Erfahrungen fürs Leben

20 Auszubildende der Betrieblichen Ausbildung aus Sindelfingen wechselten sich über fünf Wochen in der Vesperkirche in Stuttgart ab – darunter auch wir!

GrößenänderungGehrmann_RougoorDer Sinn des einwöchigen Sozialprojektes während der Ausbildung bestand darin, unsere Sozialkompetenzen zu steigern und uns die Möglichkeit zu bieten, einmal über den Tellerrand des Berufslebens hinaus zu schauen.

So trafen wir uns also mit gemischten Gefühlen um 8.50 Uhr an der S-Bahn Haltestelle Goldberg. Der Beginn einer spannenden Woche! Zu diesem Zeitpunkt war uns noch nicht bewusst, welche positiven aber auch erschreckenden Erfahrungen wir machen würden. Nachdem wir in Stuttgart in der Leonhardskirche angekommen waren und uns ein wenig umschauen konnten, wurden um 10.00 Uhr nach einem kurzen Segen die Dienste für den anstehenden Tag eingeteilt.

Da wir in der ersten Schicht keinen Dienst hatten, beteiligten wir uns am Vesperbrote schmieren, welche mittags um 16.00 Uhr ausgegeben wurden.

Dabei gab es ziemlich viel zu beachten. Zum einen sollte das Brot nicht all zu hart sein und wir mussten darauf achten, dass immer genügend Butter auf den Broten war. Mit der Wurst und dem Käse mussten wir auch nicht sparen! An den unterschiedlichen Stationen  kamen wir mit bereits langjährigen Mitarbeitern ins Gespräch und  erfuhren, was viele dazu veranlasst hat, sich jedes Jahr zu einem freiwilligen, sozialen Dienst zu melden. Zum einen bot die Vesperkirche Obdachlosen in dieser Zeit die Möglichkeit sich aufzuwärmen und zum anderen fanden Ausgegrenzte und Einsame eine Heimat. Viele waren dafür sehr dankbar.

So auch für das Essen, welches täglich von 11.00 Uhr – 14.30 Uhr für 1,20 Euro angeboten wurde. Jeden Tag gab es eine deftige Mahlzeit, die vor allem an kalten Wintertagen gut ankam. Besonders in Erinnerung blieb uns ein Mann, der für sich und seinen Hund jeweils immer eine Portion bestellte.
Die Hunde sind meist treue und einzige Begleiter vieler Besucher der Vesperkirche.

Eine weitere Station in der Kirche war die Getränkeausgabe. Das komplette Angebot an Getränken wurde kostenlos verteilt. Bei der Ausgabe kam es einmal zu einer kleinen Auseinandersetzung, da ein Besucher nicht einsehen wollte, dass er eine neue, gespülte Tasse für das Nachfüllen benötigte. Nachdem ein Diakon ihm erklären konnte, dass es aus hygienischen Gründen notwendig war, ließ sich der Besucher letztendlich doch überzeugen.

Ein besonderer Service der Vesperkirche waren ein Frisör und ein Tierarzt, die einmal wöchentlich kostenlos ihre Dienste angeboten haben. Außerdem kümmerte sich täglich ein Arzt um die Gäste und jeden Sonntag konnten die Kirchenbesucher an einem kleinen Kulturprogramm kostenlos teilnehmen.
In der gut organisierten und strukturierten Vesperkirche haben wir viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln können. Das Zitat von Pfarrerin Karin Ott „Unser Land ist wohlhabend. Trotzdem wächst die Armut stetig. Immer mehr Menschen können immer weniger am Wohlstand und am gesellschaftlichen Leben teilhaben.“ beschreibt die Notwendigkeit der Vesperkirche sehr gut. Dieses Sozialprojekt hat uns gezeigt, dass nicht alles im Leben selbstverständlich ist und man schnell auf solch eine Einrichtung angewiesen sein kann.

Denise Gehrmann & Heleen Rougoor

Auszubildende zur Industriekauffrau


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