GASTBEITRAG: Kanada – Land der lebendigen Seen?

Seit 1998 unterstützt Daimler die Projektarbeit der internationalen Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF). Ein zentrales Anliegen des GNF ist es, das Engagement global tätiger Unternehmen für die Umwelt und die damit verbundene gesellschaftliche Verantwortung kontinuierlich zu steigern. Im Rahmen der Europäischen Business & Biodiversity Kampagne hat der GNF einen Biodiversitäts-Check für Unternehmen entwickelt. Daimler hat als eines der ersten deutschen Unternehmen diesen praxisorientierten Check am Beispiel des Werks Sindelfingen durchgeführt. Ein Ziel der Zusammenarbeit von Daimler und dem GNF ist es, Bedürfnisse der Menschen und den Schutz und die nachhaltigen Entwicklung unserer lebenswichtigen Ökosysteme in Einklang zu bringen.

Sauberes Wasser ist neben Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Biodiversität eines der zentralen Themen unserer Zeit. Die Zerstörung der Seen und Feuchtgebiete der Welt schreitet – leider oft unbemerkt von der Öffentlichkeit – immer schneller voran. Um unsere wertvollen Gewässer für uns Menschen aber auch als Lebensraum unzähliger Pflanzen- und Tierarten zu schützen, initiierte der Global Nature Fund im Jahr 1998 das internationale Seennetzwerk „Living Lakes – Lebendige Seen“. In den vergangenen Jahren hat das Modell immer weiter Schule gemacht und zur Gründung nationaler Netzwerke geführt. Nach Italien, China und Deutschland gibt es nun auch ein neues Living Lakes Netzwerk in Kanada.

Das Living Lakes Canada Network hatte mich als Vertreter des GNF zur ersten kanadischen Living Lakes Konferenz eingeladen, die am 22. Mai 2012, dem internationalen Tag der Biodiversität, in Winnipeg, Manitoba stattfand. Ziel der kanadischen Initiative ist es, eine effektive Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen Umweltorganisationen in Kanada und der ganzen Welt zu bieten. Besonders deutlich wird die Notwendigkeit auch in Kanada rasch tätig zu werden am Lake Winnipeg. Der zehngrößte See der Welt leidet unter und dem Klimawandel und dramatischem Algenwachstum, welches vor allem durch Phosphate ausgelöst wird.


Dass Seen in Kanada ähnlichen Problemen ausgesetzt sein können wie Gewässer im dicht besiedelten Europa war lange unvorstellbar. Zu weitläufig schien das mit fast 10 Millionen km2 zweitgrößte Land der Welt, in dem nicht einmal halb so viele Menschen wohnen wie in Deutschland. Aber Eutrophierung, Klimawandel und Verlust der Artenvielfalt wirken sich mittlerweile selbst hier immer deutlicher aus. Vor diesem Hintergrund setzt die Lake Winnipeg Foundation, Gründungmitglied von Living Lakes Kanada, auf den internationalen Austausch und die globale Zusammenarbeit. Dies ist auch dringend nötig, denn Kanada hat unter seinem konservativen Premierminister Harper sein „Umweltgewissen“ nahezu vollständig verloren. So wurde Kanada beispielsweise von der Umweltkampagne Avaaz in Klimafragen schon mehrfach zum „Fossil des Jahres“ erklärt. Einen Tag nach der Weltklimakonferenz in Durban im Dezember 2011 erklärte der kanadische Umweltminister Peter Kent sogar den Ausstieg Kanadas aus dem Kyoto-Protokoll zum Schutz des Klimas.

„Friendly Manitoba“ steht auf den Autokennzeichen in Manitoba. Ja, freundlich sind sie, die Kanadier. Und das Auto dominiert das tägliche Leben. Den Versuch, mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen, musste ich leider rasch aufgeben. Obwohl dies bereits vor über hundert Jahren hier möglich war. Im Bahnhof von Winnipeg stoße ich auf alte Fotos von 1911. Damals gab es eine Bahnlinie nach Grand Beach an den Ufern des Winnipeg-Sees und vor dem Bahnhof kann man Straßenbahnen sehen. Ich erfahre, dass die “Winnipeg Street Railway” die von 1882 bis 1894 eingesetzten Pferdewagen durch elektrische Straßenbahnen ersetzt hat und sich 1892 selbstbewusst zur Winnipeg Electric Railway umbenannt hat. Im Jahr 1955 wurde der Betrieb dann aber eingestellt und von den ambitionierten Ansätzen einer nachhaltigen Elektromobilität ist leider nichts übrig geblieben.

„Friendly Manitoba“. Freundlichkeit ist wichtig, reicht aber meines Erachtens für ein reiches Land dieser Größe nicht aus, das auch globale Verantwortung übernehmen sollte. Vielleicht steht ja in Zukunft „Responsible Manitoba“ auf den Kennzeichen der Fahrzeuge. Ob dies dann Elektrofahrzeuge sein werden bleibt etwas zu bezweifeln. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

Über den Autor

Udo Gattenlöhner ist Geschäftsführer des Global Nature Fund, einer weltweit tätigen, gemeinnützigen Umweltstiftung mit Büros am Bodensee, in Bonn und Berlin. Mehr zum Global Nature Fund und aktuellen Projekten unter www.globalnature.org. Weitere Informationen zum Biodiversitäts-Check, hier.


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