Eine E-Mail verändert meine Zukunft

Mentoring, Praxiseinsatz und eine andere Kultur – ein Jahr Daimler Student Partnership (dsp) mit vielen Erlebnissen, die mir niemand mehr nehmen kann.

Autos rasen an mir vorbei- Lärm, Gerüche, Gespräche, Gehupe, fremde Verkehrsschilder- vor mir eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm, neben mir Taxis, Fahrräder, Elektroroller, überladene LKW und ein Mann mit einer Fahne in der Hand. Für mich stellt schon das Überqueren der Straße eine Herausforderung dar. Alles sieht wie ein großes Chaos aus, aber doch löst sich der Knoten in der Mitte der Kreuzung immer wieder auf.

Livia auf der Großen Mauer Ich bin endlich auf der anderen Seite der Straße angekommen. Eigentlich nicht nur auf der anderen Straßenseite, sondern auch auf der anderen Seite der Erde. Peking- eine Stadt, die mich zu Beginn voll im Griff hat!

Vor einem Jahr hatte ich noch keine Vorstellung, welch neue Erfahrungen, Erlebnisse und Weiterentwicklungen die E-Mail meines Professors mit sich bringt: Die Daimler AG sucht Teilnehmerinnen für einen Frauenauswahltag des Daimler Student Partnership Programms. Was bedeutet überhaupt Daimler Student Partnership? Mentoring, Tandempartner, Trainings, Praxiseinsätze bei der Daimler AG,… Natürlich ist für mich sofort klar, dass ich diese Chance nutzen möchte. Im August 2010 verfasse ich eine Bewerbung und schon steht der Onlinetest vor der Tür, danach noch ein Telefoninterview. Schließlich kommt die Zusage für den Auswahltag im November. Nach den Ereignissen der letzten drei Wochen ein bisschen Zeit, um das Geschehne zu verarbeiten, sich auf den Auswahltag vorzubereiten und wieder den Alltag an der Hochschule Esslingen, im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen, anzugehen.

Die vielen Vorlesungen, Projekte und Hausarbeiten lassen den Tag im November schnell näher kommen. Die meisten Kommilitonen haben gerade auch Bewerbungsgespräche für ihr Praxissemester vor sich, so haben wir alle unsere Herausforderungen. Am besagten Tag im November treffe ich auf die anderen Teilnehmerinnen. Ein paar wurden ebenfalls von ihrem Professor angeschrieben oder sind von ihrem Fachbereich bei der Daimler AG für das Programm vorgeschlagen worden. Zwischen den einzelnen Übungen, wie Präsentationen und Gruppendiskussionen, tausche ich mich mit den anderen Teilnehmerinnen über das Studium und den persönlichen Eindruck des Tages aus. Zuletzt steht noch die Entscheidung aus: Konnte ich überzeugen? Werde ich für die Teilnahme am Daimler Student Partnership Programm ausgewählt?… Am Ende des Tages verlasse ich das Werk in Brühl mit einem strahlenden Lächeln!

In den folgenden Tagen sucht die Personalbetreuerin einen Mentor im gewünschten Bereich- Produktionsplanung und am Standort Untertürkheim. Bei den Entwicklungsgesprächen entscheiden wir gemeinsam, dass ich mein Praktikum zu einem Teil im Inland und zum anderen Teil im Ausland absolvieren werde. Im Bereich Produktionsplanung Motoren, Vorplanung und Projekte Motoren beschäftige ich mich ab März vier Monate mit den Themen der Modulstrategie. Am Anfang für mich ein sehr komplexes Themengebiet, aber mit der Zeit erhalte ich einen immer besseren Überblick. Mal wieder vergeht die Zeit wie im Fluge und so bereite ich nebenher meinen Abflug in Richtung China vor.

Wie wird das Essen sein, wie die fremde Sprache und vor allem, wie wird der Arbeitsalltag aussehen? Es gibt so viele Fragen, die ich mir im Vorfeld gestellt habe und alle haben sich in China praktisch von alleine gelöst.

Nach zehn Stunden Flug komme ich Ende Juni 2011 in einer anderen Kultur an. Gleich bei der ersten Taxifahrt muss ich feststellen, dass die meisten Menschen in Peking kaum Englisch sprechen. So fasse ich den Entschluss, sehr schnell die wichtigsten Worte auf Chinesisch zu lernen. Nach den ersten Tagen, im Werk von BBAC, in einem reinchinesischen Team, klappt es auch immer besser mit ein paar Wörtern. Die Kommunikation und der Umgang mit den chinesischen Kollegen ist sehr angenehm, viele sprechen gutes Englisch und ein paar sogar Deutsch. Ich genieße die Gespräche, den Austausch mit den Kollegen und das tägliche Mittagessen in der Kantine. Wer das Essen mit Stäbchen lernen will, muss es von Anfang an probieren.

Himmelstempel

Da ich im Bereich Manufacturing Engineering Powertrain tätig bin, befinde ich mich sehr oft in den Produktionshallen. Mein Gedanke beim ersten Betreten: noch nie habe ich so viele Menschen an einem Montageband gesehen. Sehr schnell fällt mir auf, dass der Automatisierungsgrad viel geringer ist. Selbst in den Montagehallen spüre ich, dass es Juli ist. Die Luft ist extrem heiß und der Smog Pekings ist rund um die  Gebäude, wie überall in der gesamten Stadt, sichtbar. In den zwei Monaten arbeite ich im GLK Projektteam mit und unterstütze die chinesischen Kollegen. Der Bau der Montagehalle schreitet immer weiter voran und man spürt deutlich, dass China ein Markt der Zukunft ist. Es bewegt sich sehr viel während meiner Zeit im Werk- es werden Materialpassierscheine und weitere Prozesse nach dem Standard der deutschen Werke eingeführt. Ab sofort müssen die Angestellten Einheitskleidung (Poloshirts mit BBAC Logo) tragen. Täglich werden Besucher durch das Werk geführt, um der Marke Mercedes-Benz in China noch mehr Bekanntheit zu verleihen.

An den Wochenenden und abends erkunde ich Peking- bei so einer großen Stadt mit ca. 20 Millionen Einwohner gibt es viel zu entdecken und zu besichtigen. Natürlich ist das Taxifahren im Vergleich zu Deutschland extrem günstig, aber ich möchte auch mit Bus und U-Bahn durch Peking finden. Die U-Bahn stellt sich als schnelle und extrem günstige Alternative zum Taxi heraus und selbst das Busfahren klappt, wenn man sich die chinesischen Schriftzeichen der Endhaltestelle einprägt- aber das Wichtigste ist mein Stadtplan von Peking- ohne ihn hätte ich öfter das Taxi nach Hause gebraucht.

Vieles, was für uns ungewohnt ist, gehört zur chinesischen Kultur. Es ist eine andere Welt und ich respektiere die Verhaltensweisen. So stehe ich am letzten Tag in Peking wieder an dieser Kreuzung. Wo sind nur die ganzen Autos? Wo ist das Chaos geblieben? Ich fühle mich einfach nur noch wohl in China und selbst das zuerst empfundene Durcheinander und der Lärm auf den Straßen kann mich nicht mehr so schnell beeindrucken. Nun hat mich nicht mehr Peking im Griff- sondern ich habe es im Griff.


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