Rede darüber – Aber wie?

Englisch oder Deutsch? – Sprache und ihre Wirkung auf dem Daimler-Blog

Tue Gutes und rede darüber. Ein nachvollziehbarer Anspruch; nicht nur für PR-Profis. Doch in welcher Sprache? Seit Start des Daimler-Blogs im Oktober 2007 wird in regelmäßigen Abständen immer wieder der Wunsch an uns herangetragen, doch mehr englischsprachige Beiträge zu veröffentlichen. Daimler sei ja schließlich ein weltweit tätiges Unternehmen und man müsse sich vom Image des „Schwäbischen Konzerns“ lösen. Aber muss ein international agierender Konzern wie Daimler unbedingt alles in Englisch kommunizieren?

Wir haben uns die Mühe gemacht, und die Zugriffszahlen aller englischsprachigen Blogbeiträge ausgewertet und sie den deutschsprachigen gegenübergestellt. Mit folgendem Ergebnis: Englischsprachige Beiträge haben im Durchschnitt nur die Hälfte der Abrufzahlen von deutschsprachigen. Nachfolgend ein Erklärungsversuch:

Internationalität schwäbischer Wurzeln

Obwohl Daimler in nahezu allen Ländern dieser Erde tätig ist, befindet sich im schwäbischen Bad Cannstatt, an einer Art Garage mit Wintergarten, ein Hinweisschild, auf dem steht „Geburtsort des Automobils“. Dieses Gartenhäuschen befindet sich lediglich einen Steinwurf vom Stammwerk Untertürkheim und von der Konzernzentrale entfernt. Geschäftssprache hier ist zwar offiziell Englisch, die Mitarbeiter untereinander unterhalten sich jedoch meist in ihrer Muttersprache. Nur so können sie sich wirklich exakt ausdrücken – was durchaus nachvollziehbar ist. Der Großteil spricht Deutsch, doch es finden sich auch viele internationale Einflüsse auf den Fluren, in der Kantine und den bilateralen Gesprächen „zwischen Tür und Angel“.

Alleine in der Region Stuttgart sind ungefähr 75.000 Menschen „beim Daimler“ beschäftigt; Türken, Griechen, Italiener, Deutsche. Wenn man durchs Werk läuft, hört man, wie sich die jeweiligen Kollegen mit ihren Landsleuten in ihrer Heimatsprache unterhalten, kommt ein „Fremder“ hinzu, wird Deutsch gesprochen – in der Region Stuttgart mit schwäbischem Akzent, in Rastatt oder Gaggenau mit badischem Tonfall.

Analog funktioniert das auch beispielsweise in den USA, Südafrika oder China. Menschen unterhalten sich zu allererst in ihrer Muttersprache und erst dann in der jeweiligen Landessprache. Ein Automatismus, der bei den meisten Menschen spontan abläuft, ohne dass sie sich die Worte vor deren Aussprache im Kopf zu Recht legen.

Blick hinter die Kulissen

Soweit zur konzerninternen Sprachkultur. Jetzt, wie man so schön sagt, ein Blick hinter die Kulissen – und zwar hinter die des Daimler-Blogs: Was wollen wir eigentlich mit dem Blog erreichen? Ein wichtiger Punkt ist die Schaffung von Transparenz. Durch das Blog erleben Außenstehende unser Unternehmen nicht mehr als Black Box, sondern erfahren etwas über die Strukturen und die Menschen, die bei Daimler arbeiten. Bei Daimler in Deutschland, bei Daimler in der Türkei, in China oder in anderen Ecken der Erde.

Und sie haben die Möglichkeit, sich mit Ihnen über die Kommentarfunktion des Blogs unterhalten – in ganzen und gerne auch längeren Sätzen; nicht wie etwa auf Facebook mit Kommentaren, deren Inhalt nur gelegentlich über ein „gorgeous“ „great“ oder „awesome“ hinaus geht.

Aber bitte authentisch

Bereits zum Start des Daimler-Blogs im Oktober 2007 mussten wir uns für eine URL entscheiden. Wir haben damals bewusst blog.daimler.de gewählt, weil wir fest davon ausgingen, dass die meisten Themen aus Deutschland kommen werden; schließlich sind hier mehr als die Hälfte der Mitarbeiter beschäftigt. Wir sind jedoch für alles offen. Würde ein Daimler-Blog in der Türkei oder in Frankreich verlangt werden, könnten weitere Daimler-Blogs parallel unter blog.daimler.tr oder blog.daimler.fr in der jeweiligen Landessprache an den Start gehen.

Das Daimler-Blog ist jedoch kein Instrumentarium, über das unser Unternehmen im klassischen Sinne publiziert; hier bloggen vor allem Kollegen aus Deutschland. Bloggen bedeutet, so authentisch wie möglich zu kommunizieren. Und in welcher Sprache kann man möglichst authentisch kommunizieren? In der Regel in der, mit der man groß geworden ist – der Muttersprache. Bloggen Kollegen mal nicht in ihrer Muttersprache, kann dies den einen oder anderen Leser schon mal irritieren.

Ein Gedankenspiel: Was, wenn wir jetzt dem Wunsch nachkämen und die Mitarbeiter auffordern würden, in englischer Sprache zu bloggen? Wären wir dadurch internationaler? Wären die Beiträge noch authentisch? Hätten wir dadurch eine größere Reichweite? Vermutlich nicht! Auch die Blog-Statistik sowie eigene Umfragen zeigen, dass der Großteil unserer Leser die deutsche Sprache auf dem Blog bevorzugt.

Think global, act local

Menschen interessieren sich grundsätzlich eher für das, was ihnen näher ist. Ein Unternehmen mit mehr als 160.000 Mitarbeitern in Deutschland hat vermutlich auch hier die meisten Berührungspunkte: Anwohner, Zulieferer, Angehörige, Bewerber, Aktionäre, etc. – Menschen, die vermutlich eine engere Beziehung zu Daimler haben, als möglicherweise ein Mercedes-Fahrer in Japan. Diesen erreicht man am besten in seiner Sprache. Ganz nach dem Motto: Think global, act local.

Auf Englisch hat das Daimler-Blog zwar eine größere theoretische Reichweite bei der Leserschaft, berührt und „erreicht“ jedoch die Leser weniger, da einfach die gefühlte Nähe zum Thema oder zum Autor fehlt. Das ist zumindest meine Theorie. Falls jemand eine andere hat, das Kommentarfeld ist dazu da. Feel free – wie man auf Neudeutsch sagt.

Nebenbei bemerkt: Auch die offizielle Visitenkarte des Unternehmens, die Daimler-Website, die in zwei Sprachversionen (deutsch/englisch) zur Verfügung steht, wird zu ca. 70 Prozent in der deutschsprachigen Version abgerufen.


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