GASTBEITRAG: Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur nimmt Fahrt auf

Die Hannover Messe, eine der weltweit wichtigsten Technologiemessen, öffnete Ende April wieder ihre Pforten. Dieses Ereignis ließ ich mir nicht entgehen – zumal die Clean Energy Partnership (CEP), das europaweit größte Demonstrationsprojekt für Wasserstoffmobilität, diesmal erneut auf der Messe präsent war.

In der CEP haben sich mittlerweile 16 Industriepartner zusammengeschlossen, um Wasserstoff als Kraftstoff voran zu bringen. Daimler ist, zusammen mit weiteren Automobilherstellern, Technologie-, Mineralöl- und Energiekonzernen sowie zwei führenden Betrieben des Öffentlichen Nahverkehrs, als Gründungsmitglied seit 2002 mit dabei. Die CEP ist eine Public Private Partnership, also ein Zusammenschluss von Industrieunternehmen und der öffentlichen Hand, hier dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Als Arbeitsgruppenleiter innerhalb des Projektes kümmere ich mich in erster Linie mit um den Ausbau des Wasserstofftankstellennetzes und um die Produktion von Wasserstoff.

Wo könnte der Stand der CEP also besser angesiedelt sein als auf dem Gemeinschaftsstand Wasserstoff und Brennstoffzellen? Der, wie ich gehört habe, das 18. Jahr in Folge auf dem Messegelände zu finden ist und das „Who is Who“ der internationalen Wasserstoffindustrie vereint;  insgesamt 130 Aussteller aus 20 verschiedenen Ländern! Neugierig machte ich mich also auf den Weg, meine Kollegen vor Ort zu besuchen.

Nach der Ankunft auf dem riesigen Messegelände war die Halle 27 des Gemeinschaftsstandes schnell gefunden. Hier begrüßte mich leuchtendes Orange – auf dem Boden, auf den Wänden, auf den Hinweisschildern und an den Hälsen der Aussteller in Form von Schlüsselbändern, an denen die Ausstellerausweise angebracht waren. Nach einem kurzem Augenblick hatte ich auch verstanden, dass ich hier richtig war – der Gemeinschafts-„Stand“ Wasserstoff und Brennstoffzellen nahm fast die ganze Halle ein, und Orange war quasi die Identifikationsfarbe der Ausstellergemeinschaft. Nach einigen Schritten blitzte mir auch schon ein altbekanntes Silber entgegen – das war doch die B-Klasse F-CELL! Und tatsächlich, ich war an meinem Ziel angekommen. An dem Stand waren nicht nur die Kommunikationskolleginnen der CEP, sondern auch die Linde AG, ebenfalls Projektpartner der CEP, und die Kollegen von der NOW GmbH (Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie), die u.a. das Projekt CEP koordinieren. Sie sind wie wir in unserer Abteilung bei Vattenfall Innovation auch stolze Fahrer der B-Klasse F-CELL, die sie auch gleich mit zur Messe gebracht haben ;-)

Auf der Messe war ein ziemlich großer Besucherandrang, so dass ich mich gar nicht in Ruhe mit den Kollegen von Linde zum aktuellen Stand der Kooperation mit Daimler unterhalten konnte – beide Konzerne hatten kurz zuvor angekündigt , innerhalb der nächsten drei Jahre 20 zusätzliche Wasserstofftankstellen zu errichten. Auch wenn diese Zahl auf den ersten Blick nicht gigantisch erscheint: Die Größe der Investition wird deutlich wenn man bedenkt, dass es aktuell gerade einmal knapp 30 Wasserstofftankstellen in Deutschland gibt, von denen allerdings längst nicht alle öffentlich zugänglich sind.

Womit wir bei dem viel beschriebenen „Henne-Ei Problem“ angekommen sind, das wir in der CEP gemeinsam mit den unterschiedlichen Industriepartnern erfolgreich überwinden wollen.
Die Fahrzeugzahlen bestimmen die Anzahl der Tankstellen und die geplanten Tankstellen beeinflussen wiederum die Fahrzeugzahlen. Nur so geht es. Sobald ein Grundstock an Tankstellen geschaffen wurde, wird die Kommerzialisierung von Wasserstoff in Fahrzeugen und an Tankstellen nur noch eine Frage der Zeit sein. Private Initiativen wie H2Mobility unterstreichen die Richtung, in die es geht. Mehr Tankstellen, mehr Fahrzeuge!

Da ist es doch ein tolles Bild auf der Messe, wenn man die B-Klasse F-CELL gleich neben dem Linde Tankstellenmodell findet und die Unternehmen zusammen unter dem Dach von der NOW GmbH und dem Projekt CEP auf einem Messestand zu finden sind!

Doch genug der Fachsimpelei – neben einer Reihe von spannenden Gesprächen konnte man auf der Hannover Messe die Wasserstofftechnik auch live erleben. Dreimal täglich demonstrierte Linde an der mobilen Betankungsanlage, wie das Tanken mit Wasserstoff funktioniert. Der Vorgang unterscheidet sich nicht groß vom herkömmlichen Betankungsvorgang, der Zapfhahn sieht ähnlich aus. Allerdings strömt durch die Leitung keine Flüssigkeit, sondern gasförmiger Wasserstoff bei einem Druck von 350 oder, wie bei der B-Klasse F-CELL, bei 700 bar Druck. Doch inzwischen sind die technischen Standards soweit entwickelt, dass eine schnelle und sichere Betankung gewährleistet ist – auch ein wichtiges Ergebnis unserer Zusammenarbeit innerhalb der CEP-Arbeitsgruppe Infrastuktur, die sich u.a. um den Tankstellenaufbau und die Festlegung einheitlicher technischer Standards kümmert.

Zum Schluss ließ ich es mir nicht nehmen, noch einmal die Fahrzeugflotte der CEP, die aus Brennstoffzellenfahrzeugen unterschiedlicher Hersteller besteht, im Ride + Drive Bereich Probe zu fahren. Hier begegnete mir wieder leuchtendes Orange – in Form von Hütchen, die die Strecke absteckten. Es macht doch immer wieder Spaß zu erleben, wie leise und spritzig die Wasserstoff-Elektroautos unterwegs sind – und das bei deutlich höherer Reichweite als bei rein batterieelektrischen Fahrzeugen. Da freut es mich zu hören, dass Daimler als erster Automobilhersteller bereits 2014 eine erste Serie von Brennstoffzellenfahrzeugen auf den Markt bringen wird, andere Hersteller werden 2015 folgen, dann wird hoffentlich auch das Tankstellennetz schnell wachsen.

Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist, dass wir uns auf das Zeitalter nach den fossilen Brennstoffen vorbereiten müssen. Treibhausgase müssen drastisch reduziert werden, um die Erderwärmung zu stoppen. Und gleichzeitig wollen wir die Mobilität erhalten. Wasserstoff als Kraftstoff schafft eine sinnvolle Alternative zum Erdöl – auch dadurch, dass er ein geeigneter Speicher für regenerative Energie, die z.B. durch Windkraft erzeugt wird, ist. Fahren mit Wind im Tank – eine tolle Vision, die heute schon an den Berliner CEP-Wasserstofftankstellen, die mit emissionsfreiem „Windwasserstoff“ beliefert werden, Realität ist. Doch die Einführung einer neuen Technologie erfordert Kraftanstrengungen von vielen Seiten. Noch bis 2016 stellen wir uns in der CEP diesen Herausforderungen und arbeiten gemeinsam daran, dass die Wasserstoffgesellschaft Realität wird. Und es deutet alles darauf hin, dass wir auf einem guten Wege sind!

Über den Autor

Daniel Hustadt ist Projektleiter bei der Vattenfall Europe Innovation GmbH & CEP Arbeitsgruppenleiter Infrastruktur & Produktion


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