Zwei Gazellen erkunden die Wüste… – Navigationstraining Teil 2

Seit der Endausscheidung im Januar, bei der ich zusammen mit anderen Kolleginnen für die Rallye Aicha des Gazelles ausgewählt worden bin, kann ich es kaum erwarten. Ich will in die Wüste! Bald geht es los! Aber was soll ich noch erledigen? Wie kann ich mich vorbereiten? Ist das schwierig sich ohne GPS zu orientieren? Werde ich die Berge gut erkennen können? Und was, wenn nichts außer Sand zu sehen ist? Bekommen wir einen Sprinter aus dem Sand raus, wenn wir stecken bleiben? Wie funktioniert eine Seilwinde, wenn kein Baum in der Wüste wächst?

Am 15. Februar ist es so weit. Christina Ackermann, meine Pilotin, und ich als Navigatorin sollen nach Marokko in die Wüste. Dort sind wir eingeladen, unser Training zu absolvieren. Dieses Training dient dazu, fit für den Einsatz in der All-Rad-Kategorie zu werden. Es ist spannend. Zuerst nehmen wir in Casablanca am Navigationskurs teil. Dort lernen wir andere Gazellen aus Frankreich kennen, die genau so aufgeregt sind wie wir. Die Mehrheit startet zum ersten Mal, genau so wie ich. Aber ich habe auch Christina. Es ist ihre 2. Teilnahme und ich hoffe sehr, dass wir ihre Erfahrung nutzen können.

Am ersten Tag lernen wir Koordinaten rechnen, auf einer Karte zeichnen, mit dem Kompass peilen, Grade und Minuten zählen… alles, was die Rallye Aicha des Gazelles ausmacht! Denn: diese Rallye ist kein Rennen, bei dem es um Geschwindigkeit geht! Es gewinnt das Team, das am wenigsten Kilometer gefahren ist. Demzufolge ist die Navigation eine anspruchsvolle Aufgabe.

Am Abend geht es weiter mit dem Flugzeug nach Ouarzazate. Am nächsten Morgen fahren wir weitere 5 Stunden durch die Berge des großen Atlas-Gebirges. Die Landschaft ist atemberaubend und sehr ungewöhnlich für Europäer. Vor uns liegt ein einzigartiges Naturschauspiel. Auf der rechten Seite liegt ein Flussbett von grünen Palmen umrandet mit kleinen Dörfern aus Lehmhäusern und dahinter die goldene Wüste, wo nichts wächst. Auf der linken Seite stapeln sich Gesteinschichten bis über 4000m Höhe, die den Bergen interessante Formen geben. Oben drauf… Schnee! Viel Schnee! Nach 5 Stunden Landschaft und schlechten Straßen fängt unser Fahrtraining in Rissani erst richtig an!

Christina und ich haben 5 Tage lang zugehört, geprobt, gelernt, wieder geprobt und wieder gefahren und wieder gelernt. Es ist ganz einfach: wir saßen gefühlte 5 Tage ohne Unterbrechung im Auto. Leider war es kein Mercedes. Dies machte sich besonders bemerkbar, wenn man nur 4 Stunden pro Nacht schlafen kann. Trotz alldem sind wir nicht einmal im Sand stecken geblieben. Auch nicht als wir nachts durch ein Flussbett gefahren sind. Da sind manche Steine und Stufen bis 70cm hoch, die wir, ohne das Fahrzeug zu beschädigen, mit Stolz gemeistert haben.

Vor allem war es für mich wichtig, Christina kennenzulernen und mit ihr ein Team aufzubauen. Wir haben uns sofort gut verstanden. Am letzten Tag sind wir sogar eine Probe-Etappe gefahren. Es war wichtig zu erkennen, wie schwierig es ist zu navigieren, zu fahren und uns abzustimmen. Erst da habe ich gemerkt, dass es nach so wenig Schlaf und so viel Abenteuer sehr schwierig ist, sich zu konzentrieren. Wenn man die Route doch rechnen konnte, peilt man einen Punkt am Horizont, den die Fahrerin folgen kann: „Guck mal hier gerade aus! Siehst du dieses Dings-Bums. Da macht es so ein U und dann wieder ein W und da unten ist noch ein Fleck und genau da fahren wir hin!“ Spätestens bei dem Dings-Bums hatte ich sie verloren! Wenn dann Christina mein französisch-chinesisch-deutsch doch verstehen konnte, fuhr sie los: „Christina. Ich habe gerade aus gesagt! Siehst du das nicht!“„-Doch! Aber gerade aus zu fahren über Steine und Blöcke ist nicht so einfach! Oder soll ich am Baum mit den 5cm Stachel vorbei?“ Irgendwie haben wir uns doch sehr gut durchgeschlagen und es ist nicht ohne Stolz, dass wir diese Übung als Erste beendet haben… und eine Stunde zu früh! Bei der Rallye ist das eine wichtige Schlafstunde.

Außerdem haben wir mitten in der Wüste seit über einer Stunde keinen Mensch mehr gesehen und machten uns langsam Sorgen. Plötzlich entdeckten wir einen neuen Reifen! Da lag er in einem kleinem Bachausläufer: ein komplett neues Rad mit Originalfelge! Am Ende der Übung hat die Organisation das Rad sofort erkannt. Es ist das Ersatz-Rad unserer Konkurrentinnen! Es ist das Rad vom VW-Team, das mit dem Crafter fährt. Die Teams von VW waren nämlich einer Woche vorher da und haben das gleiche Training absolviert.

So ist die Aicha des Gazelles: eine Rallye, bei der Fairness und Integrität eine große Rolle spielen. Die Teams dürfen und sollen sich gegenseitig helfen, besonders wenn das Fahrzeug im Sand steckt. Nicht zu vergessen ist der gute Zweck der Rallye. Ein für mich rundum perfektes Event, an dem ich teilnehmen darf. Vor allem starte ich hinter einem Stern. Das Beste oder nichts!

Wie das Navigationstraining in Avignon verlief, kann hier gelesen werden.

Weitere Impressionen zur Rallye und die Doku, die im letzten Jahr für n24 gedreht wurde:
Rallye Aïcha des Gazelles sur N24 von Rallye-Aicha-des-Gazelles

Mehr über den Auswahltag und wie sich die Teams fanden, gibt es hier zu lesen.


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