Wir sind die Coolsten wenn wir cruisen…

16 Sek., 17 Sek., 18 Sek., … noch 10 Meter und Durchfahrt Lichtschranke. Haben wir nun die Distanz in der vorgeschriebenen Zeit durchfahren? Oder waren wir  einen „Hauch“ zu schnell? Jede Fehlsekunde gibt schließlich Strafpunkte. Wir werden es erst bei der Siegerehrung erfahren.

Haben Sie schon einmal an einer Rallye teilgenommen? Ich auch nicht und umso gespannter war ich, was mich bei der 2. Youngtimer Tour 2011, veranstaltet durch die „AUTO ZEITUNG“, erwarten würde. Bei der Tour durch die Eifel sind Fahrzeuge bis einschließlich Baujahr 1991 zugelassen, darunter viele, die bereits als Klassiker gelten. Auffallend war das starke Engagement von Volkswagen Classic, die mit einer Vielzahl von Fahrzeugen angetreten sind. Somit war klar, Mercedes musste „Flagge“ zeigen und schickte einen wunderschönen SL 300 Cabrio Baujahr ´88  mit Jörg Zwilling als Fahrer und mir als Copiloten ins Rennen.

Am Vorabend wurde das Auto angeliefert und ich konnte eine erste Sitzprobe vornehmen. Ein Turnschuh könnte nicht besser passen. Um überhaupt an den Start gehen zu können noch schnell die technische Abnahme durch den TÜV durchführen lassen und anschließend einfinden zum obligatorischen Beifahrer-Briefing.

So langsam begann es mir zu dämmern, der Beifahrer wird eine Schlüsselrolle einnehmen, um in den vorderen Rängen mitzuspielen. Nichts also, mit einem entspannten Samstag Nachmittag Ausflug, wie ihn bereits die „Massiven Töne“ besungen haben:  „Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen, wenn wir durch die City…“.

Nein, das sonnen im Cabrio und dabei schön die Gegend genießen, konnte ich mir abschminken. Und so standen wir mit Stoppuhr und Roadbook bestückt am nächsten Morgen in der Startreihe zwischen Mitstreitern im Opel Commodore GS Coupé, Volvo P1800 ES und weiteren schönen Youngtimern aus Privater- oder Unternehmenshand.

Der Startschuss war gefallen und nach einem „warm werden“  mit dem Auto, dem Roadbook und  vor allem der Verständigung zwischen Fahrer und Beifahrer stand bereits die erste Gleichmäßigkeitsprüfung an – 100m in exakt 18 Sek. Hut ab, mein Fahrer hat Gefühl im Fuß. Einer guten Platzierung kann also nichts im Wege stehen, wenn….
Bei Gleichmäßgkeitsprüfung 3 war es dann schon soweit. Ja es war mein Fehler, aber wer liest auch schon tatsächlich das Kleingedruckte. Positiv formuliert, hatten wir jetzt doch verstärkt Gelegenheit uns etwas mehr auf die schöne Landschaft zu konzentrieren und so verlief der Rest der Tour zwar mit einer ordentlichen Portion „Wettkampfgeist“, aber ohne verbissenen Ergeiz. Wahrscheinlich ist genau dies das Geheimnis.
Locker aus dem Stand fuhren wir auf Platz 15 von über 90 Teilnehmern und konnten uns so dann doch am Montag ohne „Gesichtsverlust“ im Büro blicken lassen.
Mich jedenfalls hat das Rallye-Fieber gepackt und ich hoffe, dass dies nicht meine erste und letzte Rallye war.


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