Geschichte erfahren

Das Daimler seine Geschichte erlebbar macht, ist nicht neu; erst recht nicht zur 125 Jahr Feier des Automobils. Viel überraschender war daher für mich, dass ich mit 26 Jahren noch mal eine Führerscheinprüfung absolvieren sollte; und das ohne einen Punkt in Flensburg, geschweige denn anderer Vergehen im Straßenverkehr.

Der erste Schock verflog jedoch rasch, als mir klar wurde, dass ich nicht Teilnehmer eines Idiotentests werde, sondern die Möglichkeit hatte, auf Einladung des Mercedes-Benz Museums mit dem berühmten Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 eine eigene Fahrschulung nebst abschließenden Führerschein ablegen zu dürfen. Geschichte erfahren – im wahrsten Sinne des Wortes.

Führerschein auf dem Patentmotorwagen Nummer 1

Ganz allein war ich dann auch nicht. Um ehrlich zu sein, war ich die ganze Zeit unter Beobachtung. Denn wie sich herausstellte, wurde die ganze Aktion professionell gefilmt. Wer war da eigentlich der Star – der Wagen oder die Fahrer? Das dachte sich wohl auch mein Kollege Mario de Rosa vom Verein „Initiative Kulturgut Mobilität e.V.“ , der ebenfalls die Prüfung meisterte. Bevor auf dem Motorwagen Platz genommen werden durfte, führte er mich in einem Rundgang durch das Museum ausführlich in die Geschichte des Wagens, seine Bedeutung und spätere bekannte Entwicklungen bei Mercedes-Benz ein. Den abschließenden theoretischen wie praktischen Crashkurs zum Patentmotorwagen gaben die Museums-Mitarbeiter Michaela Baumgarten und Benedikt Weiler.

Am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz seinen Motorwagen unter der Nummer 37435 beim Reichspatentamt an. Nicht wissend, dass jenes Patent im Jahr 2011 von der Unesco in das Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde und ich 125 Jahr später Autofahren in seiner wirklich reinsten Form noch mal erlebte. Das erste Automobil der Welt zu steuern ist schon was besonderes, auch wenn die technischen Daten mit 0,9 PS bei nur drei Rädern nicht gerade Begeisterungsstürme aufkommen lassen.

Ein mehrgängiges Getriebe, Fußbremse oder gar ein Rückwärtsgang suchte ich im Patent-Motorwagen vergeblich. Die Fahrgeschwindigkeit konnte durch einen Hülsenschieber unterhalb des Fahrersitzes geregelt werden. Höchstgeschwindigkeit 18 km/h; da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass mit einem einfachen Handhebel „gebremst“ wurde, der auf die Vorgelege-Riemenscheibe wirkt.

So war es vor allem der bedeutende historische Kontext des Wagens, der mich vorsichtig den Gashebel hat kommen lassen; man will ja nicht in die Annalen des Unternehmens als der junge Mann eingehen, der 125 Jahre Geschichte gegen die Wand fährt. Doch alle Sorgen waren unnötig. Geradezu leichtfüßig bewegte sich der Motorwagen nach vorne, befolgte alle Lenkbefehle und machte auch vor steilen Abfahrten und engen Kurven nicht halt. Erstaunlich, wie mühelos das Fahrzeug die Herausforderungen meisterte; immerhin ist es ein detailgetreuer Nachbau des Originals, an dem Carl Benz die meisten Teile noch in Handarbeit selbst fertigte.

Ob meine Prüfungsleistung auch in die Geschichte eingehen werden, wie der Patentmotorwagen, kann bezweifelt werden. Ich habe aber glorreich, ohne Kratzer und nur ein paar leichten Erfrierungen (Sitzheizung gab es natürlich auch nicht) bestanden. Der Spaß ist dabei nie verloren gegangen. Der Film beweist es. Der interessierte Leser kann sich daher gerne selbst überzeugen…


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