Mein Leben nach der Arbeit als Informatikkaufmann

Es ist mal wieder Montagmorgen. Ein Wochenende ist wieder vorbei. Ich fahre mit der Bahn zu der Daimler AG nach Wörth, eigentlich wie jeden Tag. Normalerweise sind Wochenende ja dazu da, um abschalten zu können, die Arbeit hinter sich zu lassen alle Sorgen zu vergessen.

fußballAber was ist, wenn man am „freien“ Wochenende ein Hobby betreibt, das nicht immer alle Sorgen vergessen lässt?

Zurzeit absolviere ich meine Ausbildung zum Informatikkaufmann im 2. Ausbildungslehrjahr. Meine Heimat ist die Fächerstadt Karlsruhe, arbeiten tue ich jedoch in Rheinland-Pfalz, genauer gesagt in Wörth – die Welt der LKW’s.

Neben meinen Tätigkeiten mit dem Computer umzugehen und über Bits und Bytes alles zu wissen habe ich mir als Hobby ein ganz besonderes ausgesucht, das nicht jeder betreibt.

Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich geprüfter Leistungsschiedsrichter im Bereich Fußball. Neben den einzelnen Jugendspielen, leite ich Seniorenspiele der B- und C-Klasse und bin ebenfalls als Linienrichter in der Landesliga eingesetzt.
Es ist eine Kehrtwende um 180 Grad im Gegensatz zum Büro. Dort bin ich der Azubi der die Aufgaben erledigt, die er gesagt bekommt. Auf dem Platz gebe ich mit meiner Pfeife – der Fox 40 den Ton an. Widersprüche sind nicht gestattet und werden geahndet.
Im privaten Kreis wird darüber oft gelacht und gespottet – „der Schiedsrichter der im Mittelkreis stehen bleibt“. Eine Floskel die ich oft genug zu hören bekomme.

Doch so ein Wochenende hat es in sich. Gewöhnlicherweise ist das Spiel Sonntagmittag gegen 3 Uhr. Die Sporttasche ist immer gerichtet und startklar. Während dem Spiel ist immer hohe Konzentration gefordert, eine Fehlentscheidung kann das Spiel entscheiden und die Stimmung kippen lassen.
Wenn das passiert, hast du es als Schiedsrichter ganz schwer. Nicht selten kommt es vor, dass du als Schiedsrichter auf das Übelste beschimpft wirst und dir sogar mit Schlägen bedroht wirst. Viele Leute verlieren dabei die Trennung zwischen realen Leben und eben dem Hobby „Fußball“. Nicht nur aus diesem Grund hören bis zu 50 % nach dem ersten Jahr wieder auf, Spiele als Schiedsrichter zu leiten! Und genau dann kannst du deine Sorgen am Wochenende nicht vergessen, denn dann kommen noch mehr hinzu. Du hinterfragst dich sehr lange, was du falsch gemacht hast und versucht irgendwelche Lösungen und Antworten zu finden, meist vergebens.

Aber was ist mit diesen Unparteiischen, die als Hauptberuf den Zahnarzt ausüben, sowie damals Dr. Markus Merk und in den höchsten Spielklassen der Welt pfeifen? Dort kann ein Pfiff Millionen wert sein. Wie geht er mit den Pfiffen um, die in den Stadien dieser Welt, vielleicht von 80.000 Zuschauern kommen? Geht er am Montagmorgen wieder in die Zahnarztpraxis und macht weiter, als wäre nichts gewesen? Ich glaube nicht.
Ganz schlimm war es für Howard Webb. Er ist englischer Schiedsrichter und war auserwählt bei der EM 2008  zu pfeifen. Aufgrund einer Elfmeterentscheidung in der letzten Minute des Spiels Österreich gegen Polen für Österreich, die den Ausgleich Österreichs zu Folge hatte, wurde er Opfer von Morddrohungen.

Schade eigentlich, denn normalerweise sollte der Fußball doch ein Hobby bleiben und nicht als Gewaltakt enden?

Doch zum Glück ist dies nicht der Normalfall. Unter normalen Umständen leitest du dein Spiel, wirst eventuell noch zu einem Bier und einem Schnitzel eingeladen und bekommst dein Geld. Zuhause wird der Spielbericht mit allen Informationen ausgefüllt und fertig ist das Spiel.
Ein ganz besonderes Gefühl ist es, wenn man Spiele in der Pfalz leiten darf. Dort wirst du als Freund empfangen und du darfst als Freund wieder gehen.  Das Geschehen, das während dem Spiel passiert, vergisst man nach dem Spiel bei gutem Essen und einem – oder auch mehreren Gläsern Wein ;-).
Sobald man dann vom Spiel zurückkehrt und seine Sporttasche ausgepackt hat und im Bett abends liegt ist es meistens schon spät. Der Wecker ist gestellt und klingelt um halb 6. Der Sonntag ist vorbei und es grüßt mal wieder der Montagmorgen und nur die Arbeit bei der Daimler AG zählt.

Um wieder zurückzukommen, es ist mehr als nur ein Hobby inzwischen. Es macht mir unheimlich Spaß am Wochenende die Pfeife in den Mund zu nehmen und für einen reibungslosen Spielbetrieb zu Sorgen. Aber man darf niemals vergessen, dass man sich auch in einem Zwiespalt zwischen Hobby und Gewalt befindet.

Mich würde es sehr freuen, wenn es vielleicht im Konzern der Daimler AG noch mehr Schiedsrichter gibt, die über diese Thematik, ihre Erfahrungen schreiben, und generell wie sie dieses Hobby erleben.

Foto: flickr (SurfGuard)

UPDATE – Mehr zum Thema „Schiedsrichter und Daimler-Mitarbeiter“:

Sowohl Knut Kirchner (Mittwoch Champions League, Donnerstag A-Klasse-Türen) als auch Peter Gagelmann (Interview: Ein Daimler-Promi mit Pfiff) haben hier auf dem Daimler-Blog bereits über ihre Arbeit als Schiedsrichter und Daimler-Mitarbeiter berichtet.


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