Großeinsatz in der Stuttgarter-Innenstadt: Let’s Putz Feuersee

Wer in den letzten Tagen des Oktobers im Stuttgarter Westen am Feuersee war und genau hingesehen hat, konnte erkennen, dass der Wasserspiegel peu à peu gesenkt wurde. Bis Samstag, 28. Oktober, war er um etwa einen Meter gesunken, unter dem fachmännischen Blick des Württembergischen Anglervereins und dem Stuttgarter Tiefbauamt.

111029_mh_Feuersee25Der Feuersee

Bürger als auch Touristen finden gerne den Weg zum Feuersee und bewundern dabei die Architektur der Johanneskirche, deren im 2. Weltkrieg beschädigter Kirchturm nur teilweise wieder aufgebaut wurde.

Im Feuersee selbst tummeln sich Karpfen, Rotaugen, Hechte und Barsche – Exoten wie Wasserschildkröten und Reiher vervollständigen das Bild der Seebewohner.

Doch das beliebte Fotomotiv des Feuersees ist stark eingetrübt: See und Seeufer sind intensiv verdreckt. Alte Reifen, Mülleimer, Fahrräder, Einkaufswagen finden ebenso ihren Weg in den See, wie leere Flaschen, Wahlkampfplakate und sonstiger Unrat. Aufmerksamkeit können auch die Parkbänke und die Grünpflanzen an den Uferböschungen mehr als gebrauchen.

Wie alles entstand

Seit vielen Jahren wohne ich gerne im Stuttgarter Westen, seit einigen Jahren direkt am Feuersee. Die zunehmende Verschmutzung des Feuersees, begleitet von hässlichem Geruch im Sommer, lässt sich nicht vertuschen. Aber irgendwie ist das alles normal geworden…wenn mir nicht meine Tochter – sie ist 4 Jahre alt – im Frühjahr die Frage gestellt hätte, warum die armen „Entenbabys“ im Müll schwimmen müssen. Die typische Reaktion: „Man müsste mal, man könnte mal…da saubermachen“ – mit Betonung auf „man“ und dem danach folgenden Konjunktiv. Irgendwie war sie nicht glücklich mit der Antwort und fragte „Warum machen wir das nicht?“ Hmm…

Beinahe zur gleichen Zeit hat mein Arbeitgeber, die Daimler AG sich entschieden, anlässlich des Jubiläums „125! Jahre Erfinder des Automobils“ die Aktivität „Wir bewegen was“ zu initiieren. 125 soziale Projekte sollten finanziell unterstützt werden – und da hat’s Klick gemacht. Unter 1000 Bewerbern habe ich tatsächlich eines von 125 Projekten „gewonnen“, das mit rund EUR 5.000 durch die Daimler AG unterstützt wird. Und aus „man müsste ja mal“ wurde ernst…

Großes Engagement der Partner und Helfer

Dann startete am Samstag die wohl größte Putzaktion des verschmuddelten Sees, der im 18. Jahrhundert als Wasserreservoir angelegt wurde.

Das Engagement der Anwohner und beteiligten Partner war immens: 100 Helfer, darunter 20 Azubis von Stuttgarter Hofbräu und über 50 Helfer des Bürgervereins Zigeunerinsel e.V., 2 Feuerwehren mit Stromgeneratoren, die Malteser mit 2 Sanitätern, etliche Motorsensen, benzingetriebene Hochdruckreiniger, Gärtner, Reinigungsexperten, 2 Boote, grandioses Catering, und unzählige Stunden der Vorbereitung haben den Großeinsatz zu einem Erfolg gemacht. Offensichtlich hat auch der direkte Draht zum Himmel gut funktioniert – toller Sonnenschein, und angenehme Temperaturen!

Am Vorabend wurde bis spät in die Nacht aufgebaut, damit es am Samstagmorgen direkt losgehen konnte – ein Wachdienst hat sichergestellt, dass das Equipment am nächsten Morgen noch vollständig vorhanden war.

Ab acht Uhr wurden die Helfer mit Butterbrezeln und einem heißen Kaffee begrüßt – dazu gab es dann Arbeitshandschuhe und eine Sicherheitsunterweisung, da „schweres Gerät“ zum Einsatz kommen sollte. Danach war „Schluß mit lustig“ – es wurde geschrubbt und geputzt, gesägt, geschreddert und sortiert.

In mehreren Teams mit bis zu ca. 20 Helfern wurden der Seeboden von Unrat befreit, Betonflächen und Bänke am See mit Hochdruckreiniger auf Vordermann gebracht, und das Umfeld von wildem Pflanzenwuchs befreit.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mehr als 20 Container wurden mit Grüngut gefüllt, 3 Container mit Unrat aus dem See. Das absolute Highlight war ein Monoski – ob da wohl jemand mal versucht hat, Wasserski auf dem Feuersee zu fahren?

Starkes Interesse der Öffentlichkeit

Das Engagement der Helfer wurde durch das große Interesse der Öffentlichkeit unterstützt – um elf Uhr war „Pressetermin“ mit ca. 20 Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft. R-TV, Bild-Stuttgart, Stuttgarter Zeitung und viele andere Pressevertreter zeigten sich sehr positiv überrascht von der Aktion. Viele Passanten waren begeistert von der Reinigungs-Aktion, einige sind spontan nach Hause gelaufen, haben sich umgezogen – und waren für den Rest des Tages aktiv dabei!

Was die Freiwilligen nicht leisten konnten…

…ist das Ausheben des Schlamms, der auf dem Grund des Sees lagert. „Die Stadt meinte, die Menge des Schlamms entspreche 500 Lkw-Ladungen“, so die Initiatoren. Das würde den Rahmen der Freiwilligenleistung sprengen. „Wir hoffen, dass unsere Bürgerinitiative der Anstoß ist und die Stadt nachzieht, denn das eigentliche Übel ist ja der Schlamm.“ Tatsächlich gibt es bereits Untersuchungen der EnBW und der Stadt. Das Geld für den Aushub soll in den Haushaltsberatungen beantragt werden. Es wäre nach 47 Jahren die erste Grundreinigung dieser Art.

Neben der Entfernung des Schlamms im See ist die Erhöhung des Wasserdurchlaufs ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor für die Sauberkeit des Wassers – heute wird der See nur von einem Rinnsal gespeist, einer Quelle aus den Höhen des Kaltentals. Das reicht nicht aus, um die zukünftige Anlagerung von Schlamm und das Wachstum von Algen zu stoppen. Auch hier ist die Stadt gefragt…

Wie es dazu kam

Als gemeinnütziger Verein hatte sich der Bürgerverein Zigeunerinsel e.V. sofort bereiterklärt, bei „Let’s Putz Feuersee“ zu unterstützen. H. Engler, Präsident des Bürgervereins reagierte auf die Anfrage sofort: „Ja, wir sind dabei – der Feuersee ist uns wichtig. Wir helfen!“ Bereits während der ersten „Sondierungsgespräche“ wurde dann das Interesse von Stuttgarter-Hofbräu deutlich – somit hatten wir einen weiteren starken Partner im Boot. Die Initiatoren konnten Stuttgarter-Hofbräu während der Vorbereitungsphase von der Idee so begeistern, dass die Umweltstiftung der Brauerei nicht nur bei dieser Aktion mit Geld und Arbeitskraft unterstützt, sondern das Thema „Regionale Gewässer“ in den Mittelpunkt ihrer zukünftigen Umwelttätigkeit gestellt hat.

Alle machen mitZwischen einer guten Idee und der Umsetzung lagen dann doch einige Hürden – so benötigte es am Ende der Zusage vieler Behörden und Partner: Das Tiefbauamt, das Garten- Friedhofs- und Forstamt, das Ordnungsamt, der Bezirksbeirat, die Kirchengemeinde, die EnBW, der Württembergischen Anglerverein…

Wirklich positiv: Alle haben mitgezogen und sind dabei das ein- oder andere mal über ihren eigenen Schatten gesprungen: Die Stadt Stuttgart erklärte sich bereit, die Ver- und Entsorgung von Containern zu übernehmen, EnBW stellt das notwendige Wasser zur Reinigung zur Verfügung, die Feuerwehr hat die Wasser- und Stromanschlüsse bereitgestellt, die Kirche hat die Anzahl der Hochzeiten auf ein Minimum reduziert –und für strahlenden Sonnenschein gesorgt, das Forstamt hat unsere Helfer geschult, der Anglerverein hat gute Ideen zur Sauerstoff-Versorgung der Fische während der Aktion eingebracht, der Schiffs-Modellbau-Club konnte endlich mal ein „richtiges“ Boot zum Einsatz bringen – und am Ende waren sich bei einem Helferbierchen (natürlich von Stuttgarter-Hofbräu) und heißen Würstchen einig, dass sich der Aufwand mehr als gelohnt hat.

Wie geht’s weiter?

Aus der Einmal-Aktion etwas Wiederkehrendes, etwas Nachhaltiges machen? Das funktioniert nicht von alleine – und benötigt auch in der Zukunft starke Partner und viele Helfer. Und bei allen war klar: nächstes Jahr machen wir das wieder – auch, wenn bei allen am Sonntag der Muskelkater recht ordentlich war! Und meine Tochter freut sich jetzt bereits auf den nächsten Frühling, damit sie den „Entenbabys“ erzählen kann, wie toll sie es jetzt haben…

Ein Dankeschön für alle Helfer

Für alle Unterstützer und Helfer gab es zum Abschluß etwas wirklich Besonderes: Eine signierte und nummerierte Grafik zu „Let’s Putz Feuersee“ in einer exklusiven Auflage von 100 Exemplaren, gestiftet von Michael Lutz – bekannt durch seine Cartoons in LIFT und Stuttgarter-Zeitung. Und über tolles ein Buch „125 Jahre Automobil“ konnten sich die Helfer auch sehr freuen!

Ein Video zu der Aktion findet sich außerdem auf regioTV Stuttgart.


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