GASTBEITRAG: Blaues Licht und blaue Wunder

Hochleistung aus guten Scheinwerfern schafft Sicht und Sicherheit

Cool Blue Intense„Licht ist Sicherheit“ und „gesehen werden ist genauso wichtig wie selbst sehen“ – solche oder ähnliche Sätze haben wir alle in der Fahrschule gelernt. Manchmal bezweifle ich, dass davon viel hängengeblieben ist. Da rollen mausgraue Autos völlig unbeleuchtet durch die Dämmerung oder Tunnels. An anderen scheinen die Blinker kaputt oder höchstens noch zum kurzen Aufblitzten geeignet.

Gegen solche Lichtsünden können intelligente Assistenten helfen. Wenn in einem Mercedes ein sinnreicher Sensor das jeweils richtige Licht wählt, kann der Fahrer es schon nicht vergessen. Und jene Automatik, die nach dem Antippen des Blinkhebels für drei Signale der Blinkleuchten sorgt, ist für mich eine der besten Errungenschaften der vergangenen Jahre. Sie ist eine soziale Sache, die nicht nur dem Fahrer hilft. Andere Verkehrsteilnehmer bekommen durch sie eine wesentlich deutlichere Information, dass beispielsweise ein Spurwechsel bevorsteht.

Bei der Entscheidung über die Einführung eines neuen Systems bedarf es aber Umsicht und auch einer gewissen konservativen Zurückhaltung. Mich freut, dass Daimler im Spannungsfeld zwischen guter Scheinwerferleistung und Design sich stets für das Licht entscheidet. In den 1990er Jahren suchte ich in einen Ratgeberartikel für ein Fachmagazin die Antwort auf die Frage: Lohnt sich der (damals noch hohe) Aufpreis für Xenon? Mehrere Premiummodelle deutscher Hersteller mussten dazu sowohl exakte Messungen, als auch meine subjektive Beurteilung über sich ergehen lassen. Mit dabei war natürlich die E-Klasse. Ihr großer Freiflächen-Scheinwerfer mit der modernen H7-Halogenlampe stach dabei die Xenon-Variante eines anderen Herstellers deutlich aus – und zwar subjektiv und nach Messwerten. Und die optional erhältliche Xenon-Variante des Mercedes war dann noch einmal besser.

Solche Performance geht verloren, wenn nach einem Austausch, schlechte Lampen im Scheinwerfer Dienst tun. Viele Autofahrer wissen nicht, wie groß die Unterschiede zwischen einer hochwertigen Markenlampe und eine traurigen Funzel ist. Gute Hersteller zentrieren zum Beispiel bei jeder einzelnen Lampe den Brenner – das Teil aus Glas mit der Glühwendel – im Sockel. Das stellt sicher, dass das Licht genau dort auf die Straße trifft, wo es gebraucht wird und niemanden blendet. Und zur größten Kunst bei der Herstellung von Halogenlampen zählt das Füllgas. Klar, es enthält Halogene, hauptsächlich Jod. Die genaue Zusammensetzung bleibt aber das Geheimnis der Lampenproduzenten. Unter Anderem durch die Optimierung der Mischung und des Druck waren die gewaltigen Leistungssteigerungen der vergangenen Jahre möglich. Die Aussage „XX Prozent mehr Licht an den entscheidenden Stellen der Straße“ stimmt – wenn sie von renommierten Firmen kommen. Die europäische Autoindustrie kauft übrigens nur bei den großen Markenherstellern.

Aufbau HalogenlampeUnseriöse Lampenhersteller versprechen dagegen wahre Wunderdinge, die ihre Produkte später nicht einhalten. Schlimmer noch, erfüllen die meisten davon nicht einmal die gesetzlichen Anforderungen. Ich war mehr als einmal bestürzt, wie wenig Licht bei neutralen Tests nach den Bedingungen des Zulassungsverfahrens aus einer mit solch schönen Zusätzen wie „Laser“ oder „Mega“ versehenen Funzeln kam. Manchmal war es weniger als die Hälfte dessen, was eine preisgünstige Standardlampe eines Markenherstellers liefert – und nach den Vorschriften liefern muss.

Inzwischen tauchen ebenso Xenonlampen auf, die das Blaue vom Himmel versprechen. Dabei zählt auch bei HID – High Intensity Discharge, wie die Experten dieses Licht nennen – nicht nur die Farbtemperatur, sprich: Das blaue Licht. Die Elektroden, zwischen denen sich der Lichtbogen bildet, müssen selbstredend genauso exakt positioniert sein, wie bei Halogen-Lichtquellen. Und das Füllgas enthält beileibe nicht nur das namensgebende Xenon. Die exakte Mischung behalten die führenden Hersteller wieder für sich.

Dafür halten sie ihre Versprechen. So liefert beispielsweise die Cool Blue Intense von Osram, die Daimler als erster Autohersteller serienmäßig einbaut, mit 5000 Kelvin ein deutlich weißeres Licht als Standard-Xenon und zusätzlich 20 Prozent mehr Licht.

Und auf Licht kommt es schließlich an. Das gilt gerade auch beim jüngsten Trend: Leuchtdioden (LED) im Hauptlicht. Bei etlichen Scheinwerfern lag in der Vergangenheit der Fokus mehr auf Design, als auf Licht. Hier zählt die Verantwortung der Hersteller. Es wäre schade, wenn der Käufer ein zwar auffälliges, aber der Xenon-Konkurrenz unterlegenes Licht bekäme. Das Problem schlechter Leuchtmittel beim Austausch existiert bei LEDs übrigens nicht. Sie halten länger als ein Autoleben.

Über den Autor: Fritz Lorek ist Automobil-Journalist. Er schreibt für Fachmagazine, Pressedienste und seit kurzem für das Blog autolichtblog.de, powered by Osram. Zahlreiche Veröffentlichungen beschäftigen sich mit Fahrzeuglicht. Dabei ist ihm die Praxis wichtig. Seine Tests von Scheinwerferlampen fanden große Resonanz. Auch die deutsche Zulassungsbehörde Kraftfahrt-Bundesamt interessierte sich für die Ergebnisse.


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