Kennen Sie Minga?

Fahrsimulator in SindelfingenHeute sollte der Tag mit einem besonderen Event beginnen: Die Fahrt im neuen Fahrsimulator in Sindelfingen. Dieser Fahrsimulator ist der zurzeit modernste der Welt und wurde Ende 2010 feierlich eingeweiht. Da in ihm nicht nur Testfahrer, sondern auch Probanden quer durch alle Bevölkerungsschichten für Fahrzeugtests eingesetzt werden sollen, hatte ich heute die Chance, so eine Fahrt mitmachen zu können.

Ich betrete also das Gelände durch das Drehkreuz und gehe im Gebäude 64 in den ersten Stock. Dort werde ich von einem Mitarbeiter begrüßt und mit einem Kaffe verwöhnt. Als erstes muss ich einige Unterlagen ausfüllen, in denen meine persönlichen Daten wie Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht, Führerschein seit wann, jährlich gefahrene Kilometer, mit welchem Fahrzeug usw. aufgenommen werden. Außerdem muss ich noch eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben, denn in diesen Fahrzeugen werden Systeme getestet, die es so noch nicht auf dem Markt gibt.

Nachdem die Formalitäten erledigt sind, kann es los gehen. Wir betreten über eine Brücke, ähnlich der Fluggastbrücke im Luftverkehr, den Dom des Fahrsimulators, einen schwarzen runden Raum mit etwa 7,5 m Durchmesser, gefertigt aus carbonfaserverstärktem Kunststoff. Die S-Klasse, die mich erwartet, passt gerade noch in den Raum hinein. Ich setzt mich in das Fahrzeug und bekomme eine kurze Unterweisung, bevor sich die Tür im hinteren Teil schließt, die Brücke eingezogen wird und ich alleine im Fahrzeug und in dieser Kugel, die ringsherum mit Leinwänden bespannt ist, zurück bleibe. Ein unwirklicher Moment. Mein Begleiter geht in den Kontrollraum, hier bin ich  mit ihm über mehrere Kameras und Mikrofone verbunden.

Ein kurzer Check der Verbindung und ein leichter Ruck zeigt mir an, dass das System aktiviert worden ist, die Fahrt kann losgehen.

Fahrsimulator in SindelfingenIch startete den Wagen und befürchte im ersten Moment, ich könnte die Wand des Raumes rammen. Alle Geräusche und Vibrationen erscheinen echt. Ich verlasse die Parkbucht, in die mein Wagen steht. Als erstes geht es auf der Landstraße, durch grüne Wiesen und Alleen, rechts und links befinden sich Baumgruppen oder Wälder, dann und wann kommt mir ein Fahrzeug entgegen, aber insgesamt herrscht wenig Verkehr. Alles spricht für eine entspannte Fahrt an einem schönen Sommertag, Nachdem ich einige Dörfer passiert habe, komme ich in die erste Kleinstadt – Wilster. Als Norddeutsche kenne ich diese Stadt natürlich, so komme ich mir gleich ein bisschen wie in meiner Heimat vor. Vor einer Ampel muss ich kurz halten, dann geht die Fahrt weiter. Eine Baustelle erscheint und ich muss warten, um den Gegenverkehr vorbei zu lassen.

Auf der Autobahn bin ich dann etwas schneller unterwegs, doch die Ermahnung des Testleiters, sich an die angezeigten Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten, erlaubten auch hier keine Rennen. Vor mir taucht ein Reisebus auf. Da er langsamer ist als ich, werde ich ihn überholen. Plötzlich ein Hupen – oder habe ich mich geirrt? Ich schaue in den Seitenspiegel. Naja, vielleicht habe ich etwas wenig Abstand zum Bus gehalten. Nachdem ich ihn überholt habe, kann ich ihn im Rückspiegel sehen, wie er langsam in der Ferne verschwindet.

Zurück auf der Landstraße nähere ich mich einem Lkw auf etwas kurviger Strecke. Der Lkw-Fahrer blinkt und gibt mir dadurch ein Zeichen, dass ich überholen kann. Normalerweise verlasse ich mich lieber auf meine eigene Sicht, doch heute setzt ich den Blinker und schere aus.

Weit vorne kommt mir ein Fahrzeug entgegen, also trete ich das Gaspedal durch, „kickdown“ mal sehen, was das Fahrzeug her gibt. Es reich gut, aber der Fahrer des entgegen kommenden Fahrzeugs sieht das offensichtlich anders und betätigte die Lichthupe. Ich schaute in den Rückspiegel, der Lkw blinkt immer noch und der Pkw entfernt sich schnell.

Der vor mir fahrende Pkw ist verdächtig langsam. Da wir wieder kurz vor einer Stadt sind, verzichtet ich darauf, ihn zu überholen und bremste ab. Wir fahren nach Minga rein. Kurz hinter dem Ortsschild blinkt mein Vordermann und fährt auf einen Parkplatz, die zu einer Wohnsiedlung gehört.

Fahrsimulator in SindelfingenAn der nächsten Kurve nähert sich ein Fahrzeug von rechts. Mein Wagen bremst heftig ab. Mein Gott, damit habe ich jetzt aber nicht gerechnet. Zum Glück bleibt mein Fahrzeug in der Spur und ich kann problemlos anhalten. Da meldet sich eine Stimme aus dem Kontrollraum und fragte, ob es mir gut gehe – das finde ich sehr aufmerksam. Fast hätte ich vergessen, dass da ja noch jemand ist und mich beobachtet. Mir werden noch ein paar Fragen zur Fahrsituation gestellt, dann kann ich weiter fahren.

Minga ist eine größere Stadt, man sieht es an den Gebäuden und den breiten Straßen. Dann passiert das Unerwartete. Wie aus dem Nichts überquert ein Fußgänger die Straße. Mit Hilfe einer Vollbremsung bekomme ich den Wagen gerade noch zum Stehen. Wieder meldet sich der Kontrollraum und stellt mir ein paar Fragen bevor ich weiter fahren kann. Ich staune, wie realitätsnah die verschiedenen Situationen simuliert werden können. So eine Situation erlebt man dann doch lieber hier, als in der Realität.

Nachdem ich Minga verlassen habe, kommt nach ein paar hundert Metern die Anweisung, rechts einzuparken. Ich werde am Fahrzeug abgeholt und muss nun noch ein paar Fragen beantworten. Dann bin ich entlassen.

Gut, ich gebe es zu, um so viele Situationen zu erleben, muss man schon mehr als einmal im Fahrsimulator fahren, aber alle diese Situationen und sicher noch viel mehr kann man darin erleben.

Nun ist es aber auch Zeit, zur Arbeit zu gehen, schon halb neun, so spät bin ich selten dran. Auf dem Weg dahin geht mir die Situation mit dem Fußgänger noch mal durch den Kopf. Zum Glück saß ich nur im Fahrsimulator, aber die Situation war so realistisch, dass ich noch ein paar Tage darüber nachdenke. Im Büro fragt mein Kollege: Na Moni, hast Du verschlafen? Verschlafen – nein, aber sag mal, kennst Du Minga?

(Für alle, die Minga auch nicht kennen, das ist der bayrische Name für München)


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