„Daimler-City“ rockt

Im Bus war es zunächst ein stilles Geheimnis. Ein verstohlener Blick, ein Schielen aus dem Augenwinkel, ein leiser Verdacht. Und das Gefühl, dass diese Leute normalerweise Auto fahren würden. Aber an diesem Tag war alles anders. Mit jeder Haltestelle wurde es immer deutlicher. Und als der Bus am städtischen Zoo vorbeizog, und sie immer noch da waren, wurde mir klar: Sie und wir haben das gleiche Ziel. So wie wahrscheinlich 90.000 andere aus allen Himmelsrichtungen an diesem Tag. Und irgendwann, als es angesichts des rosa T-Shirts mit Mercedes-Stern bei dem kleinen Mädchen vor mir und dem Orga-Band um den Hals bei mir selbst quasi unumgänglich wurde, brach das Eis und man kam miteinander ins Gespräch. „Kommen deine Freunde heute auch zu Mercedes? Julia und Anna sind auch da…“ Es folgten amüsierte Blicke der Eltern, die sich immer noch nicht trauten, sich am Gespräch zu beteiligen. Vielleicht wirkt das Namensschild zu formell. Aber was soll’s, das Namensschild bleibt dran, ich bin ja auch stolz drauf, dazuzugehören. Und auch darauf, heute wieder in einer Mission unterwegs zu sein – als „rasende Reporterin“. Na, jedenfalls wären die Kleine und ich sicher Freunde für’s Leben geworden, wenn wir nicht alle an der Mercedes-Straße hätten aussteigen und uns in die Besucherströme einreihen müssen. Völkerwanderungen sind ja heute nicht mehr so in Mode, aber dieser Anblick war schon etwas Besonderes.

Während meiner Zeit in Berlin ist mir immer wieder der Begriff „Benz-Town“ begegnet. Der wurde ganz selbstverständlich benutzt, wohl die feinen regionalen Unterschiede nicht kennend und nicht wissend, dass Carl Benz in Karlsruhe geboren ist und höchstens Mannheim diesen Namen verdient. Und auch nicht ahnend, dass die Schwaben und Badener hier durchaus empfindlich reagieren können. Aber „Daimler-City“ trifft es an diesem Tag perfekt, wie ich finde, denn: Zu keiner anderen Großveranstaltung habe ich jemals so viele Menschen „wandern“ gesehen. Dass für „Schwaben“ Arbeit von zentraler Bedeutung ist und alle Gespräche zumindest lateral tangiert, ist kein Geheimnis. Das Äquivalent zur Frage „Wo wohnst Du?“ in Berlin ist in Daimler-City die Frage „Was machst Du?“. Und wenn eines deutlich wurde an diesem Tag, und einem fast Gänsehaut bereitete und Tränen in die Augen trieb, ist es der Stolz, der diese Menschen erfüllt, „beim Daimler“ zu arbeiten.

An einem so sonnigen Tag geht man nicht mit Ehepartner, Kinder, Großeltern, Tanten, Onkel und Freunde zum Jubiläumsfest des „Erfinders des Automobils“, weil man sonst nichts Besseres zu tun hat. Sondern weil man sich auf diesen Tag gefreut hat und stolz drauf ist, seinen Kindern seine Arbeitsstätte zu zeigen und auch die Produkte, die diese Firma nun schon seit 125 Jahren erfolgreich entwickelt und produziert.

Und freuen konnten sich in der Tat alle darauf. Ein tolles Programm mit fünf riesigen Open-Air Bühnen erwartete die Besucher. Laith Al-Deen, Frida Gold und Die Happy waren nur einige Namen, die zeigten: dieses Fest war nicht irgendeins. Sondern ein großes Dankeschön an die Belegschaft, die mit Stolz, aber vor allem auch mit Gewissenhaftigkeit, Fleiß und Ideenreichtum jeden Tag ihr Bestes gibt. Ein abwechslungsreiches Strassenprogramm für alle Altersklassen erwartete die Besucher. Neben Tango-Workshops, Pedalo-Mobile und Bastelstationen, Kletterwände und Trampolin-Springen für Kinder konnten die Besucher auch Einblick in die technischen Errungenschaften des Unternehmens bekommen. Historische und aktuelle Fahrzeuge aller Produktgruppen waren auf dem Werksgelände ausgestellt. Nicht überraschend, dass die Blicke beim neuen Actros steil nach oben gingen und die Besucher beim Concept A-Class sich kaum lösen konnten. Auf der Einfahrbahn ging es mit dem Bus in die Steilkurve. Und im Rahmen von Genius-Workshops konnten Kinder spielerisch mit den Grundprinzipien der Physik und Chemie vertraut werden. Aufgabe war zum Beispiel, einen Airbag für ein rohes Ei zu basteln. Oder mit Unterstützung der Profis ein Auto mit Brennstoffzellenantrieb in Miniatur zu bauen. Überall zog sich das Thema „125! Erfinder des Automobils“ durch. Mit den Antworten auf Quiz-Fragen zur Geschichte konnte man drei Mercedes-Benz Fahrräder gewinnen, historische Pfade leiteten die Besucher vom Benz Patent-Motorwagen bis zum Forschungsfahrzeug F800 und eine Ausstellung von gemalten Bildern von Mitarbeiterkindern zeigte kreative Visionen der automobilen Zukunft. Mein Favorit: das natürliche Gras-Auto.

Von alldem habe ich allerdings zunächst nicht viel mitbekommen. Meine Herausforderung war: Wie schaffe ich es, in drei Stunden an 90.000 Leuten vorbei rund 10 Kilometer zurückzulegen? Und das ohne jegliches Training vorab. Hierbei handelte sich nicht um einen Firmenlauf, sondern um meinen Reporter-Job an diesem Abend. Vor dieser Aufgabe steht man zwangsläufig, wenn man an fünf Bühnen, die über eine geschätze Distanz von zwei Kilometern verteilt sind, zu unterschiedlichen Zeitpunkten fotografieren und Leute interviewen möchte. Da bleibt nichts anderes übrig als ein Wettlauf gegen die Zeit: Hin zu den Security-Leuten, die hehre Absicht und Dringlichkeit der Situation glaubhaft versichern, Absprerrung bei Seite ziehen und „rennen, was das Zeug hält“. Den Fotoapparat immer gut sichtbar vorne dran – was bei der Feuerwehr die Sirene ist, so scheint mir jetzt, ist beim Reporter die Ausrüstung. Und hoffen, dass es wirkt.

Gewinnerinnen Aicha des GazellesEs hat gewirkt. Besonders gerne habe ich meine zwei Kolleginnen, Siegerinnen der Wüstenrallye „Aicha des Gazelles“, bei der JubiläumsNacht in Untertürkheim getroffen. Sie berichteten über die Rallye, die von Frauen für Frauen organisiert ist, und über ihre Erfahrungen mit einem Mercedes-Benz Vito in der Wüste von Marokko. Diese zwei sportiven Damen können theoretisch einen Reifenwechsel in der Wüste mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen und im Handumdrehen meistern. Und ohne lang zu überlegen, kletterten sie auf das Dach „ihres Siegerfahrzeugs“ und legten den legendären „Vito-Dach-Sieger-Sprung“, diesmal in den Untertürkheimer Nachthimmel, hin. Man hatte das Gefühl, die zwei könnten nicht nur die Wüstenrallye erneut gewinnen, sondern auch weitere Kunden für unsere Fahrzeuge.

Noch eine weitere Überraschung bot der Abend. Nachdem Dr. Dieter Zetsche  nicht da sein konnte – an sich nicht weiter ungewöhnlich, denn schließlich ist er ja ein vielbeschäftigter Mann – bedankte er sich per Video bei seinen Mitarbeitern und Kollegen. Zunächst ganz „vorstandslike“ aus dem schwarzen Chefsessel, um dann noch eine Runde durch die Werkshallen zu drehen. Er lief an Kollegen aus der Produktion vorbei, schüttelte Hände, klopfte auf Schultern, verteilte „Thumbs-Ups“. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie aufgeregt und erfreut die Kollegen waren, die an diesem Video mitgewirkt haben – ich jedenfalls wäre es gewesen.

Nach rund 10 Kilometern Dauerlauf im Werk, spannenden Gesprächen mit Kollegen und einem tollen Open-Air Konzert beende ich meinen Reporter-Job und steige mit gefühlt tausenden anderen Menschen in die Bahn. Und beschließe: das Daimler-Namensschild bleibt dran.


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