Azubis im sozialen Außeneinsatz

Auszubildende bei Daimler werden nicht nur fachlich gefördert – auch die Entwicklung sozialer Kompetenz ist ein wichtiger Aspekt in der Ausbildung. Aus diesem Grund ist ein Entwicklungsworkshop im ersten und zweiten Lehrjahr ein fester Bestandteil der Berufsausbildung. Bei der gemeinsamen Arbeit an einem gemeinnützigen Projekt lernen die Azubis im Team zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. In diesem Jahr unterstützten Daimler Azubis die Bürger des Ortes Schiffrain tatkräftig beim Umbau des Dorfplatzes:

GrößenänderungIMG_9227„In der Sozialpädagogik wird versucht, die Eigenverantwortung eines Menschen und damit seinen selbstständigen Umgang mit allgemeinen Lebenslagen in der Gesellschaft zu stärken.“ (Wikipedia) Unsere Eigenverantwortung und Eigeninitiative begann schon am ersten Tag. Hier traf sich die Berufsgruppe am Montag, 2. Mai, im Gebäude 1 in Esslingen-Brühl, um planerische Tätigkeiten durchzuführen. Durch Verteilung von Aufgaben, Diensten und die Besprechung des Arbeitsablaufs gewährleistete man einen möglichst reibungslosen Ablauf des Lehrgangs. Am Ende des Tages ging jeder Azubi mit gemischten Gefühlen und Erwartungen nach Hause, da er nicht wusste was ihn erwarten würde.

Am nächsten Tag traf sich die gesamte Gruppe auf dem Mettinger Parkplatz. Schon dort wurde jedem auf Grund der Temperaturen und des Wetters bewusst, dass die bevorstehenden Tage nicht unter gleichen Bedingungen ablaufen würden, wie der Sozialpädagogische Lehrgang am Montag mit den Planungen für die folgende Woche startete.

Die gefühlte Temperatur sank ein weiteres Mal, als die luftige Unterkunft in Empfang genommen wurde: Eine leerstehende, unbeheizte und teils löchrige Scheune, die am Dorfende der 120 Seelengemeinschaft Schiffrain (Gemeinde Oppenweiler) liegt. Nach kurzem Ausladen des Gepäcks ging es auch direkt zur Baustelle, die in nur drei Tagen von uns zum Dorfplatz gemacht werden sollte. Freundlich vom Bürgermeister Herrn Steffen Jäger empfangen, stellte sich auch das restliche Team um den Zimmermann Herrn Markus Handrick und Bauleiter Claus Kübler vor. Nach kurzer Besprechung des Wochenablaufs ging es auch schon mit vollem Einsatz los. Ein Teil der Gruppe kümmerte sich um das Fundament: Zuerst wurde die Grube mit grobem Schotter aufgefüllt und mit Hilfe einer Rüttelplatte verdichtet. Später füllten wir sie mit feinerem Splitt auf. Dieser wurde akribisch eben abgezogen. Auf diesen Untergrund verlegten wir Pflastersteine.

Parallel zu diesen Arbeiten bereitete der zweite Gruppenteil die Holzbalken vor: Sämtliche Holzbalken mussten zweimal gestrichen werden. Dies war auf Grund des nicht einschätzbaren Wetters eine zeitliche Herausforderung.

Nach einem arbeitsreichen Morgen stand der Mittag an. Verpflegung erhielten wir vom Wilhelmsheim, einer Suchtklinik, die lediglich 5 Minuten zu Fuß entfernt liegt. An dieser Stelle sollte man die Gastfreundschaft der Klinik hervorheben. Gestärkt durch das reichhaltige Mittagessen oder auch kurze Schlafeinheiten wechselte die Gruppe ihre Arbeiten selbstständig durch, so dass jeder die Chance wahrnehmen konnte, verschiedene Tätigkeiten zu verrichten. Bis zum späten Nachmittag wurde durchgearbeitet.

Das Ergebnis ließ sich sehen: Der erste Querbalken stand auf dem fast fertig verlegten Steinboden.

Am Abend blieb noch kurz Zeit für die Einrichtung des Schlafplatzes in der Scheune. Doch nicht allzu lange, denn unser Taxi wartete schon: Ein Deutz Traktor, der die gesamte Gruppe auf einem mit Sitzplätzen versehenen Anhänger zum Abendessen in ein nahegelegenes Restaurant fuhr. Der Fahrtwind auf der Rückfahrt ließ bereits auf eine kalte Nacht schließen. Der restliche Abend wurde mit Musik, Getränken und reichlich Geschichten gemütlich am wärmenden Lagerfeuer verbracht. Manch ein Azubi machte sich Gedanken, wie er sich die Nacht angenehmer gestalten könnte: Mit einem  Pflasterstein (genannt Bettina), der kurzerhand die vom Lagerfeuer übertragene Wärme mit in den Schlafsack nahm.

Neben einem gut organisierten Frühstück (Rührei, belegte Brötchen, Kaffee und Kakao) ließ auch das klare Wetter auf einen angenehmen Tag hoffen.

Um 8 Uhr versammelte sich das gesamte Team am Dorfplatz, wo auch sofort mit den anstehenden Arbeiten begonnen wurde. Der Großteil der Gruppe kümmerte sich um das Errichten des Unterstandes, während andere die restlichen Pflastersteine verlegten. Es dauerte nicht lange, dann musste die Arbeit auch schon unterbrochen werden, da der erste von zahlreichen frisch gebackenen Kuchen auf uns Azubis wartete. Unser Projekt schien sich langsam herumzusprechen. Die Mittagspause verbrachten wir wie am Vortag in Wilhelmsheim.  Gestärkt nahm die Gruppe die letzten anstehenden Arbeiten, wie z. B. das Waschen der Dachziegel und das Anbringen der letzten Dachlatten auf sich, so dass am Abend das Richtfest gefeiert werden konnte. Dies wurde traditionell mit dem Richtspruch, eigens vom Zimmermann gedichtet, eingeläutet. Auf die Dankesrede des Bürgermeisters Herrn Jäger folgte ein musikalischer Leckerbissen seitens der Ausbildungsgruppe. Sämtliche Anwesenden, unter anderem auch die Ausbildungsleitung vertreten durch Frau Pietsch und Herrn Eger, feierten ein harmonisches Richtfest. Die gesamte Gemeinschaft begab sich daraufhin in Richtung Scheune, wo auch schon der Grill und gedeckte Tische warteten. Leckere Kostbarkeiten (Fleisch von der Pute bis zum Rostbraten, Käsespieße, Obstsalat, gemischte Salate, und kühle Getränke), alles von den Azubis vorbereitet, wurden verspeist. Während des Abends hatte man so die Gelegenheit, sich mit den Einwohnern von Schiffrain, dem Bürgermeister und der Ausbildungsleitung zu unterhalten und offene Fragen zu stellen. Nachdem der Hunger gestillt war, trug wieder einmal ein gemütliches Lagerfeuer zum Ausklang des Abends bei.

Die zweite Nacht war sehr viel angenehmer als die erste, so dass auch Improvisationen wie „Bettina“ nicht zum Einsatz kommen mussten.

Das Frühstück sowie sämtliche über den Tag andauernde Kuchenlieferungen glichen schon fast einer Völlerei. Am letzten Tag wurden die restlichen Arbeiten erledigt. Diese bestanden aus dem Putzen und Zuschneiden sämtlicher Dachziegel, dem Decken des Dachs und der Begrenzung des Platzes durch Felsen.

Das Ergebnis war beeindruckend. Der Platz war mit Steinen versehen, das komplette Holzgerüst stand und sogar das Dach war gedeckt. Dies alles in lediglich drei Tagen Arbeit. Wir waren selbst vom Fortschritt überrascht.

Seitens der Gemeinde wurde uns ebenfalls sehr viel Dankbarkeit entgegengebracht.

Inzwischen zeigte sich das Wetter nur noch von der schönen Seite, so dass die sommerlichen Temperaturen für Sonnenbrand sorgten und zu einer letzten Wasserschlacht genutzt werden konnten. Nachdem sämtliche Werkzeuge geputzt und aufgeräumt waren, genoss man noch zusammen den Anblick des Unterstandes, bis man sich zur Scheune aufmachte, um auch diese dem Antreffen nach gerecht aufzuräumen. Wehmütig aber doch mit Freude auf das eigene Bett zu Hause machte sich die gesamte Gruppe  gegen 16 Uhr in Richtung Mettinger Parkplatz auf.  Nach einer erholsamen Nacht traf man sich freitags zur Nachbesprechung im Gebäude 1. Sämtliche Erfahrungen, teils positiv als auch negative wurden ausgetauscht und besprochen. Sowohl die Meister bekamen ein Feedback seitens der Azubis, als auch die Azubis seitens der Meister. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass dieser sozialpädagogische Lehrgang eine völlig neue Erfahrung für jeden Auszubildenden war. Die Gruppe empfand diese Herausforderung, trotz des kalten Wetters und dem steinigen Boden, als durchaus machbar und schon jetzt kommt in der Gruppe der Wunsch auf, in geraumer Zeit ein Nachtreffen in Schiffrain zu organisieren.


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