IAA 2011 – Höher, schneller, weiter

Über schwäbische Tugenden ist schon viel geredet worden. Nun bekommt der Begriff „knausern“ auch in der Automobilbranche eine ganz eigene Bedeutung. Man will und wird sich nicht ausruhen auf dem, was man die letzten 125 Jahre erreicht hat. Und so schweben Visionen von null Emissionen und null Verbrauch von Benzin und Diesel über dem Stern der Schwabenmetropole.

Diese Themen nimmt Dr. Zetsche zum Anlass, um auf der diesjährigen internationalen Automobilausstellung in Frankfurt ganz klare Zeichen zu setzen.Der Vorabend zum ersten Pressetag, klassischerweise genutzt für exklusive Produkt-Weltpremieren, hatte diesmal eine ganz andere Botschaft: „HÖHER zielen, SCHNELLER handeln, WEITER denken: Die Brennstoffzelle als Schlüsselfaktor für emissionsfreie Mobilität.“

Ein Abend also, der wachrütteln sollte. Ein Abend, der alte Denkmuster in Frage stellte und über den Tellerrand hinausblickte. Oder wie Zetsche es einfacher ausdrückte: „Wir brauchen nicht „weniger vom Alten“, sondern „mehr vom Neuen.“ Wir brauchen Wachstum und Innovation.“ Die Zeichen stehen also im wahrsten Sinne des Wortlauts auf „grün“.


Die Brennstoffzelle spielte in der Rede von Dr. Zetsche die zentrale Rolle auf diesem Weg. Er sprach von einer Technologie, mit deren Hilfe Wasserstoff in unserer Wirtschaft eine ähnliche Rolle übernehmen könnte, wie sie bisher Öl inne hat. „Höher zielen“ soll in diesem Zusammenhang nicht Verzicht bedeuten. Das Auto macht den einzelnen unabhängig, die Gesellschaft flexibel und hält die Wirtschaft arbeitsteilig. „Diesel und Benziner können im Wettkampf um Verbrauchsoptimierung aber nur Durchgangsstation sein“, war eine seiner Aussagen, denn selbst, wenn der letzte Verbrennungsmotor optimiert, das letzte Haus gedämmt und die letzte Glühbirne verboten ist, hätte die Welt bei steigenden Verbraucherzahlen immer noch ein CO2-Problem, da die aktuellen Technologien nicht mehr so viel weiter CO2-optimiert werden können. Und deshalb wurde bei der feuerwerksreichen Auftaktveranstaltung am gestrigen Abend in Frankfurt mit dem Forschungsfahrzeug F125! direkt eine Lösung mitgeliefert.

Während heute, zum Beispiel in der B-Klasse bereits mehr als 400 km Reichweite erzielt werden, bietet er mit seinem Plug-in-Hybrid mit Brennstoffzelle eine Reichweite von 1.000 km. Mich fasziniert, wie diese Steigerung der Reichweite erzielt wurde. Die Antwort ist so einfach wie grandios. Man hat einfach gänzlich auf den Tank verzichtet und stattdessen den Wasserstoff in einem Feststoffspeicher gelagert, der sich vollständig in die Karosseriestruktur integrieren lässt.

Um diese Technologie aber in Serie zu bringen, ist auch die Politik gefragt. Ist es ihr ernst mit dem Anspruch, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen, dann muss auch darüber geredet werden, wie man die anfänglichen Mehrkosten dieser Alternative für die Kunden ausgleichen kann. Ebenso kann von der Automobilindustrie das Infrastrukturproblem nicht allein gelöst werden. Um auch hier Schnelligkeit vorzuleben, ist Daimler bereits seit 2009 mit Linde und anderen Partnern aus Wirtschaft und Politik in der Initiative H2-Mobility aktiv.


Es folgte der letzte Punkt, nämlich weiter zu denken. Hierzu gab es einen kurzen Abriss in die Vergangenheit, der verdeutlichte, wo unsere Ressourcen herkommen und das Öl lange Zeit vergleichsweise billig war. Aber spätestens seit dem UN-Klimabericht wissen wir: Fossile Kraftstoffe kommen uns langfristig deutlich teurer zu stehen als der bloße Preis an der Zapfsäule.

Wasserstoff lässt sich dagegen bereits heute dank der Fortschritte bei Sonnen-, Wind- und Wasserkraft CO2-neutral erzeugen. Herr Zetsche beschrieb diesen Umstand sehr plakativ mit den Worten: „Wasserstoff ist heute das bessere Öl. Und deshalb ist es Zeit für einen Öl-Wechsel.“  Ich denke, auch jenseits des Autos bieten sich zahlreiche Möglichkeiten zur Nutzung dieser Energieform.

Insgesamt also eine respektable „Flughöhe“, die Dieter Zetsche der weltgrößten Automobilmesse vorausschickt. So werden sich in den nächsten Tagen wieder zahlreiche Manager die Hände schütteln, um Entscheidungen voranzutreiben, bei denen zu hoffen bleibt, dass die abschließenden Worte von Dr. Zetsche nicht ungehört verhallen.
„Wir haben die Chance auf eine „grüne Gründerzeit“ mit Wasserstoff, die mit dem Automobil beginnt, aber nicht mit ihm endet.“

Impressionen im Rahmen des „Mercedes-Benz Markenabend.
httpvh://www.youtube.com/watch?v=pyIF7CyCYGk

Die IAA beginnt am 13.09 mit den Pressetagen und ist ab dem 15.09. für Besucher geöffnet, die bis zum 25.09. Zeit haben, sich über aktuelle Trends und Modelle der Automobilbranche zu informieren.

Die Daimler-Pressekonferenz am 13.09. um 10:20 Uhr können Sie auf Facebook hier live verfolgen und ab 13:00 Uhr  findet ein live talk statt, zu dem Sie auf Twitter unter dem Hashtag #mblivetalk mitdiskutieren können.


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