Von zu Hause, nach zu Hause…

Eine Schwedin im Schwabenland: bislang habe ich all meine berufstätigen Jahre in Deutschland verbracht. Es waren fantastische und spannende Jahre, die jetzt erstmal zu Ende gehen. Mein damaliger Freund, heutiger Ehemann, und ich wollten Anfang des Millenniums ein paar Jahre im Ausland verbringen, um eine neue Sprache zu lernen und dabei viel Neues zu entdecken. The Mercedes Building, "Foto: http://www.flickr.com/photos/fohlin/3326779696/"Elf Jahre später kehren wir in unsere gemeinsame Heimat zurück, zusammen mit unserem „Bullerby-Kind“, das neben Schwedisch, auch Deutsch und Englisch spricht.

Deutsch lernt man übrigens nicht in ein paar Jahren. Mit all den Fällen, die nur teilweise klar definierten Regeln folgen (der, das, die, den, dem, des), unregelmäßigen Verben usw. ist es eine relativ schwierige Sprache. Dazu wird in Süddeutschland nicht nur Hochdeutsch gesprochen, sondern auch noch Dialekt. Damit hatte ich die ersten Jahre zu kämpfen, aber dank Sprachkursen, Kollegen mit viel Geduld und „on-the-job-training“ habe ich es, wenn ich so sagen darf, geschafft, Deutsch zu meiner zweiten Alltagssprache zu machen. Perfekt wird es nie werden, aber die Barrieren im Kopf zwischen Deutsch und Schwedisch sind weg. Ich arbeite, lebe und denke tagsüber „auf Deutsch“. Am Anfang gab es nur „gut“ oder „schlecht“, jetzt gibt es so viele Wörter, um zu beschreiben, was dazwischen und außerhalb davon liegt. Sogar deutschen Humor und Komödien verstehe ich seit einigen Jahren, was für mich DAS Zeichen von Sprachbewältigung ist.

Nach einigen Jahren, in denen ich die Automobilbranche kennengelernt und zu meiner Leidenschaft gemacht habe, sowie die deutsche Sprache einigermaßen verstanden und ein Leben hier aufgebaut habe, war ein Umzug nicht mehr so verlockend. Mein Lebensmittelpunkt ist hier und ich habe es genossen, erst als Trainee und danach als Strategin für die internationalen und nationalen Automobilmessen weltweit, die ich mit gestalten und auch besuchen durfte, verantwortlich zu sein. Danach folgten unterschiedliche Aufgaben in der Eventabteilung mit Fokus auf Strategien und Konzepten. Seit über einem Jahr beschäftige ich mich hauptsächlich mit der neuen A-Klasse, eine  unglaublich spannende Aufgabe. Ich genieße die Möglichkeit dabei zu sein, bei der Gestaltung von wo und wie man eine neue Zielgruppe ansprechen kann, denn auch wenn ich vielleicht etwas subjektiv bin: Es ist ein fantastisches Produkt!

Mercedes-Benz Building; "Foto: http//www.worldtravelimages.net"Mercedes-Benz Building; "Foto: http//www.worldtravelimages.net"

Jetzt gibt es aber eine Möglichkeit für Veränderung: weiterhin bei Daimler, aber über 1000 Kilometer weit weg von Stuttgart, in einem anderen Land. Ich werde von meiner Wahlheimat in meine alte Heimat Schweden umziehen. Ich freue mich auf die neue Herausforderung und weiß, dass ich die Erfahrungen die ich gemacht habe, auch zukünftig sehr gut einsetzen kann. Auch in Schweden wird fleißig an Aktivitäten für die neue A-Klasse gearbeitet, die ich weiterhin begleiten darf, lediglich von einer anderen Seite, d.h. das wo ich bis lang geplant habe, werde ich jetzt für ein Land anpassen und auch umsetzen dürfen.

Es ist zwar der gleiche Konzern, die gleiche E-Mailadresse und sogar der gleiche silberne Stern auf dem Dach des Firmensitzes, dazu genau in dem Land wo ich geboren bin und mehr als 2/3 meines Lebens verbracht habe, aber trotzdem ist es auch etwas ganz Neues, weil ich als Erwachsene dort nur ein paar Jahre verbrachte habe und z.B. eine Geschäftsmail auf Schwedisch bisher kaum geschrieben habe. Damals, als ich noch in Schweden gewohnt habe, ist der erste Harry Potter-Film in den Kinos gelaufen, „Lady Marmalade“ war überall zu hören und ich hatte noch einen VHS-Player zu Hause. Und jetzt weiß ich sogar nicht, ob es „blog“ oder „blogg“ heißt auf Schwedisch, denn Blogs gab es 2001 noch nicht so wirklich. Auch die Brücke zwischen Kopenhagen und meiner neuen Heimatregion Malmö hatte gerade geöffnet. Als wäre es gestern gewesen und trotzdem ist ein ganzes Leben dazwischen, zumindest ein Lebensabschnitt…

Trotz einer Dekade in Deutschland mag ich kein Bier und an Linsen mit Saiten habe ich mich rein optisch auch nicht gewöhnen können. Ich habe aber etwas gefunden, was viel mehr Wert ist: eine sehr enge und liebevolle Beziehung zu einem Land und dessen Kultur, einer Stadt und einer Firma, und vor allem zur Marke Mercedes-Benz. Dazu kommen viele gute Kollegen und Freunde – und das alles, ist einzigartig. Ich bin sehr dankbar für dieses Abenteuer, und vor allem, dass das Abenteuer weitergeht. Da ich Brezeln und den Stuttgarter Weihnachtsmarkt vollkommen liebe, freut es mich, dass ich zu meiner Wahlheimat nicht auf Wiedersehen sagen muss, sondern nur bis bald.

Über mich; Victoria Heindorff-Meuller, 36 Jahre, Schwedin, seit 11 Jahren Daimlermitarbeiterin am Standort Stuttgart-Möhringen. Neuer Job: Marketing Manager MBC bei Mercedes-Benz Schweden


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