Eine musikalische Reise zum Jubiläum

Resümee zum Eröffnungskonzert der 80. Ludwigsburger Schlossfestspiele

Ob Improvisation wirklich alles ist, mag im Auge des Betrachters liegen. Aber manchmal bleibt einem nicht viel anderes übrig, wie Thomas Wördehoff, Intendant der 80.  Ludwigsburger Schlossfestspiele, vergangene Woche im Vorfeld des Konzertes feststellen musste. Denn Stéphane Hessel, Schriftsteller, Diplomat und Lyriker, der die Eröffnungsrede halten sollte, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Ort sein. Was sollte man tun? Die Lösung zeigte sich auf der Leinwand, die im Saal herabgelassen wurde. Denn kurzerhand besuchten die Organisatoren Hessel in seiner Pariser Wohnung und nahmen sein Grußwort auf Kamera auf. Es ging um Hoffnung und Visionen; um Empörung und der Unabdingbarkeit von Fantasie für zukünftige Entwicklungen. Begriffe, die sich eng in das Programm des Eröffnungskonzertes der Ludwigsburger Schlossfestspiele schmiegten. „Die Hoffnung steht vor uns.“, so der 94jährige, der versprach, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Optimistische Worte, die nicht nur beeindruckten, sondern einen großartigen Abend versprachen.Bereits seit 1983 ist Daimler Hauptsponsor der Schlossfestspiele. Traditionell sponsert der Konzern ausgewählte Veranstaltungen und Konzerte in deren Rahmen und kooperiert zudem mit vielen namenhaften Künstlern und anderen Festespielen, um den Kulturstandort Baden-Württemberg auch 2012 über seine Grenzen hinaus zu repräsentieren. Damit unterstreicht das Unternehmen, dass die Förderung von Kultur und Kunst ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur darstellt. Neben dem Kultursponsoring begründete Daimler seit 1977 auch die Daimler Kunst-Sammlung, die aktuell rund 1800 Arbeiten von 600 Künstlern umfasst.

Doch statt Autos und Fragen der Mobilität beherrschten an diesem Abend die orchestralen Klänge des Ludwigsburger Festspielorchesters den Raum. Nach einem leichten Auftakt zweier Gymnopédies von Claude Debussy löste sich der Spielplan von den scharfen Grenzen klassischer Musik und öffnete sich mit den Jazztrio Ron Miles (Trompete), Dieter Ilg (Bass) und Patrice Héral (Drums) zugunsten jazzspezifischer Elemente, die symbiotisch mit den Mitgliedern des Orchesters die bekannte Gil Evans Bearbeitung des Adagios aus dem „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigio aufführten. Damit wurde der Maßstab weit oben angesetzt, denn die Platte „Sketch of Spain“ war das Ergebnis der langjährigen Zusammenarbeit des Trompetengenies Miles Davis und seinem Arrangeur Gil Evans. Ein weltweit bekanntes Stück, an dem sich die Aufführung messen lassen musste. An Miles Davis kam Ron Miles zwar nicht heran, doch der gewagte Spagat gelang. Die vereinzelten Trioausflüge schafften zudem Abwechslung und unterstrichen das Können der Musiker.

Was folgte, war Hector Berlioz´ „Symphonie fantastique“. Ein hoch anspruchvolles Werk, mit dem Berlioz, ganz unter dem Einfluss des Schaffens Beethovens, im Jahre 1830 die Idee der Sinfonie neu deutete, indem er die Gedanken und das Schaffen des Künstlers in den Mittelpunkt setzt und mit seiner modernen Komposition „kein Werk der Vergangenheit“ schuf, wie es die Webseite der Schlossfestspiele verspricht. Durchaus ist die „Episode aus dem Leben eines Künstlers“ ein weltweit bekanntes Stück und stellt die Wirrungen des Komponisten dar, die ihn zwischen Hoffnungen, Schmerz, Verzweiflung und Visionen treiben lassen. Entsprechend ausufernd wählte dieser die Instrumente. Vier Harfen (in Ludwigsburg waren es aber nur zwei), zwei Glocken und vier Pauken neben einem großen Bläserensemble sollten die entfesselten Gedanken deutlich machen. Ob sich hier bewusst Anspielungen an die hoffnungsschwangere Metaphorik der Eröffnungsrede finden lassen, blieb der Meinung des Publikums überlassen. Möglich ist es.

Und so schloss sich euphorisch aufbrausend und musikalisch völlig überzeugend der Kreis der Eröffnungsfestspiele, die noch bis zum 15.09. 2012 mit einem kurzweiligen Programm die Besucher zu einer Reise „in das Unbekannte, zum Wiederfinden oder Aufspüren aufregender Geheimnisse“, so Wördehoff, einladen.


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