Der Meister und Gianmaria

Ju-hu-ni! Und gleich ein Feier-, ein freier Tag! Himmel-Fahrt … Aus-Fahrt … Ludwigsburg Nord. Ziel: Palais Grävenitz. In der Tasche eine Karte für eine öffentliche Probe. Die hab ich vor drei Wochen im IntraNet ergattert.

Song ConversationWie war das möglich? Daimler ist ein Sponsor der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Die Sponsoren erhalten als Dankeschön Angebote zum Besuch bestimmter Konzertproben. Die wurden bei uns im Mitarbeiter-Portal ausgeschrieben. Und ich hatte Glück, denn …

… eigentlich wollte ich im Portal nur nachsehen, wie’s dem verbrannten Parkhaus geht, aber drunter (b)linkt’s: Ludwigsburger Schlossfestspiele. Musik ist Trumpf à klick … Ah, Oh, Ah-temstillstand: Nguyên Lê – der Überirdische! Genau über diesen Programmpunkt war ich schon im März gestolpert, als ich im offiziellen Veranstaltungskatalog geschmökert hab. Aber die Konzerttermine waren ungünstig … die angekündigten Mitmusiker womöglich gar nicht meine Wellenlänge … und das Motto merkwürdig: Song Conversion … sollten da Songs durch den Wolf gedreht werden?

Viertel vor acht: Ich betrete das Palais. Mit der Probe, erfahre ich, wurde schon nachmittags begonnen. Grrrrr … wär ich bloß früher losgefahren! Ich balanciere ein Gläschen Prosecco die glatt polierte Holztreppe hinauf und schleiche mich in einen mit blaugrüner Seidentapete ausgeschlagenen Salon, wo der Meister und Gianmaria Testa bei der Arbeit sind. Die Hälfte der Zuhörerplätze ist bereits besetzt. Ich sortiere mich ein.

Erstmal gucken … ein ausgesprochen schöner Raum! Von der Decke hängen zwei milchig schimmernde Murano-Leuchter. Blaue Glühbirnen; frech. Die Tapete zart mit chinesischen Motiven in Rostrot bedruckt. Die Wand zwischen den zwei großen Sprossenfenstern am Kopfende des länglichen Raumes ausgefüllt von einem gold gerahmten, leicht erblindeten Spiegel. Die beiden Musiker mit ihren Gitarren spiegeln sich, und auch die beiden Fenster von der anderen Schmalseite des Raumes. Neben mir, an der Längsseite des Raumes, ein Kamin, in weißem Marmor gefasst. Praktisch … kann ich mein Glas abstellen.

Jetzt die Ohren an! Gianmaria Testa singt, und es öffnet sich die Schublade vom Conte Paolo. Sonst kenn ich von der italienischen Szene anscheinend nix. Die angespielten Songs fesseln, unterhalten, berühren; jedes einzelne Lied eine Welt für sich. Testa, eine kernige Erscheinung, verströmt erdiges Kolorit; vermutlich wegen der rauen Stimme und seiner ungezierten Art Gitarre zu spielen. Und Lê, der Beispiellose? Stürmt auf seinen Saiten himmelwärts, verleiht den Liedern Flügel, kleidet sie in die erstaunlichsten Gewänder … und verliert trotzdem nie den Bezug und bleibt – selbst wenn er laut wird – Hintergrund. Übersinnlich seine Begleitung zu Falling In Love Again … ganz neue Dimensionen tun sich auf. Und ich begreife: Conversion!

Schade nur, dass der freundliche Herr, der das Publikum durch den Abend führt, aussprechen muss, dass das Motto Song Conversation lautet. Paff! Der Zauber ist geplatzt.

Sehr schade auch, dass die Probe um neun schon zu Ende ist. Zu früh, um heimzufahren. Der Sommerabend lädt ein, die Stadt zu erkunden. Die Lieder wirken nach, bis in stille backsteinkasernenbestandene Quartiere. Nur die Mauersegler sind zu hören, die in der Dämmerung verwegen und kreischend den Himmel stürmen; so kühn wie Meister Lê. Eindringlich begleitet vom Duft der Linden. … Rollentausch?… Song Conversion? … Immerhin hab ich jetzt eine Ahnung davon, was ich mit dem Konzert versäumen werde. Ein Gewinn und ein Verlust. Auf jeden Fall aber ein wunderbarer Abend.


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