GASTBEITRAG: re:publica 2012: Konferenz mit Festivalcharakter

Was einst als „Klassentreffen“ von Bloggern, Internetaktivisten und Netzintellektuellen begann, ist mittlerweile zur größten Konferenz Deutschlands über Blogs, soziale Medien und digitale Gesellschaft herangewachsen. Vom 2. bis 4. Mai 2012, findet zum sechsten Mal in Folge die re:publica in ihrer Heimat Berlin statt. Die Konferenz wurde erstmals 2007 von der Agentur newthinking und Spreeblick ins Leben gerufen. Beide Unternehmen betreiben zwei der bekanntesten Blogs Deutschlands: netzpolitik.org und spreeblick.com.

Stets ausverkauft, erfreut sich re:publica wachsender Popularität. Während wir unter dem Motto „Leben im Netz“ mit 700 Teilnehmern starteten, erwarten wir in diesem Jahr an die 4000 Besucher und haben uns daher für eine neue, größere Location entschieden. Derzeit sind nur noch wenige Tickets im Vorverkauf erhältlich, so dass das Ziel erreicht werden dürfte. Auch die Vorfreude der Besucher motiviert. Ein Blick auf den Twitter-Hashtag #rp12 zeigt, dass ein Format wie die re:publica auch in Zeiten der digitalen Vernetzung kein Auslaufmodell ist.

Wie erklärt sich unser Erfolg?

Warum kommen mit jedem Veranstaltungsjahr mehr Besucher zur re:publica? Und, was uns besonders freut, zunehmend internationale Gäste?

Klar, vor ein paar Jahren waren Blogs, Netzpolitik oder soziale Netzwerke noch Randthemen. Jetzt sind diese Themen in der Mitte der Gesellschaft angekommen und die gesellschaftliche Relevanz ist nicht mit mehr wegzudenken.
Zudem scheint unser Konzept – die re:publica als eine Konferenz mit Festivalcharakter, die wir selber gerne besuchen würden – aufzugehen: Moderate Preise, keine Produktpräsentationen mit reinem PR-Charakter, ausreichend Raum für Gespräche und internationale Speaker, die uns über den Tellerrand blicken lassen.

Ort für Austausch und Inspiration

Dazu gehört der programmatische Ansatz, der sich auch im diesjährigen Motto widerspiegelt: „Act!on“ – zur Tat schreiten und Dinge auf den Kopf stellen. Wichtig ist uns, bisher Getrenntes zu verbinden und offene Diskussionen zu neuen Ideen und Lösungen zu ermöglichen.

Erst kürzlich veröffentlichte der Guardian eine Liste mit 20 „fighters for internet freedom“. Darunter zwei aktuelle Sprecher (Rick Falkvinge und Jacob Applebaum) und drei ehemalige (Peter Sunde, Lawrence Lessig und Jimbo Wales) der re:publica.

Nicht nur für mich war der Vortrag von Esra’a al Shafei 2009 eine der typischen Entdeckungen, die man auf der re:publica haben kann. Sie sprach über Digitalen Aktivismus im Nahen Osten, und ihr Mut im Kampf gegen Unterdrückung hinterließ bei mir Gänsehaut und eine Menge an Inspiration.

Natürlich sind wir uns auch unserer Grenzen bewusst.  Eine dreitägige Veranstaltung kann weder alle wichtigen Themen noch gesellschaftlichen Baustellen ansprechen. Wir bieten  jedoch eine Plattform, von der Impulse ausgehen können – ein Knotenpunkt in einem komplexen Netzwerk.

Wie passt jetzt Daimler in dieses Bild?

Für mich eine einfache Antwort: Inhaltlich ist Mobilität ein wichtiges Zukunftsthema, das auf die re:publica gehört. Und der Ansatz, dialogbereit und offen zu sein ist auch vorhanden. Wir freuen uns über Partner aus der Wirtschaft, die uns helfen, unsere programmatische Haltung zu unterstützen und weiterzutragen.

Ein anderes Beispiel soll das verdeutlichen: der .comdirect Finanzblog Award. Was uns an Blogs und sozialen Medien interessiert und begeistert, ist die Schaffung von neuen Öffentlichkeiten. Doch neben etablierten Blog-Themen wie Netzpolitik, Medien/Journalismus, Technik oder Musik gibt es Nachholbedarf im deutschsprachigen Raum, und das bei einem so wichtigen Thema wie Finanzen.

Zurück zu Daimler: Ich finde es spannend zu sehen und zu erfahren, wie Daimler die Veränderungen der Zeit anpackt. Vielleicht ist meine eigene Mobilitätsgeschichte ein Beispiel dafür: Aufgewachsen in „automobil“ fixierten Zeiten, mein Vater arbeitete bei einem Automobilzulieferer, in der Kleinstadt aufgewachsen brauchte ich natürlich mit 18 Jahren unbedingt ein Auto, seit über zehn Jahren autolos und überzeugter Radfahrer und ÖPNV-Nutzer.

car2go ist eine Variante der vernetzten Mobilität. Ich bin neugierig, was noch folgen wird. Umso schöner, dass diese Debatte jetzt auch auf der re:publica geführt wird (Mehr lesen).

Über den Autor

Dieser Beitrag wurde von Clemens Lerche geschrieben. Er ist Geschäftsführer der republica GmbH.


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