Wenn Engel reisen…

Was erwartet einen bei einer Oldtimer-Rallye mit einem Setra Omnibus S 9 Baujahr 1959?! Genau diese Frage stellte ich mir, als ich gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte an einer Oldtimer-Rallye als rasende Reporterin in diesem Bus teilzunehmen.

Oldtimer fand ich immer schon faszinierend, wie könnte ich anders als JAAAA sagen. Gesagt, getan: Ich sollte also an der Oldtimer-Rallye „2000 km durch Deutschland“ als Mitfahrerin teilnehmen. Was mich erwarten würde, wusste ich im Vorfeld nicht, eine zweite Praktikantin war in das Thema involviert und übernahm das Ruder. Die Zeit verstrich und die Vorfreude wuchs. Am Abend vor der Veranstaltung gab es jedoch schlechte Neuigkeiten: Die andere Praktikantin war erkrankt und konnte nicht teilnehmen.

Die Oldtimer Zuverlässigkeitsfahrt

Am nächsten Morgen fand ich mich in aller Frühe in einem Wagen aus dem Fuhrpark wieder und lenkte ihn über die Autobahn in Richtung Ulm. In Ulm sollte ich auf meine Gruppe stoßen, die gemeinsam mit mir an der Rallye teilnahm. Am vereinbarten Ort waren meine Mitstreiter nicht schwer zu erkennen: Ein Kreis von Herrschaften im gesetzten Alter hatte sich bereits gebildet und erwartete mich.

Größenänderung2000km Juli 2011 039
Von Ulm aus sollten wir mit zwei Sprinter nach Immenstadt gefahren werden. Die teilnehmenden Rallye-Fahrzeuge waren bereits seit Morgens unterwegs und machten in dem beschaulichen Immenstadt Mittagsstation, an der wir dazu stoßen sollten um den letzten Teil der Rallye selbst mitzufahren. Die erste Etappe meiner Rallye im Sprinter begann also. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich, jeder freute sich über die Teilnahme, die alle bei einem Radiogewinnspiel gewonnen haben.

Der motorenstärkste Rallye-Teilnehmer: Ein Kässbohrer Setra S9 Panorama

Der Wettergott meinte es derweil allerdings nicht all zu gut mit uns: Der Himmel verdunkelte sich zusehends und es begann sich einzuregnen. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch und es wurden allerlei Geschichten von Günther vorgetragen. Günther war schätzungsweise Anfang 70 und hatte viele Dinge in seinem Leben erlebt, an denen er uns lebhaft teilhaben ließ. In Immenstadt angekommen hatten wir noch Zeit zu unserer freien Verfügung, bis die Rallye-Fahrzeuge auf dem Marktplatz erwartet wurden.

Der erste Wagen, der mir ins Auge sprang, war ein wunderschöner Mercedes-Benz 190 SL, Baujahr 1961. Die Spannung stieg, denn nach und nach trudelten die Autos ein, aber vom Setra Omnibus fehlte noch jede Spur. Doch das Beste kommt zum Schluss und mit der Ankündigung „Nun kommt der motorenstärkste Teilnehmer der Rallye: Ein Kässbohrer Setra S9 Panorama, Baujahr 1959“ bog er um die Ecke. Der rote Riese fuhr mit einer freundlichen Hup-Begrüßung ein und die Menge tobte förmlich, zumindest unsere Reisegruppe.

Insgesamt nahmen über 50 Fahrzeuge an der Rallye „2000 km durch Deutschland“ in fünf verschiedenen Klassen teil. Beispielsweise fuhr in der Klasse II (1919 – 1945, Vintage) ein BMW 321/1 Cabriolet, Baujahr 1939 mit. Aber auch Youngtimer waren vertreten, so ein Porsche 911 Cabriolet aus dem Jahr 1985. Dieses Jahr wurde die Rallye zum 23. Mal veranstaltet und nahm ihren Anfang und auch ihr Ende in Hannover. Die 2000 km-Fahrt war offen für alle Marken, für Motorräder, Autos, Busse und Sonderfahrzeuge bis zum Baujahr 1981 und es entstand ein wunderbarer Mix aus allen möglichen Zeiten und Fahrzeugen.

Zurück zum ereignisreichen Tag und unserer ganz persönlichen Rallye: An der Mittagstation machten die Fahrer  Rast und konnte eine kleine Mahlzeit zu sich nehmen. Wir nutzten die Zeit um alle Mitreisende aus unserer Gruppe im Omnibus zu verstauen.

Da wir uns bei einer Rallye und nicht bei einer Kaffeefahrt befanden, mussten gewisse Punkte in einem Zeitfenster erreicht werden. Diese Punkte waren gleichzeitig Stempelstationen, dort erhielt man als Lohn für die gefahrene Strecke einen Nachweis über die absolvierte Teilstrecke. Wir fuhren also mit unserem Omnibus los in Richtung Weingarten. Die Strecke hatte einige Steigungen, auf denen der S9 gefühlte 10 km/h und wirkliche 20 km/h fuhr. Aber das war kein Problem für uns, wir erfreuten uns einfach an der Landschaft, die zugegebenermaßen wirklich sehr schön anzusehen war. Wir klapperten die einzelnen Stempelstationen ab und sammelten eifrig unsere Nachweise.

Für Engel scheint die Sonne

Auch das Wetter wollte uns offensichtlich für unsere Mühen belohnen: Immer wieder verzogen sich die schwarzen Wolken und hin und wieder war sogar ein wenig Sonne zu sehen. Einem solch sonnigen Moment nahm Günther zum Anlass fröhlich durch den Bus zu rufen „Wenn Engel reisen scheint die Sonne…“ und alle Mitreisende stimmten mit einem freudigen Seufzer zu. Um alle bei Laune zu halten, hatten wir auch allerlei Getränke und Süßigkeiten an Board, die wir im 3-Uhr-Loch verteilen wollten. Das war jedoch gar nicht so einfach, denn der Bus ruckelte und holperte über Stock und Stein und das Gleichgewicht im fahrenden S9 zu halten, wurde zur großen Herausforderung.

Nach insgesamt über vier Stunden Fahrt mit Pausen, vielen Witzen, wunderschöner Landschaft und netten Menschen näherten wir uns allmählich unserem Ausgangspunkt und dem Tagesziel: Ulm. Auf der Suche nach der letzten Stempelstation mussten wir kleine zeitliche Rückschläge hinnehmen, da wir uns im Bus nicht auf den richtigen Weg einigen konnten. Auf Nachfrage des Fahrers, wo denn das Setra-Werk liegen würde, wussten einige, es sei auf jeden Fall an der nächsten Kreuzung rechts. Andere schrien „WIR MÜSSEN LINKS“. Letztendlich erreichten wir unser Ziel und die Tour fand ein schönes Ende.

Resümierend bleibt zu sagen, dass es  ein wunderbarer Ausflug war und wir ihn alle sehr genossen haben. Auch wenn reisen heutzutage vermutlich weitaus komfortabler und schneller ist als noch im Jahre 1959. Der Setra Omnibus fuhr die übrigen Kilometer der Rallye noch zwei weitere Tage zu Ende – nur dieses Mal ohne uns.


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