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F-CELL World Drive5Die Brennstoffzelle umrundet die Welt – eine Abschlussbetrachtung aus Sicht des Projektleiters

Alle waren gedanklich schon in der Sommerpause als Hr. Prof. Kohler, Umweltbevollmächtigter der Daimler AG, mich Ende Juli 2010 anrief und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, mit Brennstoffzellenautos um die Welt zu fahren — die Idee käme von ganz oben. Meine spontane Rückfrage „Ich ?“ zeigt mir heute, daß die technische Machbarkeit für unsere B-Klasse F-CELL eigentlich nie wirklich in Frage stand. Es kam anders, VIELE fuhren um die Welt – auch ich – und für mich startete das aufregendste Projekt meines Lebens.
Was mir als zweites durch den Kopf ging, war die Wasserstoffversorgung – sicher die größte Herausforderung der Tour.

Wie wir das wohl hinbekommen, wo es doch jetzt nur erst ein paar Tankstellen weltweit gibt? Wir fragen Linde – ohne die geht es sowieso nicht.

Wie kann man so etwas organisieren? Ressourcen, Experten, Zeitplan? Partner – wer hat mit so etwas denn überhaupt Erfahrung? Der Adrenalinspiegel steigt.

Die Vorbereitung
Nun sollte man ja meinen, daß es für all die vielen Fragestellungen Experten gibt, die die Antworten haben, aber mitnichten. Bei jedem kniffligen Problem gab es 3 verschiedene Antworten sei es internationale Logistik, Zollprozesse oder Zertifizierungsfragen außerhalb der Triade. Hoffentlich entscheiden wir uns für die richtigen Antworten, denn es kann nur ein Ergebnis geben: Ankommen in Stuttgart nach 125 Tagen, wir sind ja Mercedes! Also Planungsprämisse für den Routenverlauf: The convoy never stops ! Never ! Das Adrenalin steigt weiter.

Wir haben ja zum Glück ein klasse Entwicklungsteam, das schon so manches Event auf die Beine gestellt hat – also alle Experten an einen Tisch. Ab jetzt galt Ausnahmezustand – wir planen den World Drive. Es werden Projektunterstützer geholt, Wasserstoff-Tankstellen in Sprinter entwickelt, F-CELLs ausgewählt, Begleitfahrzeuge beschafft, Ersatzteile gelistet, bestellt  und gesammelt, Flugzeuge (1 Jumbo nur für uns !) und Lkw (passen die in den Jumbo?) beplant, Anhänger bestellt („paßt nicht rein, nochmal, kleiner“), Betankungskonzept erstellt, Routenteile auf der ganzen Welt abgefahren, Tankplätze ausgekundschaftet, Gesetzgebung zum Tanken geprüft, Partner in den schwer zugänglichen Ländern gesucht, Kommunikationskonzepte erstellt, Fotographen und  Kameramänner gesucht, Journalisten gelistet und nicht zuletzt – die Auswirkungen auf laufende Projekte gemeldet. Fahren wir lieber nach Osten oder Westen? Keine Zeit für lange Diskussionen, am 29.01. ist Abfahrt, entscheiden und nächstes Thema. Wenn das man gut geht!

Die Teilnehmer gehen schon mal zum Impfen – ziemlich schwierig, wenn die Route noch nicht klar ist. Die Werksärztin verzweifelt – „Hr. Niestroj, gegen was soll ich denn so impfen?“.

Die Tour
Nachdem wir jeden relevanten internen Prozeß auf seine Maximalbeschleunigung gebracht hatten, konnte es endlich losgehen. Nach dem Briefing Day waren alle heiß und wollten endlich losfahren. Das erste Team macht sich Sonntag morgen um 8 Uhr bei -9 Grad auf den Weg. Die Kalifornier lehren uns, daß es cool ist, den Tank mit Vollgas leerzublasen, die Chinesen wussten es vermutlich nicht besser. Nach einigem Eingerüttel wird es dann ab Südfrankreich endlich Genuß – ein schlafloser allerdings. Die Autos fahren klasse, die Journalisten halten sich an die meisten Regeln und die Motivation im Team wächst – bis hin zur Begeisterung. Das wird klasse und wir haben gerade erst angefangen!

httpvh://www.youtube.com/watch?v=Kk-Il-oAN7c

In Miami springt der Funke dann über auf das neue Team. Auch hier werden Reifenpannen, geborstene Windschutzscheiben, kritische Fire Marshalls, Sonderwünsche der Journalisten und Teambildungsthemen mit Bravour gemeistert. Unser Fuel Cell Team aus Long Beach hat ganze Arbeit geleistet. Wir schaffen es mit 20 Fahrzeugen nach 7000km auf den Tag genau nach Vancouver, das Segelschiff von Mike Horn kann da nicht mithalten.

Down Under wartet auf uns, wieder wird ein Jumbo über Nacht von uns beladen, diesmal fliegen unsere Experten darin mit. Zwischenstopp in Honolulu, aber nur zum Tanken!

Die Profis vom MSR Team in Australien machen unseren Trip durch das Nullarbor zu einer Tour unter Freunden. Jetzt haben wir schon Erfahrung, die Abläufe sind klar, wir zeigen mit Stolz die Zukunft des Automobils. 37 Grad, viel Sand, 1 Millionen Fliegen, aber kein Känguruh! „Is this what you call work?“ fragt Geoffrey.

Jetzt kommt das Nonplusultra, China, das dunkle Kapitel. Alle Aussagen der chinesischen Behörden aus der Planungsphase wurden mindestens einmal revidiert, geändert, verschärft. Unsere Rallye-erfahrenen Guides kennen ihre Pappenheimer und wir erreichen gerade noch rechtzeitig die Events der Shanghaier Automesse. Die Lkw per Schiff aus Deutschland sind auch fast vollständig angekommen, noch schnell ein paar chinesische Führerscheine eingesteckt, Autokennzeichen auf Papier gedruckt und es kann losgehen. Verkehr und Straßenzustände machen die chinesische Etappe zu der langatmigsten und sicher exotischsten Herausforderung auf der Tour. Bis zu 150km lange Baustellen wechseln sich ab mit perfekten 3-spurigen Autobahnen.

Die letzte Teamübergabe findet in Kasachstan statt. Dann geht es mit großen Schritten nach Hause. Den einzigen Blechschaden an den F-CELLs beschert uns ein schläfriger Kasache mit seinem Lada SUV. Aber die weltweite Mercedes Familie hat auch in Kasachstan die wichtigsten Ersatzteile auf Lager, am nächsten Tag ist das F-CELL wieder im Einsatz. Nachdem die Technik so gut funktioniert, ist unser Konvoiteam schon heiß darauf, mal wieder etwas zu reparieren. Die letzten Tage fahren sich wie im Flug, rein nach Europa, schnell durch Skandinavien und rein nach Deutschland. Nach über 30.000km Strecke will eigentlich jeder weiterfahren: ist es wirklich schon vorbei? Ist nicht noch ein Kontinent übrig?

Das Fazit
Was nehmen wir alle mit aus dem F-CELL World Drive? Geht nicht – gibt’s nicht, wenn alle zusammenhalten; Mercedes hat der Welt gezeigt wie die Zukunft aussieht; wir grüßen Bertha Benz von der A6 nach Mannheim und fahren die Babys durchs Remstal nach Hause. War doch gar nicht so schwer. Was für ein Trip!
Danke Mercedes, dass wir dies erleben durften.

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Auch wir – das Blog Team – möchten an dieser Stelle „Danke“ sagen, für dieses tolle Projekt und die Möglichkeit ein Thema Fachbereichsübergreifend über Blogs, Twitter und Facebook zu unterstützen und so das Gefühl gehabt zu haben, virtuell an der Fahrt rund um die Welt teilgenommen zu haben.

Danke auch an die Manschaft und die vielen Beteiligten rund um die Tour. Ein emotionsgeladenes Video zeigt, dass diese Tour und ihre Eindrücke noch lange in den Köpfen der Menschen, die sie erlebt haben , bestehen wird.


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