Wir sind Weltdokumentenerbe!

Benz-Patentschrift wird von der UNESCO geehrt

Wenn ich an Stummfilme denke, dann fallen mir als Erstes die Klassiker mit Charlie Chaplin oder Stan und Ollie ein. Doch der Film, der hier im Auditorium des Landesmuseums für Technik und Arbeit in Mannheim gezeigt wird, hat nichts mit Comedy zu tun – er hat historischen Wert. Beim Schnauferl-Treffen 1925 in München  aufgenommen, enthält er die einzigen Bewegtbildaufnahmen von Carl Benz. Gut gelaunt steigt er aus seinem Benz Victoria und schüttelt ein paar Hände. Die Aufnahme dauert nur ein paar Sekunden, aber eines wird deutlich: Benz als der Erfinder des Autos ist der Star des Treffens – und er genießt seine Rolle sichtlich. Begleitet  wird der Filmausschnitt von einer der vier letzten noch erhaltenen Stummfilmorgeln aus dem 20. Jahrhundert.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=lDUld58Ccjc

Es ist eine beeindruckende Einleitung für ein besonderes Event: Hier im Landesmuseum, oder auch TECHNOSEUM, findet heute die Urkundenverleihung anlässlich der Aufnahme der Benz-Patentschrift Nummer 37435 ins Weltdokumentenerbe der UNESCO statt. Knapp 300 geladene Gäste – darunter auch der Wirtschafts- und Finanzminister des Landes Dr. Nils Schmid, und Carl Benz’ Urenkelin Jutta Benz,  –  sind gekommen, um diesen Moment mitzuerleben. Auch wir als Praktikanten aus den Bereichen Politik und Außenbeziehungen und Kommunikation haben uns die Einladung zu diesem wichtigen Ereignis der Unternehmensgeschichte nicht zweimal sagen lassen.

Seit 1992 wählt die UNESCO Dokumente mit besonderer historischer Bedeutung für die Aufnahme in das Weltregister aus. Insgesamt 238 Dokumente, von der Magna Carta über den Azteken-Codex in Mexiko bis hin zum Film „Der Zauberer von Oz“, zählen zum „Gedächtnis der Menschheit“. Zu den 13 deutschen Beiträgen gehören unter anderem Goethes literarischer Nachlass, Beethovens Neunte Sinfonie und Grimms Märchen  –  und seit Mai dieses Jahres auch das Benz-Patent. Zusammen mit 80 Dokumenten stellte sich das „Carl Benz-Patent von 1886“ einer internationalen Jury, 45 der Bewerbungen – darunter die zweite deutsche Bewerbung „Dokumente zum Bau und Fall der Berliner Mauer und die Zwei-Plus-Vier-Verträge“ – wurden für würdig befunden.

Auf der Bühne nimmt Dr. Zetsche gerade die Urkunde zur Aufnahme ins „Gedächtnis der Menschheit“ von Walter Hirche, dem Präsidenten der Deutschen UNESCO-Kommission in Empfang, und beginnt seine Dankesrede.

Doch trotz allen Feiern ist nicht zu vergessen: Der Weg zum Weltdokumentenerbe war holprig. Davon zeugen die weiteren Dokumente, die gemeinsam mit der Patentschrift aufgenommen wurden. Neben dem Patent für das „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ enthält dieses „Benz-Konvolut“ den Briefwechsel des Ingenieurs mit dem Großherzoglichen Bezirksamt Mannheim. Erst 1893 wurde dem Tüftler die „Genehmigungsurkunde zum Befahren der öffentlichen Straßen und Wege des Großherzogtums mit dem Patent-Motorwagen Benz“ erteilt – Bertha Benz´ berühmte Fahrt von 1888 war also streng genommen illegal. Ebenfalls Teil der Sammlung ist der allererste Automobilprospekt. Ein Patent-Motor-Wagen „Benz“ war demnach für 2.800 Mark zu haben. Heute zahlt man für einen Nachbau gut 60.000 Euro.

Zurück im TECHNOSEUM: Der offizielle Teil der Veranstaltung neigt sich langsam dem Ende und die Gäste machen sich auf den Weg in Richtung Sektempfang. Doch zuerst werden am Ausgang noch Nachdrucke der Patentschrift verteilt. Auch ich lasse mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen und greife zu. Das ist sie nun also – die „Geburtsurkunde des Automobils“. Auch wenn es nicht das Original ist, habe ich das Gefühl, ein Stück Geschichte in der Hand zu halten. Auf dem Deckblatt prangt der Adler des kaiserlichen Patentamts und im Anhang finden sich Skizzen des ersten Autos überhaupt. Dazu wird auf einer knappen Seite der Wagen beschrieben und seine Funktionsweise erklärt. Die wichtigste Stelle im Text ist rot markiert: „Ein kleiner Gasmotor, gleichviel welchen Systems, dient als Triebkraft.“ Kleiner Satz, große Wirkung: Kaum eine Erfindung hat das Leben der Menschen so nachhaltig geprägt wie das Auto. Ein „wahrlich historischer Moment“, wie Minister Dr. Schmid in seinem Grußwort festgestellt hat. Dank Carl Benz ist der Traum der individuellen Mobilität in Erfüllung gegangen. Auch die UNESCO kommt zu dem Schluss, dass das Auto „von größter wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung“ für eine Industrienation ist. Kein Wunder also, dass die Patentschrift ihren Platz im Weltdokumentenerbe gefunden hat – trotz eines gewissen „Außenseiterstatus“, den es als technisches Dokument einnimmt.

Beim Sektempfang im Untergeschoss des Museums prosten sich Dr. Zetsche, Minister Dr. Schmid und der Mannheimer Oberbürgermeister Dr. Kurz in gelöster Atmosphäre zu. Hier ist auch der Benz-Patentwagen ausgestellt – da darf ein Erinnerungsbild mit Jutta Benz und den Herren für die Presse natürlich nicht fehlen. Ich schnappe mir „meine“ Patentschrift und vergleiche die Skizzen mit dem Nachbau. Mal gucken, ob auch alles stimmt. Gleich neben dem Patentwagen steht eine B-Klasse F-CELL. Es ist eines der drei Fahrzeuge, die beim World Drive über 30.000 Kilometer rund um den Globus zurückgelegt haben, die erste lokal emissionsfreie Weltumrundung mit einem Auto.

Die Vergangenheit und die Zukunft des Autos stehen hier im TECHNOSEUM direkt nebeneinander. Die beiden Autos könnten unterschiedlicher kaum sein, und doch haben sie einiges gemeinsam: Bertha Benz hat mit dem Patentwagen die erste Langstreckenfahrt von Mannheim nach Pforzheim unternommen und damit der Öffentlichkeit die Alltagstauglichkeit der neuen Technologie bewiesen. Genau dasselbe Ziel hatte auch der World Drive der B-Klasse F-CELL. Auch hier hat Daimler  die Funktionalität einer neuen Technologie bewiesen. Und wer weiß, vielleicht sorgt Daimler dafür, dass die Benz-Patentschrift in den nächsten Jahren Gesellschaft im Weltdokumentenerbe bekommt!?

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

Sandra Hennig (Politik und Außenbeziehungen) und Pascal Simon (Kommunikation)


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