Neue Gazellen für die Sahara

Auswahltage für die Rallye Aïcha des Gazelles? Ich? Wow, damit hatte ich gar nicht mehr gerechnet… In den darauf folgenden Wochen versuchte ich mich so gut wie möglich vorzubereiten: Wo ist eigentlich der Luftfilter beim Vito und beim Sprinter? Wie genau läuft die Rallye ab? Welche Tests mussten die Bewerberinnen in den letzten Jahren absolvieren? Dank Internet, den vielen Berichten aus den letzten Jahren und hilfsbereiten Kollegen fühlte ich mich recht gut informiert. Je näher die 2 Tage rückten, desto aufgeregter und nervöser wurde ich aber auch. Einerseits stellte ich mir vor, wie toll es wäre, ausgewählt zu werden, andererseits suchte ich nach Gründen, die gegen eine Teilnahme sprachen, um letztendlich einer zu großen Enttäuschung vorzubeugen.

Am 18. Januar 2012 ging es dann morgens früh mit einem Viano Marco Polo aus dem Fuhrpark los in Richtung Münsingen. In den Wochen zuvor hatten wir eifrig Fahrgemeinschaften organisiert. Eine nach der anderen eingesammelt, fuhren wir bei schönstem Sonnenschein eine Stunde nach Süden und es wurde zunehmend winterlicher. Dort angekommen zeigte unser Auto an, dass es draußen -9°C waren und es war alles weiß! Oh je, das wird aber ein kaltes Vergnügen… Zum Glück habe ich meine Skihose doch eingepackt, auch wenn in Stuttgart noch nichts davon zu ahnen war.

Angefangen mit einigen Worten zur Rallye und zum Sponsoring von Mercedes-Benz sowie einer Vorstellungsrunde verläuft der Vormittag erstmal noch ruhig. Nach dem Mittagessen geht es dann raus ins Gelände, raus in die warme Wintersonne, die die Temperaturen schon viel angenehmer gemacht hat. Ein Rad wechseln sollte eigentlich kein Problem sein, wenn es nicht schon wieder so lange her wäre, dass ich das das letzte Mal gemacht habe. Auch beim Rausholen eines festgefahrenen Sprinters hatten wir so unsere Schwierigkeiten bis wir mal in den Innenraum des Fahrzeugs schauten und da die einfachste aller Lösungen entdeckten: Schneeketten und den Allradknopf ;-) Die Metallbleche und Schaufeln hätten wir uns für die Wüste aufheben können. Absolut spannend fand ich es danach, blind über einen kleinen Parcours zu fahren und nur von meiner Beifahrerin dirigiert zu werden. Im ersten Moment denkt man, das funktioniert nie, aber man lernt erstaunlich gut fühlen, was das Auto gerade macht, wie das ETS arbeitet. Abends waren wir alle sichtlich erschöpft, aber der Nachmittag hatte auch sehr viel Spaß gemacht.

Am nächsten Morgen erwartete uns dann eine unerwartete Herausforderung: Joggen auf spiegelglatten Wegen, da über Nacht alles gefroren war. Die Übung, die eigentlich als Konditionstest gedacht war, gab nun eher Aufschluss über die Rutschfestigkeit unserer Schuhe und das Gleichgewichtsvermögen. Trotz des Ausrutschens einiger, waren wir am Ende aber froh, dass sich keiner verletzt hatte und alle heil wieder zurückgekommen sind. Nach dem Frühstück wartete dann die letzte Aufgabe auf uns. Wir sollten unsere Navigationskünste unter Beweis stellen und bei einem Orientierungslauf mehrere Checkpunkte finden. Natürlich gehörte es auch dazu, wie bei der Rallye den kürzesten Weg zu laufen. Das hieß dann auf gut Deutsch, quer durch den Wald, durch Geäst und mitten über den umgepflügten Acker. Entsprechend sahen dann auch unsere Hosen und Schuhe aus… Wir hatten aber jede Menge Spaß! Eindrücke dieser Tage sehen sie hier.

Danach kam der schlimmste Teil von allen: WARTEN!!! Die Zeit zog sich immer länger und länger. In einem waren wir uns schon da alle einig, unabhängig davon wer gleich ausgewählt werden würde, es waren zwei tolle Tage, die sich schon gelohnt hatten. Und für mich stand noch etwas anderes fest: wenn es dieses Jahr nicht klappt, dann probiere ich es nächstes Jahr eben noch mal. Die Rallye hatte mich so fasziniert, dass ich nicht aufgeben wollte, irgendwann mal dabei sein zu dürfen.

Die Verkündung: Was uns erwartete war zunächst mal eine dunkle, schwarze Halle, in der die 3 Rallyefahrzeuge schwarz verhüllt und abwechselnd leicht von hinten angestrahlt standen, sodass man nur deren Konturen erkennen konnte. Was dann kam, war das, was ich mir die ganze Zeit gewünscht, aber nie zu hoffen gewagt hatte. Die Vans wurden nacheinander enthüllt und auf dem zweiten Vito stand neben dem von Daniela Snyders mein Name auf der Windschutzscheibe geschrieben. Das Gefühl kann man gar nicht beschreiben. Mein Körper hat mich so unter Adrenalin gesetzt, dass ich das „Dauergrinsen“ für die nächsten Stunden nur schwerlich wieder loswurde. Ich werde einen der beiden Vitos navigieren und Daniela fahren. Für die anderen beiden Fahrzeuge wurden Susanne Ehmer (Vito) und Coralie Lejeune (Sprinter) ausgewählt um mit Marie Le Neillon-Quesseveur und Christina Ackermann, die letztes Jahr schon dabei waren, jeweils neue Teams zu bilden.

Ich freue mich riesig auf das kommende Navigationstraining in Frankreich und die Rallye in Marokko, die am 17. März startet. Ich bin sehr stolz, dass ich unsere Van-Sparte vertreten darf. Moi, je suis une gazelle!

Wer die Rallye bisher noch nicht kennt und neugierig geworden ist, was 300 Frauen 8 Tage lang in der Wüste, nur ausgestattet mit Karte, Kompass und einem offroadfähigen Fahrzeug, machen, ist herzlich eingeladen unseren weiteren Beiträgen zu folgen und sich das Video anzuschauen:
Auswahltage in Münsingen von Rallye-Aicha-des-Gazelles


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