begann der Fastenmonat am 01. August und dauerte bis 29.August.

In diesem Jahr fällt der Fastenmonat komplett in die Ferienzeit in Baden-Württemberg. Unsere Führungskräfte sind, nicht zuletzt durch die Unterstützung des Betriebsrates entsprechend sensibilisiert, weil die gesamte Zeit der Frühschicht und der Großteil der Spätschicht unserer Produktionsstandorte in das Zeitfenster eines Fastentages fällt.

Denn Muslime fasten von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. In diesem Jahr darf über eine Zeitspanne von über 15,5 Stunden weder gegessen noch getrunken werden. Das Rauchen ist während dem Fasten ebenfalls untersagt. Vom Fasten befreit sind Kinder, Reisende, Kranke, Schwangere, Frauen während ihrer Menstruation und Schwerarbeiter (dieser darf selbst ermessen ob er fasten kann oder nicht). Versäumte Fastentage können im Laufe des Jahres nachgeholt werden. Ist dies aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, kann man für jeden nicht gefasteten Tag einen Bedürftigen für einen Tag mit Nahrungsmitteln versorgen oder ihm einen Spendenbetrag überlassen mit dem dieser einen Tag auskommen und sich versorgen kann.

Ethisch-moralische Grundsätze sind für Muslime während des Ramadans besonders zu beachten. Üble Nachrede, Verleumdung, Lüge, Beleidigungen und Streit sind im Ramadan tabu.

Ramadan – mehr als nur fasten…

Wenn wir das Wort „fasten“ hören, verbinden wir es meistens gleich mit weniger Essen. Durch das Fasten wird nicht nur ein Gebot Gottes eingehalten, das Fasten erfüllt auch eine reinigende Funktion: dem/ der Fastenden werden die Sünden vergeben. Fastende lernen gegen das eigene Ego anzukämpfen und für eine bestimmte Zeit auf ihre Bedürfnisse zu verzichten. Das Festhalten am Fastenvorsatz wird zu einer Herausforderung von Körper und Geist. In dieser Zeit des freiwilligen „Mangels“ ändern sich Wahrnehmung und Beobachtungsgabe. Was jemandem, der nicht fastet alltäglich vorkommt, wird während der Fastenzeit zu etwas Besonderem. Während der Fastenzeit ist es möglich einen andern Blickwinkel einzunehmen, Dinge zu beobachten, die in  unserem hektischen Alltag sonst oft vergessen werden. Damit ist auch ein sozialer Aspekt verbunden: wer selber spürt, was es bedeutet Hunger zu haben und nicht essen zu können, kann nachvollziehen, wie es armen Menschen geht, die Hungersnöten ausgesetzt sind. Dadurch steigt die Bereitschaft sich stärker für das Allgemeinwohl zu engagieren. Durch das Fasten soll ein Solidaritätsgefühl mit Bedürftigen entstehen. Am Ende des Monats Ramadan spendet deshalb jeder Fastende einen Teil seines Vermögens (arab. Zakatu-i-Fitr) an Bedürftige.

Das Ende der täglichen Fastenzeit ist immer mit dem traditionellen Fastenbrechen (Iftar) verbunden. Am Ende der 30- tägigen Fastenzeit steht das Ramadanfest (eid al-fitr) das von Vielen auch Zuckerfest genannt wird.

Religiöse Zeremonien können Dialog und Frieden fördern. Besonders schnell breitet sich deshalb die Tradition aus, dass politische Würdenträger mit einer Einladung zum Iftar (Abendessen im Ramadan) den Dialog und Begegnungen mit Muslimen fördern.
Angefangen hat diese Tradition in den USA. Bürgermeister, Gouverneure und Präsidenten laden Muslime zum gemeinsamen Abendessen ein. Dabei werden Vertreter des muslimischen Lebens, aber auch der Politik, Gesellschaft, Kirchen und jüdischen Gemeinden an gemeinsame Tische geladen. Auch in Europa und Deutschland entfaltet und bewährt sich die Iftar-Tradition  und trägt so zu einem friedlichen Zusammenleben von verschiedenen Kulturen und Religionsgemeinschaften bei. Denn die Fastenzeit kennen fast alle Religionsgemeinschaften.

So sind sich sehr viele Konfessionen kulturell viel näher, als es zunächst den Anschein hat. Das Wort Iftar steht für das Beenden des Fastentages. In christlichen Traditionen endeten Fastentage häufig am Morgen. Deswegen heißt im Englischen das Frühstück bis heute – Breakfast (Breaking of the Fast, das Brechen des Fastens)

Wundern Sie sich also nicht, wenn auch Sie demnächst überraschend und unerwartet zu einem Fastenbrechen (Iftar) eingeladen werden von Ihren Kolleginnen und Kollegen.


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