GASTBEITRAG: BharatBenz Trucks „Made in India“

Vergangene Woche am Flughafen München, es ist Montagabend 20 Uhr: Eine kleine Gruppe von nationalen und internationalen Journalisten treffen sich am Flughafen, um gemeinsam via Neu-Delhi zur Eröffnung des neuen Daimler LKW-Werks nach Oragadam-Chennai, in das ferne Indien zu fliegen.  Für viele – auch für mich – ist es die allererste Reise nach Indien.  Ein wenig müde kommen wir nach 14 Stunden Reisedauer am Zielflughafen an. Chennai – eine 4,7 Millionen Einwohner große Stadt im Bundesstaat Tamil Nadu im Südosten Indiens.

Waren es am Abend zuvor in München noch kalte 7 Grad, wurden wir jetzt mit knuffig warmen 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit  empfangen. Vor dem Flughafen wartete auf uns bereits eine kleine Flotte von weißen Hotel-Shuttle PKWs für den kurzen Transfer in das nahegelegene Radisson Blu. Für den späten Nachmittag stand der Besuch im Daimler India Commercial Vehicles Headquarter auf dem Programm. Pünktlich versammelten wir uns in der Lobby, um zusammen mit unseren Gastgebern, Uta Leitner und Simonette Illi, von der Nutzfahrzeug-Kommunikation in zwei Kleinbussen zum Headquarter zu fahren.

 

Unterwegs in Indien – Nichts für schwache Nerven!

Bereits auf der kurzen Fahrt vom Flughafen zum Hotel, hatte mich der indische Verkehr fasziniert. Gemessen an deutschen Maßstäben herrscht im indischen Straßenverkehr das totale Chaos. Auf den chronisch verstopften Straßen wuseln zwischen unzähligen PKWs, LKWs und  Bussen ständig Mofas/Roller/Motorräder und die unzähligen gelben dreirädrigen Autorikschas – auch TucTucs genannt – vorbei. Jede noch so kleinste Lücke wird ausgereizt, egal von welchem Verkehrsmittel. Teilweise Stoßstange an Stoßstange und Spiegel an Spiegel zwängen sich die Fahrzeuge, unter ständigem Einsatz der Hupe durch die Straßen von Chennai. Schnell werden so auf einer eigentlich zweispurigen Straße vier oder mehr Spuren eröffnet und zur Not fährt man halt auch mal auf der Seite für den Gegenverkehr. Ein Wunder das bei diesen Verhältnissen nicht mehr Unfälle passieren!

Freundlich und warmherzig wurden wir im DICV-Headquarter begrüßt. Obwohl es schon fast abends war, waren die Büros noch immer gut besetzt und die Mitarbeiter fleißig am Arbeiten – dieses kennt man aus Deutschland so nicht unbedingt. Zeit also, ein wenig mehr Fakten und Hintergründe über das neue Indien kennenzulernen. Ich für meinen Teil, wusste bis dato nicht wirklich viel über die wirtschaftlichen Fortschritte und Entwicklungen, die Indien in den letzten Jahren erfahren hat. Hier kam die Präsentation über die aktuelle Entwicklung in Indien, sowie zur Geschichte von Daimler India Commercial Vehicles und zur neuen Marke BharatBenz, also genau zum passenden Zeitpunkt. Mit so viel neuem Wissen versorgt, machte sich unsere kleine Journalistengruppe anschließend wieder auf den Rückweg zum Hotel.  Inzwischen ist die Sonne untergegangen und es wurde rasch dunkel. Hier wirkte der im Vergleich zur Hinfahrt nicht minder turbulente  Verkehr, mit seinen vielen Scheinwerferlichtern, irgendwie nochmals einen Hauch spektakulärer.  Zurück im Hotel, ging so dann ganz langsam ein langer Tag zu Ende. Entspannt plauderten wir beim Dinner im Garten des Hotels – und immer noch über 30 Grad Lufttemperatur – über  die Eindrücke und Erlebnisse des Tages.

Eine kurze Nacht…

Es ist kurz nach 4.30 Uhr, als das Telefon klingelt. Noch nicht wirklich wach denke ich mir, wer zum Teufel stört da mitten in der Nacht? Zugleich nehme ich den Hörer ab: „Good Morning Sir, this is your wake up call. Have a nice Day.“ Gedanklich wacher, fiel es mir wieder ein….wir alle sollten einen Wake Up Call aufs Zimmer bekommen um pünktlich um 5 Uhr abfahrbereit vom Hotel zu sein. Wo fährt man aber, zu so früher Stunde hin?
Des Rätsels Lösung ist einfach. Um einen Eindruck vom täglichen Leben, quasi dem alten Indien und der Arbeit der vielen Trucker Fahrer zu bekommen, sollte es  zum größten Obst- und Gemüsemarkt in Chennai gehen.  Der Koyambedu Wholesale Market Complex, gilt als einer der größten Märkte für Obst und Gemüse im asiatischen Raum. Mit einer gewissen Spannung auf das was mich und die Anderen gleich erwarten sollte, ging es auf eine kurze Fahrt durch Chennai. Wer hier allerdings dachte auf Grund der frühen Uhrzeit wäre noch nicht viel los, der hatte sich gehörig getäuscht.

Bereits lebhaft waren die Menschen in der Stadt auf den Beinen und mit jedem Meter, den wir näher an den Großmarkt kamen, desto quirliger wurde es. Mitten im Verkehrsstau, aus dutzenden LKWs, verließen wir unseren Bus. Ein Mitarbeiter von DICV stellte sich für unsere Journalistengruppe als Guide und Übersetzer zur Verfügung. Was im darauf folgenden meine Journalistenkollegen und ich auf dem Markt zu sehen bekamen und hautnah miterleben konnten, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Auf einer riesig großen Fläche, es heißt der Markt soll sich auf eine Fläche von fast 300 Hektar erstrecken,  teils mit fest gebauten Hallen und kleineren Geschäften oder einfach unter freiem Himmel, drängten sich dicht an dicht die Händler und Verkäufer mit ihren Waren. Mittendrin jede Menge umherlaufende Menschen, sowie fahrende Motorräder, TucTucs  und LKWs. Nicht zu vergessen, die heiligen indischen Kühe, auch sie tummelten sich an einigen Ecken auf dem Markt. Dazu die schwüle Wärme, sowie ein schwer definierbarer Geruch, der irgendwie eine Mischung aus frischen Obst und vergammeltem war. Einfach gesagt: Es war schlichtweg überwältigend! So etwas hatte ich bislang, noch nie im Leben irgendwo gesehen und erlebt.

Rundang durch den Markt

Wir starteten mit unserem Rundgang  durch einen kleinen Teil des Marktkomplexes und wurden dabei sogar ein wenig selbst zur Attraktion und zum Foto-Objekt. Westliche Menschen in einer größeren Gruppe und dazu noch mit Hightech-Kameras ausgestattet fallen halt schon auf. Immer wieder zückten die „Einheimischen“ ihre Fotohandys, um Bilder von uns zu machen. Wer will es ihnen auch verübeln, gleiches taten wir ja schließlich auch. In einer etwas ruhigeren Ecke des Marktes, beobachteten wir das Entladen eines typisch alten indischen LKW, welcher bis oben hin mit Bananen bepackt war. Einhellig waren meine Kollegen und ich der Meinung, dass die LKWs alle in einem nicht wirklich technisch fortschrittlichen Zustand sind. Alles wirkt irgendwie, als wäre die Zeit vor 50 Jahren stehen geblieben. So kamen wir untereinander dann auch schnell auf das Ergebnis, das Trucker-Fahrer in Indien wahrlich kein leichter Job sein muss. Dieses bestätigte uns wenig später im Gespräch dann auch ein Bananenlaster-Fahrer. Zudem  erfuhren wir von ihm, dass er täglich viele hundert Kilometer hinter dem Lenkrad verbringen muss, um die Ladung auf diesen Markt zu transportieren. Bei den durchweg schlechten Straßen und dem dichten Verkehr, wirklich kein Vergnügen.

Bleiben wir aber doch noch einen Moment bei dem Thema Trucks in Indien. Blickt man sich auf den Straßen rund um fällt einem eine klare Dominanz an Tata LKWs auf. Tata? Gab es da nicht mal einen Tata-Benz? Richtig! Der erste Tata Mercedes-Benz Diesel Truck für den indischen Markt, konnte im Jahr 1954 auf Grund einer Kooperation zwischen der damaligen Daimler-Benz AG und Tata Motors, präsentiert werden. Fast 60 Jahre später, kann Daimler  nun (ohne Partner Tata), mit der neuen LKW-Marke „BharatBenz“ – was übersetzt für Indien-Benz steht – diese Erfolgsgeschichte weiter schreiben.

Mehr über die feierliche Eröffnungszeremonie, sowie weitere Einblicke in das neue Produktionswerk in Oragadam-Chennai, hier.

Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Philipp Deppe geschrieben. Blogger beim Mercedes-Benz Passion Blog und anlässlich der Werkseröffnung in Oragadam-Chennai zu Gast auf der Journalistenreise nach Südindien.


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