Den Blick schärfen – 5. Daimler Diversity Konferenz

Mit der Symbolik ist es immer so eine Sache. Trifft sie den Kern, dann sind alle begeistert, liegt sie daneben, sind Rechtfertigungen gefragt. Letzteres war vergangenen Mittwoch zur 5. Daimler Konferenz „Wirtschaftsfaktor Vielfalt im Unternehmen“ unter dem Motto „Den Blick schärfen“, nicht nötig.

Denn der Symbolgehalt, wenn 50 Kinder des Sterntalers Möhringen, gemeinsam das Lied „Anders als du“ vortragen, ist an Ausdruckkraft nicht mehr zu überbieten. Besser, als mit so kleinen Stimmen Strophen wie: „Ich bin anders als du bist anders als er ist anders als sie! Sie ist anders als er ist anders als du bist anders als ich!“ vorzutragen, kann man eine Veranstaltung über Diversity nicht beginnen.

Diversity – Vielfalt, Unterschiedlichkeit, das Gegenteil von Gleichförmigkeit.
Die quantitative Mannigfaltigkeit des Begriffs beschreibt zugleich seine qualitative Bedeutung. Die gezielte Förderung und Zusammenbringung von Unterschieden in der Kultur, Religion, Sprache oder Geschlecht, im schönsten Unternehmensdeutsch „Diversity Management“ genannt, ist bei Daimler seit 2005 fest verankert. Im Unternehmen hat man erkannt, welches Potential in den Erfahrungen, Perspektiven und Kompetenzen der Mitarbeiter aus gut 140 Nationen in 90 Standorten auf fünf Kontinenten steckt. Das Thema ist zunehmend in den Führungsebenen angekommen. Die Konferenz hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, die unterschiedlichen Aspekte des Diversity Management zu betrachten. „Dabei wollen wir uns fokussieren auf die Veränderungen in der Arbeitskultur, die Diversity unterstützt, auf die Voraussetzungen, die wir als Führungskräfte schaffen können und welchen Beitrag wir leisten mit Diversity Management unser Unternehmen auch zukünftig erfolgreich zu halten“, fasst es Ursula Schwarzenbart, Director Global Diversity Office, zusammen. Sie und ihr Team sind sozusagen die gute „Diversity-Seele“ des Unternehmens und entwickeln, organisieren und betreuen die umfangreichen Projekte und Aktionen zu dem Thema.

Für die perfekte Umsetzung der 5. Konferenz mit solch innovativen Möglichkeiten des Feedbacks a la SMS-Wall und der digitalen Abstimmung vom Platz aus, sei an dieser Stelle Dank und Respekt ausgesprochen.

Nachdem die erste Veranstaltung noch rein von Frauen besucht wurde, wies die zweite Konferenz bereits einen Männeranteil von 20 Prozent auf, der sich über die Jahre merklich steigerte. Aktuell konnten die Veranstalter 600 Teilnehmer verzeichnen, von denen Zweidrittel Männer und Eindrittel Frauen waren. Hält der Trend jedoch an, haben wir spätestens bei der 7. Daimler Konferenz nur noch Männer. Das wäre wohl nicht im Sinne der Organisatoren, immerhin hatte auch Wilfried Porth, Vorstand für Personal und Arbeitsdirektor bei Daimler, in seiner Eröffnungsrede betont, dass es „auf die richtige Mischung“ ankommen würde. Betrachtet man die gehaltenen Reden, dann trifft dies unbestritten zu. Sowohl kurzweilig wie kompetent gaben die Präsentatoren Einblicke in die weite Welt der Diversity.

Dr. Bernd Sprenger gewährte als erster externer Vortragender eine Übersicht über die Bedeutung der „weichen Faktoren für ein hartes Geschäft“ – kurz: Soft Skills, die in Zukunft immer wichtiger werden. Fachwissen ist nicht mehr alles. Zusätzlich sind Kriterien wie die persönliche Haltung, Wertschätzung und die eigene Fehlertoleranz ausschlaggebend. Der Aha-Effekt blieb bei den meisten Zuhörern aber aus, immerhin ist das Thema der Soft-Skills für das Management von morgen nicht neu. Interessant war eher die Reflexion auf das Thema Diversity, die darauf hinausläuft, dass echtes Diversity Management nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Einsicht bei jedem Einzelnen vorherrscht; sozusagen als Soft-Skill integriert ist.

Eine ganz andere Richtung ging Irene Natividad. Die Präsidentin der „Global Summit of Women“ setzt sich schon seit Jahren für die Rechte und Gleichstellung der Frauen weltweit ein und wurde auch nicht müde, dies immer wieder zu betonen. Eine Frauenquote, wie sie in Ländern wie Italien und Belgien bereits existiert und in Deutschland heiß diskutiert wird, sieht sie als die richtige Lösung. Kritische Nachfragen, ob es sich dann letztlich nur noch um „Quotenfrauen“ handele und nicht die eigentliche Leistung im Vordergrund stehen würde, wiegelte sie ab. Thematisch passend schloss sich der vollkommen frei gehaltene Vortrag von Dr. Christine Hohmann-Dennhardt, Vorstand bei Daimler für Integrität und Recht, an. Sie prägt den Begriff der „gläsernen Decke“, die Frauen ab einem bestimmten Punkt die Karriere behindere. Was lässt sich dagegen tun? „Wir brauchen einen Abbau von Klischees und das Zusammenfügen von Vielfalt.“, so Dr. Hohmann-Dennhardt.

Mit Klischees kannte sich Prof. Dr. Martin Korte, der eine Professur für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig inne hat, gut aus. Besonders kurzweilig zeigte er die Unterschiede zwischen dem männlichen und dem weiblichen Gehirn auf. Fazit: So groß sind die Abweichungen dann auch wieder nicht. Die Stereotypen, Schubladen und Vorurteile bei Mann und Frau mögen zwar ganz lustig sein und bei Mario Barth die Stadien füllen; einem professionellen Diversity Management sind sie dann doch eher hinderlich. Schließlich ist Diversity mehr als nur die Ungleichheiten von Mann und Frau, mehr als nur eine Quotendiskussion und mehr als die differenzierten Ausprägungen genderspezifischer Gehirnareale. Eine Erkenntnis, die während der Konferenz etwas ins Hintertreffen gelangte. Der Fokus lag auf Diversity-Gender, Quotendiskussion und Gleichstellung. Ein Fakt, den der ein oder andere später kritisch anmerkte, der jedoch von Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, in seinem anschließenden und schließlich letzten Vortrag der Konferenz gekonnt aufgelöst wurde.

Mit viel Expertise stellte er die Bedeutung von Diversity für das Unternehmen Daimler dar und unterstrich, dass man noch lange nicht am Ziel angekommen wäre. Gender-Diversity, Work-Life-Integration, Mitarbeiter-Netzwerke, ein internationales Arbeitsumfeld und Generationen-Management – Dr. Zetsche sprach jeden Bereich an, denn Vielfalt sei ein „strategischer Erfolgsfaktor“ bei Daimler und nicht nur ein „persönliches Hobby“ des Vorstandsvorsitzenden, sowie es in den diversen Publikationen zu Diversity bei Daimler auch nachzulesen ist. Dass diese Worte keine heiße Luft waren, zeigen die diversen Schulungen, Projekte und Handlungsfelder, die Daimler bereits in den vergangenen Jahren initiiert hat. Ein Engagement, das weltweit Einsatz findet und auch weiterhin finden wird.

Eine abschließende Beurteilung des Für und Widers von Diversity Management blieb am Ende der Konferenz aus. Auch die Podiumsdiskussion aus Teilnehmern des Publikums sowie den externen Rednern führte zu keinem endgültigen Ergebnis. „Sie alle nehmen etwas anderes mit nach hause“, fasst Moderator Alfonso Pantisano, der die Veranstaltung professionell führte, den Tag zusammen. Jeder ist halt anders. Dem ist fast nicht hinzuzufügen, hatten doch die Sterntaler Kinderchor bereits am Anfang gesungen: „Wir, wir, wir sind anders als ihr, ihr, ihr seid anders als wir. Na und? Das macht das Leben eben bunt – eben bunt!“ Diversity halt.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
No votes yet.
Bitte warten...

Tags: , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Martin Stypa: Hallo Rolf, hallo Martin (Kämmerling), erst einmal besonders Euch und...

  2. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Uwe Helmut Schaal: Da werden Erinnerungen wach: 1971 mit zwei 200er von Sindelfingen...

  3. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Ferdi Lorenz: Ein schönes, sehr dankbares und robustes Fahrzeug. Habe vor vielen Jahren ein...

  4. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    CMzB (Blog-Team): Hallo @Speck, da hat sich wohl ein technischer Fehler bei...

  5. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Richard Beckmann: Moin Rolf, super Bericht und klasse Bilder. Da werden Erinnerungen wach....