GASTBEITRAG: Fab & Vivien Around the World

Ich war schon viel rumgekommen: Süd-und Nordamerika, Asien, mehrere Male Nordafrika. Nach jeder Reise waren es nicht die Denkmäler oder Landschaften die mir in Erinnerung blieben, sondern die Menschen die ich traf. Ihre Geschichten und ihre Schicksale hinterließen Spuren in meinem Gedächtnis, zeigten mir andere Realitäten.

Es waren diese Menschen von denen ich hinterher erzählte, die meine Tagebücher füllten. Dieses Mal würde ich wohl am meisten zu erzählen haben, die Unberechenbarkeit des afrikanischen Kontinents brachte mich in direkten Kontakt mit dem Wesentlichen, dem Kern dessen, was es bedeutet Mensch zu sein, dem Essentiellen, welches uns alle verbindet.

Fab & Vivien

Die Reise in die „Regenbogennation“

Meine letzte Reise lag schon etwas zurück und nach ein paar Jahren vor dem Bildschirm verspürte ich wieder ein großes Verlangen danach, die Welt in ihren vielfältigen Facetten zu spüren und zu erleben, neue Menschen kennenzulernen und ihre Geschichten zu sammeln.

Diesmal hatte ich Großes vor: Einmal um die Welt und das mit dem Anspruch, unterwegs etwas Sinnvolles zu tun. Inspiriert durch meine Arbeit als Programmierer bei betterplace.org, einem internetbasierten Spendenportal, kam mir die Idee:
Ich würde unterwegs kleine Hilfsprojekte besuchen und mit Hilfe der globalen Internet Community Spenden für diese Projekte sammeln. Die Grundidee war schon ganz gut, aber es fehlte noch das gewisse Etwas: Ich wollte das Spendensammeln mit meiner Leidenschaft, dem Musik machen, kombinieren und es gleichzeitig spannend halten.
Und so kam die verrückte Wette ins Spiel: Für jede gespendete 10 € würde ich eine Person finden müssen, die mit mir zusammen ein Lied singt. Schaffe ich das nicht, würde mich bei jedem Projekt eine fürchterliche Strafe erwarten. Sowohl die Strafe als auch das Lied dürften sich die Spender aussuchen.

Eigentlich wollte ich zuerst nach Asien fliegen. Wie durch Zufall traf ich jedoch eines Tages nach der Arbeit auf einen Spanier, der mir davon erzählte, wie er mit einem Auto von Spanien nach Gambia gefahren sei. “Das ist doch mal ein Abenteuer”, dachte ich mir und entschied mich spontan es ihm nachzutun und mit einem Auto von Berlin nach Südafrika zu fahren.

Das Kennenlernen mit „El Poderoso“

Was Autos anging, war ich ein unbeschriebenes Blatt. Alles, was ich unter einer Motorhaube identifizieren konnte, war der Motor. Auf gut Glück, ohne das geringste von Autos zu verstehen, besichtigte ich einen 23 Jahre alten Mercedes 300D in Spanien, Granada. Der schwerhörige Rentner und Ex-Mechaniker Manolo öffnete mir mit freiem Oberkörper die Tür und präsentierte stolz sein Eigentum: „Der fährt sanfter als die Haut eines Neugeborenen, den kannst du bis 1 Million Kilometer fahren“. Nachdem mir auch noch seine Frau und drei Enkelkinder versicherten, dass das Auto in einem guten Zustand war, griff ich zu und erwarb das erste Auto meines Lebens für nur 1000 €.

Los geht’s…

In Tarifa setzte ich mit der Fähre nach Marokko über und rollte dann zum ersten Mal auf afrikanischen Boden. In Tangier lernte ich Monir kennen, einen 27-Jährigen Marokkaner der für sich in seinem Land keine Perspektive sieht und sich nachts im Hafen in LKWs versteckt um nach Spanien zu flüchten. Da er gerade mal wieder von der spanischen Immigrationspolizei nach Marokko zurückgeschickt worden war, hatte ich die Chance ihn näher kennenzulernen; ein Videoportrait ist auf meiner Webseite zu finden. Monir stellte mir die Organisation Chabaka vor, die sich in Tangier für die Rechte von Flüchtlingen einsetzt und spontan sammelte ich zusammen mit Chabaka Spendengelder für Subsahara-Flüchtlinge. Mit 20 Marokkanern sang ich das Lied “Aisha” von Ched Kaleb auf Französisch und Arabisch. Diese Wette war gewonnen und ich entkam meiner Strafe, eine Nacht mit den Flüchtlingen in den umliegenden Wäldern von Tangier übernachten zu müssen.

Durch die West Sahara Wüste und Mauretanien ging es weiter nach Gambia. Überall wurde ich mit offenen Armen empfangen und lernte was wirkliche Gastfreundschaft ist. In Gambia lud mich Alhadgi ein bei ihm zu wohnen. Eine Szene mit ihm werde ich wohl für immer in Erinnerung behalten. Alhadgi, der selbst 8 Jahre in Deutschland verbracht hatte und froh war mit mir sein Deutsch üben zu können, stand vor seiner Tür, öffnete sie, machte eine einladende Geste und sagte: „Fabian, meine Türen sind auf ewig für dich geöffnet, du kannst so lange hier bleiben, wie du willst“. Ich erlaubte mir einen kleinen Spaß, blickte ihm ernsthaft in die Augen und fragte: „Ist es OK für dich, wenn ich dann noch 8 Monate bleibe?“. „Kein Problem“ erwiderte er und ich bin mir sicher, er meinte es völlig ernst.

In Gambia rief ich zum Spenden für Waisenkinder auf, um ihnen den Besuch einer Grundschule zu ermöglichen. 1110 € kamen zusammen, gewünscht wurde das Lied “Waka Waka” von Shakira und so musste ich 111 Menschen zum Mitsingen bewegen. Das Resultat lässt sich hier betrachten:

“El Poderoso” (spanisch für “der Kraftvolle”), so hatte ich meinen Mercedes inzwischen getauft, brachte mich souverän über Mali und Burkina Faso nach Ghana. Oft fuhr ich über Strassen, die diese Bezeichnung kaum verdient hatten, gespickt mit tiefen Schlaglöchern und Kuhkadavern musste El Poderoso einiges wegstecken. Grosse Steine schlugen Löcher in die Unterverkleidung meines Fahrzeugs und jedes Mal hatte ich etwas Angst, dass dieser Stein vielleicht etwas mehr zerstört hatte als nur seine Plastikhülle. Doch Poderoso fuhr weiter und weiter.

In Ho, einer kleinen Stadt in der Voltaregion in Ghana, fand ich tatsächlich 111 Schülerinnen an der OLA Senior High School, die sich dazu bereit erklärten mit mir zu singen. Sie fanden die Idee super für ihre Brüder und Schwestern in Gambia zu singen – auch diese Wette gewann ich und entkam knapp meiner Strafe: eine Woche als Clown in einem Kinderkrankenhaus zu arbeiten.

Die „kleinen“ Hürden in der fremden Welt

Nicht alles lief immer problemlos: In Ghana platze mir ein Reifen, ich wechselte ihn aus und erwarb einen neuen für nur 15 €. Während eines 7 Stunden Staus kurz vor Lagos in Nigeria lief mir nachts um 2 mein Kühlwasser aus. Ein Schlauch der Kühlwasser zum Radiator transportiert, hatte sich gelöst. Zwei Nigerianer halfen mir den rauchenden Poderoso an den Straßenrand zu schieben. Wir behoben das Problem mit Sekundenkleber. Leider hatten die beiden Helfer Geld gerochen, sabotierten mein Auto und taten dann so, als wäre es ein anderes Problem, das behoben werden müsse. Da nur sie wussten, was sie sabotiert hatten, war ich ihnen ausgeliefert und musste zahlen. In Kamerun waren die “Strassen” streckenweise so schlecht, dass mich ein 4×4 Jeep durch tiefe Schlammlöcher ziehen musste, aber außer der schlussendlich doch abgefallenen Plastikverkleidung, überstand Poderoso die Tortur unbeschadet.

Nach 13 Ländern und insgesamt 17.000 Kilometern bin ich nun in Gabun angekommen. Es fehlen noch 5 Länder bis nach Südafrika.

Was ich gelernt habe? Unabhängig davon, in welchem Kontext wir geboren worden sind oder welche Rolle wir in diesem Leben besetzen, ob deutscher Reisender oder nigerianischer Polizist, im Kern sind wir alle gleich, im Kern sind wir alle Menschen. Es ist dieser Kern der Menschlichkeit, den ich stets versuche vor Augen zu haben, in mir und meinem Gegenüber. Durch diese Mensch-zu-Mensch-Kommunikation wurden mir nicht nur Türen zu interessanten Personen und Erlebnissen geöffnet, auch konnte ich oft schwierige Situationen umgehen. So wie vorgestern: Ein grimmiger Gendarm winkte mich an den Straßenrand. Ich atmete tief durch, versuchte einfach nur Mensch zu sein und seine Rolle des grimmigen Gendarms nicht allzu ernst zu nehmen. Ich gab ihm die Hand, fragte, wie es ihm gehe und während er meine Papiere kontrollierte, erzählte ich ihm, wie ich mit meinem Auto von Deutschland nach Gabun gefahren bin. Erstaunt schaute er mich an. „Ehh! In dem Auto? Von Spanien nach Gabun?“. „Ja, es hat mich nie im Stich gelassen“. Er schüttelte mir die Hand, nannte mich einen mutigen Mann und wünschte mir viel Glück für meine weitere Reise.

“El Poderoso”, der Kraftvolle.
Danke Mercedes !

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