GASTBEITRAG: Intelligent in die automobile Zukunft

Reduce to the max, finde ich, ist auch heute noch ein gutes Beispiel visionärer Kreativität, gerade weil dieser Werbeslogan bereits 1997 von smart erfunden wurde. In meiner Vision ist die Mobilität der Zukunft nachhaltig und sozial, denn immer mehr Kunden konsumieren ökologisch und ökonomisch zugleich. Sozial ist, wenn wir Autos gemeinsam und effizienter nutzen. Nachhaltigkeit verpflichtet uns, unsere Autos mit erneuerbarer Energie anzutreiben. Das englische Zauberwort dafür ist Sustainable Social Mobility und beschreibt einen intelligenten Weg in die automobile Zukunft.

Interessanterweise können wir den grünen Strom aus Sonne, Wind und Wasser nicht nur in den Batterien der Elektroautos speichern, sondern mit Hilfe der Elektrolyse und chemischer oder biologischer Methanisierung auch in Wasserstoff und Methangas umwandeln und langfristig speichern. Das erneuerbare Methangas made in Germany, auch E-Gas oder Windgas genannt, kann in das bestehende Gasnetz eingespeist und in Erdgasautos genutzt werden. Die Kooperation von SolarFuel und Audi beweist das Potential.

Es ist auch nachhaltig, darüber nachzudenken, wie wir mit weniger Autos auskommen. Dann sparen wir die Ressourcen, die für die Produktion, Fortbewegung und Parkplätze überflüssiger Autos nötig sind. In meinen Augen ist es nicht genug, bis 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland zu fordern und zu fördern, wie es die Nationale Plattform für Elektromobilität ausgearbeitet hat. Wir müssen darüber hinaus überlegen, wie wir so schnell wie möglich die Anzahl der gefahrenen Elektrokilometer (ekm) maximieren können. Dazu müssen wir die Nutzung der verfügbaren Elektroautos intensivieren. Intelligent geteilte Elektroautos im Stadtgebiet können durchaus eine jährliche Kilometerleistung erreichen, die mit Taxis vergleichbar ist (120.000 km/Jahr).

Das Ziel sind weniger Autos und mehr Nutzer pro Auto. Car Sharing ist ein modernes Wort für ubiquitäre Autovermietung und Ride Sharing kann man einfach mit Mitfahren übersetzen. Zum Glück bin ich nicht der einzige Konsument und Unternehmer, der das Teilen von Autos und gemeinsame Fahrten sinnvoll findet und darin ein Geschäftsmodell für den Massenmarkt sieht. Daimler ist mit den Mobilitätsdiensten Car2go und Car2gether, die gut zusammenpassen, vorne mit dabei. Flinc nennt sich selbst Social Mobility Network. Tamyca fordert auf, das eigene Auto zu vermieten.

Spannend ist bei Car2go nicht nur der One-Way-Betrieb, sondern auch die Tatsache, dass mit der smart Car2go Edition erstmals ab Werk ein Serienfahrzeug für Car Sharing vorbereitet wurde. Aber leider machen tausend smart-on-Demand in 4 Städten noch keinen großen Unterschied. Die Vorbereitung für Car Sharing ab Werk sollte zum Standard für alle Serienfahrzeuge gemacht werden – und zwar modell- und herstellerübergreifend.

Strategisch weitergedacht hat das Konzept der Sustainable Social Mobility weitreichende Konsequenzen für die Autoindustrie, die gerade in Deutschland eine fundamentale wirtschaftliche Bedeutung hat. Die Autoindustrie wird nachfragegetrieben vom Produkt- auf das Dienstleistungsgeschäft umsteigen (müssen). Der dafür notwendige Systemwandel vollzieht sich rasend schnell. Nebenbei ist das auch hilfreich für Recycling und das Management von Cradle-to-Cradle-Stoffkreisläufen. Es ist denkbar, dass wir bereits in 10 Jahren, d.h. 2 Autogenerationen, 25% unserer automobilen Wegstrecke in gemieteten anstatt in gekauften Autos zurücklegen. Der Lernprozess, weniger Autos zu produzieren und dafür deren Nutzung zu maximieren, ist eine echte Herausforderung. Die Nachricht weniger Autos fällt normalerweise in den Bereich Bad News bei den Autokonzernzentralen.

Ecosummit Greenrider Competition

Ecosummit Greenrider Matrix

 

 

 

 

 

 

 

2030 können wir in Deutschland nach Ansicht der Optimisten unter den Energieexperten 100% erneuerbare Energieversorgung erreichen. Aber nur, wenn wir uns wirklich anstrengen. Machen wir also einen Gedankensprung und stellen uns folgendes Szenario vor: Alle Verkehrsmittel, nicht nur Autos, und alle Mobilitätsnutzer sind online. Ein freies Auto zu finden wird zum Kinderspiel. Wenn alle Autos Cars-on-demand sind und 10 Nutzer sich ein Auto teilen, brauchen wir nur ein Zehntel der Autos. Das nenne ich Ressourceneffizienz.

Laut Kraftfahrbundesamt hatten wir zum 01.01.2011 42,3 Millionen zugelassene Pkw in Deutschland. Wie hoch ist die Lebensqualität in Deutschland, wenn wir nur 4 Millionen Pkw auf der Straße haben und gleichzeitig jeder Bürger eine kombinierte Bahn-ÖPNV-Taxi-Car-Ride-Sharing-Smartcard bzw. Smartphone-App in der Hosentasche hat? Da das E-Bike neben dem iPhone das neue muss-ich-haben Gadget ist, das mit geringer Kraftanstrengung unseren Aktionsradius erfreulich ausdehnt, ist das 4-Millionen-Pkw-Szenario in 2030 zwar radikal, aber nicht unvorstellbar.

Jeder zweite Weltbürger lebt urban, Tendenz steigend. Die nachhaltige soziale Mobilität findet vor allem in den Städten statt, die wiederum auf dem Weg zur Smart Green City sind. Dank dem Internet kann man heute überall und jederzeit arbeiten. Wir werden das tägliche Pendeln minimieren, seltener ins Büro fahren und mit Hilfe von Echtzeitinfos verstopfte Straßen und Verkehr zu Stoßzeiten vermeiden. Moderne Firmen haben das verstanden, der Anteil der Arbeitstage im Home Office steigt auch bei Angestellten.

Damit das Potential von Car und Ride Sharing voll ausgenutzt werden kann, müssen wir jedes Auto intelligent nutzbar machen und Angebot und Nachfrage optimal zusammenführen. Dank neuer Versicherungstarife und digitaler Smartphone-Schlüssel können Autos im Privatbesitz schon heute untervermietet werden. Für das spontane Car Sharing brauchen wir nicht nur einen technischen Standard für das Öffnen und Starten der Autos, sondern auch einen gemeinsamen Marktplatz, auf dem jeder private und professionelle Anbieter neue Kunden für seine Autos und Fahrten finden kann. 2010 haben wir im Rahmen unseres Projektes Greenrider an einer offenen, sicheren und effizienten Handelsplattform für nachhaltige soziale Automobilität gearbeitet (s. Infografik).

Ich gehe aus dem Haus. Alle Autos fahren elektrisch. Ich kann jedes Auto benutzen. Das wär doch was, oder?

Ein echtes Premiumangebot.

Autor: Jan Michael Hess ist Geschäftsführer der Berliner Unternehmensberatung Mobile Economy GmbH. 2010 hat er die Firmenstrategie auf die Smart Green Economy ausgerichtet und Ecosummit gegründet. Ecosummit ist ein internationales Smart Green Business Network, das Investoren, Startups, Konzerne und Energieversorger zusammen bringt und dabei Cleantech, erneuerbare Energien, Elektromobilität und Nachhaltigkeit fördert. Ecosummit 2012 findet am 22. und 23. März 2012 in Berlin statt und ist die 3. Konferenz für Entscheider in der intelligenten grünen Ökonomie.


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