Daimler Docs: Durch Wiedereingliederung zurück in den Job

Ein Auszug über die Arbeit eines Werksarztes der Daimler AG

NotarzteinsatzfahrzeugEnde letzten Jahres erhielt ich einen Anruf von einem derzeit kranken Mitarbeiters aus meinem Betreuungsbereich, dass er sich mit mir treffen wolle, um das weitere Vorgehen seines Wiedereingliederungsverfahrens zu besprechen.
Wiedereingliederung ist im Sozialgesetzbuch Fünftes Buch gesetzliche Krankenversicherung §74  festgehalten. Hiermit wird versucht arbeitsunfähige Kollegen nach längerer Abwesenheit wieder an den Arbeitsplatz zu integrieren. Meistens ist dies völlig problemlos, manchmal jedoch stellt sich dieses als äußerst kompliziertes umfassendes Unterfangen dar. Ursächlich hierfür sind meistens schwerere gesundheitliche Probleme wie z.B. Operationen, Krankheiten oder Unfälle.

Diese Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess erfolgt meistens stufenweise, so dass der Mitarbeiter schrittweise an die volle Arbeitsbelastung herangeführt wird, um so den Übergang zur vollen Berufstätigkeit zu erleichtern. Dies erfolgt über einen Zeitraum von durchschnittlich 3 Monaten, kann aber auch je nach Bedarf kürzer aber auch deutlich länger sein.

Wir trafen uns an seinen alten Arbeitsplatz in einem Werkteil des Werkes Untertürkheim.
Dort konnte ich auch zusammen mit dem Meister des Mitarbeiters gleich im Anschluss an das Gespräch mit dem Mitarbeiter den Arbeitsplatz besichtigen und eine arbeitsmedizinische Einschätzung (Gefährdungsanalyse) unter Berücksichtigung seiner gesundheitlichen Einschränkungen abgeben.

Was ist passiert? Ein Zeitsprung 3 Jahren zurück

An einem Sommertag des Jahres 2007 fuhr der Mitarbeiter frühmorgens mit seinem Rad zu seinem Arbeitsplatz. Plötzlich kam ein Auto aus einer Seitenstraße und nahm ihm die Vorfahrt. Er wurde von diesem Auto in die Luft geschleudert und stürzte schwer. Er erlitt mehrer Brüche des Gesichtes aber auch der rechten Schulter, des Schlüsselbeines und mehrerer Rippen. In diesem Falle war es sehr entscheidend, dass der Mitarbeiter auf dem Weg zur Arbeit war und somit dieser Unfall als Arbeitsunfall rechtlich bewertet wurde.

Unfallversicherung, Berufsgenossenschaft und Entgeltfortzahlung

In so einem Fall ist dann nicht die Krankenversicherung, sondern die Berufsgenossenschaft als Unfallversicherungsträger nach dem Sozialgesetzbuch Siebtes Buch zuständig.

„Die gesetzliche Unfallversicherung zählt zur gegliederten Sozialversicherung, sie ist ein „Versicherungszweig“. Ihr Zweck besteht darin, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten und nach Eintritt von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Versicherten mit allen geeigneten Mitteln wiederherstellen. Grundlage ist das Siebte Buch Sozialgesetzbuch (SGB VII), eine weitere wichtige rechtliche Grundlage bei Berufskrankheiten ist auch die Berufskrankheitenverordnung (BKV). Eingeführt wurde die Unfallversicherung erstmals im Rahmen der Bismarck’schen Sozialgesetzgebung („Unfallversicherungsgesetz“) im Jahre 1884.“

Die Berufsgenossenschaft (BG) unterstützt seither den Mitarbeiter seine Leistungsfähigkeit und somit seine Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen.

Der Mitarbeiter erhält nach Ablauf der Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber, dies sind 6 Wochen bei der Daimler AG je nach Betriebszugehörigkeit auch bis zu 2 Monate länger, ein Verletztengeld. Dies entspricht 80% des Regelentgelts (Bruttolohn) bei der Krankenkasse sind dies im Gegensatz 70% des Regelentgeltes.
Ihm wurde zusätzlich ein Berufshelfer seitens der BG zur Unterstützung der Rehabilitation zu Seite gestellt.
Die Unterstützung der BG ist natürlich nicht auf finanzielle Mittel beschränkt, sondern bezieht sich auch auf Heilmittelverordnungen (z.B. Krankengymnastik, Massagen) und Hilfsmittel (z.B. Bandagen), wenn ein Zusammenhang zum Arbeitsunfall besteht kann dieser Anspruch auch lebenslang anhalten.

Zurück zum Fall

Der Mitarbeiter hatte in den letzten drei Jahren mehrere schwerere Operationen über sich ergehen lassen müssen, teils mit nur mangelndem Erfolg. In diesem BG-Fall konnte der Mitarbeiter zu ärztlichen Spezialisten von BG-Kliniken überwiesen werden, so dass abschließend doch noch ein ordentliches medizinisches Ergebnis trotz des schweren Unfalles erzielt werden konnte.

Jedoch bleiben dem Mitarbeiter dauerhafte körperliche Einschränkungen wie z.B. eingeschränkte Beweglichkeit des Schulter-Arm-Systemes zurück. Auf Grund der körperlichen Einschränkungen und der immer wieder anstehenden Operationen war der Mitarbeiter schließlich mehr als drei Jahre arbeitsunfähig. Dies schlug natürlich auch auf die Psyche, so dass der Mitarbeiter nicht mehr richtig schlafen konnte, antriebslos und „schlecht gelaunt“ war und zusätzlich Probleme im zwischenmenschlichen Bereich auftraten.

Ich vereinbarte nach dem Gespräch mit dem Mitarbeiter, dass wir im Rahmen des betrieblichen Wiedereingliederungsmanagements einen runden Tisch anstreben sollten. Hierfür ist die Personalabteilung Bereich Intergrationsmanagement zuständig, die dieses parallel schon terminlich fixiert hatte. Im Rahmen des runden Tisches trafen sich Vertreter des Arbeitgebers (Personabteilung Integrationsmanagement), Vorgesetzter/Meister, Mitarbeiter, Berufshelfer BG, Betriebsrat, Werksarzt. Hier wurde das weitere Vorgehen der Wiedereingliederung des Mitarbeiters geplant. Die Arbeitsinhalte wurden angepasst. Es wurde eine 30% Montagetätigkeit, welche im Arbeitsvertrag noch neben der Systemführertätigkeit (Planung von Betriebsabläufen) festgeschrieben waren, gestrichen. Der Arbeitsplatz (Bürotisch) wurde zusammen mit der Abteilung CFM (Büroeinrichtung) auf die Bedürfnisse angepasst.

Nun stand der Arbeitsaufnahme nichts mehr im Wege. Wir vereinbarten eine stufenweise Wiedereingliederung, um eine langsame Anpassung an die wieder neuen Arbeitsbelastungen zu gewährleisten. Solange ist der Mitarbeiter weiterhin arbeitsunfähig geschrieben und kann Arbeitszeiten und Arbeitsinhalte optimal auf seine Belastungsmöglichkeiten anpassen.
Seitdem arbeitet der Mitarbeiter wieder einige Stunden am Tag und erhöhte schrittweise die tägliche Arbeitszeit von 2 auf 7 Stunden, so dass er nun wieder voll arbeitsfähig ist und die neu angepassten Aufgaben zu 100% erfüllen kann.

Die Wiedereingliederung konnte erfolgreich abgeschlossen werden und der Mitarbeiter konnte unter Anpassung der Arbeitsinhalte wieder zu 100% eingesetzt werden. Der Kollege meldet sich seither in regelmäßigen Abständen, um über den aktuellen Stand der weiterhin laufenden Rehabilitationsmaßnahmen seitens der BG zu berichten und betont immer wieder, dass es ihm seit der Arbeitsaufnahme deutlich besser gehe und er fast der „Alte“ sei.

Alle Beteiligten und nicht zuletzt der Kollege waren mit dem Ergebnis äußerst zufrieden.

Dr. Michael Willenborg
Werksarzt der Daimler AG


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